Der Stuttgarter Gemeinderat beschließt den Neubau der Integrierten Leitstelle in Bad Cannstatt. Andere dringende Feuerwehrprojekte stehen dagegen auf der Kippe.
Die Zeit drängt. Denn die Retter brauchen dringend Hilfe. Seit 2006 laufen die Notrufe in Stuttgart in der Integrierten Leitstelle (ILS) von Feuerwehr und Rettungsdienst ein. In diesem Jahr dürften es rund 265000 werden. Das Gebäude steht auf dem Gelände der Feuerwache 3 in Bad Cannstatt an der Mercedesstraße. Obwohl es noch gar nicht so alt ist, platzt es aus allen Nähten.
Und noch ein Problem gibt es: Die aktuell eingesetzte Leitstellentechnik lässt sich nicht mehr lange nutzen. Eigentlich ist sie schon seit einem Jahr gekündigt, aber im Rahmen einer Notverlängerung vorerst bis Ende 2029 gesichert worden. Danach muss dringend eine neue Lösung her.
Preissprung um 49 Millionen Euro
Die wird ein kleines Stück weiter entstehen, ebenfalls in Bad Cannstatt. Im neuen Stadtquartier Neckarpark, zwischen Mercedes-Motorenwerk und Schleyerhalle, ist ein Neubau für das künftige Führungszentrum für Sicherheit und Gefahrenabwehr inklusive ILS geplant. Direkt an der Benzstraße ist es vorgesehen, als Teil des Lärmschutzriegels. Auf dem Nachbargrundstück soll später die zentrale Verwaltung der Branddirektion unterkommen.
Der Gemeinderat hat den Neubau jetzt beschlossen. Der maximale Finanzierungsrahmen beträgt 112,5 Millionen Euro – das sind 49 Millionen Euro mehr als man noch 2022 veranschlagt hatte. Der Mehrbedarf wird von den Mitteln abgezapft, die für das später geplante Verwaltungsgebäude vorgesehen waren. Geplant ist, das Bauvorhaben aufgrund des Zeitdrucks an ein einziges Unternehmen zu vergeben. Es ist beabsichtigt, damit die Georg Reisch GmbH & Co. KG aus Bad Saulgau zu betrauen. Sie hatte sich in einem Vergabeverfahren durchgesetzt.
Die Feuerwache 3 in Bad Cannstatt beherbergt derzeit die Leitstelle, soll aber in den nächsten Jahren komplett umstrukturiert werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die neue ILS muss wegen der Probleme mit der Leitstellentechnik spätestens Anfang 2031 in Betrieb gehen. Bis dahin soll ein funktionales Gebäude mit Klinkerfassade entstehen. Die Dachfläche wird ebenso begrünt wie 30 Prozent der Fassade. Auf dem Dach wird auch eine PV-Anlage entstehen. Untergebracht werden dort die ILS, der Einsatzführungsdienst sowie der Führungsstab. Das soll die Kommunikation gerade bei außergewöhnlichen Einsatzlagen verbessern.
Bei der Branddirektion freut man sich. „Wir sind sehr dankbar, dass einige für die Gefahrenabwehr in Stuttgart elementare Projekte trotz der aktuellen Haushaltslage umgesetzt werden“, sagt Sprecher Daniel Anand. Dazu gehöre der jetzt beschlossene Neubau des Führungszentrums mit der ILS.
Weil die Stadt massiv sparen muss, stehen diverse Projekte allerdings auf der Kippe. So ist offen, ob es Botnang, Birkach oder Büsnau überhaupt in den nächsten Doppelhaushalt schaffen. In Münster, wo erst vor wenigen Tagen der Spatenstich für den Neubau des Magazins der Freiwilligen Feuerwehr erfolgt ist, wird es wohl kleinere Einsparungen geben.
Wie geht es bei der Ausbildung weiter?
Zittern muss man auch beim dringend benötigten neuen Aus- und Fortbildungszentrum für die knapp 2000 hauptberuflichen und ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen der Stadt: Das Grundstück in Möhringen neben der neuen Feuerwache 5 ist zwar gekauft, allerdings wird Geld dafür benötigt, es zeitnah zumindest provisorisch herzurichten. Immerhin: Das Projekt Neubau der Wache 1 im Süden samt Interim unter der Paulinenbrücke läuft – und ist damit dem finanziellen Einbruch bei den Stadtfinanzen noch gerade so zuvorgekommen.
Noch ist nichts endgültig beschlossen. Bei der Feuerwehr äußert man sich dementsprechend vorsichtig. „Aktuell warten wir die Haushaltsberatungen ab. Die Branddirektion ist sich der derzeitigen finanziellen Lage der Stadt sehr bewusst und wir tragen unseren Teil zur Haushaltskonsolidierung bei. Trotzdem gilt es, die langfristige Einsatzfähigkeit unserer Feuerwehr aufrecht zu erhalten“, sagt Anand. In Bezug auf die weiteren Bauprojekte, etwa die Feuerwehrhäuser in Botnang, Büsnau und Birkach, werde man die weiteren Entwicklungen in den Beratungen im Auge behalten und sehen, „ob in gewissen Bereichen eine Umsetzung möglich ist“.