Filderstadt Biomarkt Erdi muss raus - „Es ist Wahnsinn, ohne große Not zu schließen“

Das Gebäude, in dem sich der Biomarkt befindet, soll saniert werden. Das wird aber Jahre dauern, argumentieren der Gründer Karl Hässner (rechts) und Marktleiter Holger Müller. Foto: Caroline Holowiecki

Den kleinen Biomarkt Erdi an der Ortsdurchfahrt von Bernhausen gibt es schon lange, Ende des Jahres läuft der Mietvertrag mit der Stadt jedoch aus. Was jetzt?

„Wir wollen bleiben – für Filderstadt und seine Menschen“, das steht auf dem großen Plakat an der Eingangstür des Bio-Lebensmittelmarkts Erdi in Bernhausen. Es ist ein offener Brief an den Oberbürgermeister Christoph Traub und an den örtlichen Gemeinderat. Formuliert haben ihn die Betreiberfamilie Hässner und das Ladenteam.

 

Der Grund: Die Stadt als Vermieterin lässt den Mietvertrag auslaufen. Bis Ende dieses Jahres muss Erdi raus. Nun stehe man vor einer „Situation, die unsere Existenz bedroht: Es gibt keine geeignete Ersatzfläche in Bernhausen“. Der Laden befindet sich in einem Komplex an der Ortsdurchfahrt. „Faktisch sind es drei Gebäude“, erklärt Christoph Traub. Das Bürgerzentrum samt Begegnungsstätte befindet sich hier, ein Friseursalon, die Kreissparkasse, einige Leerstände und Büros der Stadtverwaltung. Dass zumindest deren Trakt marode ist, ist bekannt.

Zuletzt berichtete der OB von unhaltbaren Zuständen. Wasser dringe ein, der Brandschutz sei problematisch, ein Teil der Heizung sei ausgefallen. „Ich möchte das Gebäude Aicher Straße 9 verwaltungsseitig bis zum 31. Dezember 2026 geräumt haben“, sagte er Anfang des Jahres, mittlerweile läuft der Umzug. Von der Weiterentwicklung, auch von einem potenziellen Abriss des Komplexes, ist seit dem Jahr 2015, als die Stadt den letzten Gebäudeteil erworben hat, immer mal wieder die Rede. Konkrete Planungen gibt es jedoch nicht.

Biomarkt Erdi in Bernhausen: „Gehen unnötig Arbeitsplätze verloren“

Das Damoklesschwert hängt seit gut zwei Jahren über Erdi, sagt Karl Hässner, der Inhaber. Nach einer Verlängerung läuft der Mietvertrag zum 31. Dezember aus. Und nicht nur dieser. Sämtliche Mieter müssen raus, bestätigt Christoph Traub. „Die Mietverträge sind gleichlautend gestaltet“, und dass das Ende bevorstehe, sei allen Vertragsparteien klar gewesen. „Dem Erdi hat niemand gekündigt“, betont er.

Für Karl Hässner wiederum fühlt es sich wohl ein bisschen so an. „Es ist Wahnsinn, das Ding ohne große Not schließen zu müssen“, sagt er. Denn Fakt ist: Planungen für Bauprojekte dauern mitunter viele Jahre. So lange könne Erdi doch bleiben, findet Karl Hässner. „Da gehen unnötig Arbeitsplätze verloren“, sagt er. Zwölf Menschen arbeiteten im Laden.

Alternative für Biomarkt Erdi fehlt bis jetzt

Die Biomarktkette Erdi besteht seit 1980. Da eröffnete das Ehepaar Hässner in Bonlanden seinen ersten Naturkostladen, in Bernhausen ist man etwa seit der Jahrtausendwende. Nach der Schließung der Filiale in Nellingen in diesem Frühjahr gibt es noch vier Erdi-Standorte: zwei in Stuttgart, einer in Echterdingen – und eben der in Bernhausen.

Im Zentrum des größten Filderstädter Stadtteils ist der Laden mit 400 Quadratmetern Verkaufsfläche der Nahversorger. „Die Stadt legt Wert drauf, dass wir in der Stadtmitte bleiben“, berichtet Karl Hässner. Man werde alles tun, um das Geschäft zu halten, habe es geheißen, eine passende Alternative habe man jedoch bislang nicht anbieten können.

Der Biomarkt ist ein wichtiger Nahversorger in Bernhausen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Was passiert nach dem Biomarkt Erdi in Bernhausen?

Die Kundschaft jedenfalls sind auf der Seite der Erdi-Betreiber. „Das wäre für Bernhausen wirklich ein herber Verlust“, schreibt eine Frau auf Facebook. „Würden hier die angekündigten Projekte endlich mal umgesetzt werden, statt einfach nur abgerissen und Brachflächen hinterlassen, würde es viel mehr Möglichkeiten geben“, moniert ein Mann. Und auch im Gemeinderat ist mancher offenbar unzufrieden mit dem Vorgang. „Leider wurde auch hier viel Zeit und Geld verspielt, denn ein konkreter Plan und ein Beschluss fehlen noch, obwohl schon lange vermittelt wurde, dass das Gebäude nicht zu halten ist“, schreibt der SPD-Fraktionschef Walter Bauer im sozialen Netzwerk.

Christoph Traub wiederum betont, die Situation durchaus ernstzunehmen. „Die Nahversorgung im Stadtteil ist ein wichtiges Gut. Ich will auch die Kreissparkasse nicht verlieren in der Stadtmitte“, sagt er. Gleichwohl müsse man die Transformation des Gebäudes voranbringen. Es befindet sich im Sanierungsgebiet Bernhausen. Vor Kurzem kam der Bescheid über eine Verlängerung bis 2028, für Umbaumaßnahmen gibt es Zuschüsse aus dem Landessanierungsprogramm.

„Wir sind in der Verantwortung, an der Stelle etwas zu entwickeln, das den Zielen des Landes entspricht“, sagt der OB. Wie schnell und in welcher Form es an der Ortsdurchfahrt vorangehen könne, ob die Stadt selbst tätig werde oder doch ein Investor, das alles sei aktuell indes unklar. „Ich habe keine Beschlusslage“, betont er. Im Juli soll der Gemeinderat über einen Verwaltungsvorschlag beraten.

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