Weinstadt Demeter, Bioland, Naturland: Welches Bio-Label ist das beste?

, aktualisiert am 24.01.2025 - 12:30 Uhr
Experten im Gespräch: Der Filmproduzent Valentin Thurn und Monika Westerkamp, die EU-Biozertifizierungen vornimmt. Foto: Gottfried Stoppel

Demeter, Bioland, Naturland, Gäa – die Liste der Bio-Labels ist lang. Dann gibt es ja noch die Zertifizierung nach EU-Verordnung. Wie soll man da den Überblick behalten? Und wie sicher sind die Produkte?

Volontäre: Isabell Erb (erb)

Das Wort „Bio“ ist in aller Munde. Es steht für nachhaltigen Ackerbau, für eine bessere Tierhaltung und für weniger Chemie im Essen. Vergangenes Jahr feierte das Label seien 100. Geburtstag. Aber was steckt hinter dem Begriff? Wie sehen die Kontrollen aus, und welches der Siegel ist das beste? Diese Fragen beschäftigten die Besucher des Kinoabends „Die Biorevolution“, den der BUND in Kooperation mit dem Kommunalen Kino in Weinstadt-Beutelsbach veranstaltet hat. Antworten auf die Fragen gaben der Filmproduzent Valentin Thurn, die Bio-Inspektorin Monika Westerkamp sowie der Burgstetter Bio-Landwirt Helmut Voltz.

 

Bio gibt es schon länger als man denkt

Im Zentrum des Abends stand der Film die „Bio-Revolution“. Der Dokumentarfilm, der auf dem Sender Arte ausgestrahlt wurde, erzählt die Geschichte der ökologischen Landwirtschaft. Was der Film eindrücklich zeigt: „Bio“ gibt es schon länger, als man denkt. Entstanden ist es als Gegenbewegung zur stetigen Industrialisierung der Landwirtschaft im frühen 20. Jahrhundert.

Mit dem „Demeter“-Siegel entwickelt zu dieser Zeit das erste Label – geprägt von der Anthroposophie und der Lehre Rudolf Steiners. Thurn erzählt, er habe es zunächst skurril gefunden, dass jemand, der eigentlich überhaupt keine Ahnung von Landwirtschaft hatte, diese mitgeprägt habe. „Aber dann habe ich festgestellt: so esoterisch er vielleicht war, es waren bahnbrechende Gedanken in seinen Vorträgen drin“, so der Produzent. „Das Wort Kreislaufwirtschaft zum Beispiel.“

Bio-Label: „Die EU-Zertifizierung ist die Basis“. Foto: dpa/picture alliance / David Ebener//David-Wolfgang Ebener

Grundlage für Bio-Label ist EU-Zertifizierung

Bis der Ökoanbau von der anfangs unergiebigen „Glaubensgemeinschaft“, wie der Film sie mit einem Augenzwinkern kommentiert, zu dem wurde, was er heute ist, dauerte es jedoch mehr als 60 Jahre. In der Zwischenzeit sind mehr als 100 Bio-Siegel entstanden, die der ökologische Landwirtschaft verschiedene Kriterien und Standards zugrunde legen. Wie soll man da den Überblick behalten?

„Die EU-Zertifizierung ist die Basis“, antwortet Monika Westerkamp auf die Frage, welches der Siegel denn das beste sei. Westerkamp kontrolliert, ob sich Bio-zertifizierte Betriebe an die EU-Verordnung halten. Aktuell ist sie in der Gegenkontrolle tätig, sie prüft also, ob die Kontrollen bei den Betrieben richtig durchgeführt wurden. Wenn ein Betrieb eine Bio-Zertifizierung nach EU-Verordnung bekommen möchte, muss er sich an eine Reihe von Anforderungen halten. Beim Ackerbau müsse etwa auf chemisch-synthetische Düngemittel verzichtet und auf die Sortenwahl geachtet werden, außerdem müsse das Saatgut von einem Händler mit Bio-Zertifizierung kommen, so Westerkamp.

Bei Viehbetrieben stehe die artgerechte Tierhaltung im Vordergrund: „Die Rassen müssen robust sein, sodass es möglichst zu keinen Krankheiten kommt“, sagt die Inspektorin. Auch Vorgaben zur Beweidung , zum Auslauf und zum verfügbaren Platz sind genau definiert. „Meine Hühner sitzen auf einer Stange mit der Länge von exakt 18 Zentimetern“, sagt der Bio-Landwirt Helmut Voltz.

Demeter und Bioland: Höhere Anforderungen

Und wie sieht es mit Demeter, Bioland und Co aus? „Die Verbände haben höhere Standards, besonders in der Tierhaltung“, führt Westerkamp weiter aus. Im Gegensatz zu den EU-Richtlinien dürfe ein Hof bei vielen Verbänden etwa keine Mischung aus biologischem und konventionellem Anbau haben, sondern müsse sich vollständig auf Ersteres spezialisieren.

Ob es ein zwischen den Labeln eine Qualitätsabstufung gibt, darüber sind sich die Experten uneins. Der „Biorevolution“-Produzent Thurn sagt: „Ja!“ Seiner Meinung nach habe Demeter – vor allem in der Tierhaltung – die höchsten Standards, gefolgt von den Labeln Bioland und Naturland. Für Landwirt Voltz, der im Bioland-Verband ist, gibt es kein Ranking. „Die Verbände haben unterschiedliche Schwerpunkte“, sagt er. Bioland etwa habe ein Punktesystem für Biodiversität; manche Verbände erlaubten mehr, andere weniger Tiere auf einem Hof. „Das wichtigste ist, dass die Verbände alle zusammenarbeiten“, fügt der Landwirt an. Dem schließt sich auch Monika Westerkamp an. Unter den Verbänden sehe sie keine Rangliste.

Bio-Label – Wie steht es um das Vertrauen?

„Und wie sicher sind die Labels?“, will eine Frau aus dem Publikum wissen. „Jeder Biobetrieb muss einmal im Jahr kontrolliert werden“, antwortet Westerkamp. 20 Prozent der Kontrollen fänden unangekündigt statt, außerdem müsse es regelmäßig Zweit- und Routinekontrollen geben. „Wenn ein Verdacht an uns herangetragen wird, dann müssen wir dem nachgehen“, fügt die Inspektorin an. Dass bei den Kontrollen etwas gefunden werde, das gegen die Regelungen verstößt – konventionelles Düngemittel beispielsweise – sei selten. „Dann werden amtliche Kontrollen durchgeführt.“ Aber in fast allen Fällen handle es sich um Abdrift, also um eine Verunreinigung durch Düngemittel, das auf den umliegenden Äckern verwendet werde. Bewusstes Fehlverhalten sei sehr selten.

Wird ein Landwirt kontrolliert, muss er dem Prüfer den Zugang in seine Betriebsstätte gewähren. „Man muss ganz schön die Hosen runterlassen“, sagt der Beutelsbacher Bio-Weinbauer Helmut Staib und lacht. „Und wenn man das Label bekommen hat, fällt einem ein Stein vom Herzen“, ergänzt Voltz. Schließlich habe man das ganze Jahr daran gearbeitet.

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