Über den Hügeln von Weissach thront es, das Entwicklungszentrum des Autoherstellers Porsche – dem die Gemeinde zu verdanken hat, dass es ihr finanziell über viele Jahre gut ging. Ein zuverlässig hoher Gewerbesteuerzahler ist Porsche allerdings schon eine Weile nicht mehr – denn Gewerbesteuern sind volatil, sie verändern sich mit Geschäftslage stark und können noch Jahre später neu berechnet werden.
Schon in der Vergangenheit musste Weissach einmal Vorauszahlungen zurück überweisen, ein schwerer Schlag für die kommunale Finanzplanung. Und auch nach ein paar guten Jahren sind die Prognosen in Sachen Gewerbesteuern nun nicht mehr so rosig, wie sie einmal waren. Als „schwarzes Loch“ bezeichnete der Weissacher Kämmerer Martin Oberstebrink die Gewerbesteuern jüngst. „Einmal kriegt man mehr, einmal muss man viel zurückzahlen.“
In Weissach musste man angesichts schlechter Berichte aus dem Hause Porsche bereits letztes Jahr drastisch nach unten kalkulieren – 62 Millionen Euro weniger standen auf einmal auf der eigentlich traumhaften Haushaltsrechnung, die damit ins Minus rutschte. Ganz so drastisch ist es dann doch nicht gekommen: Mit sieben statt damals drei Millionen Euro einkalkulierten Gewerbesteuerzahlung rechnet die Kommune nun für 2025. Das ordentliche Haushaltsergebnis für das vergangene Jahr rutscht auf rund 881 000 Euro, also gerade so wieder in die schwarzen Zahlen.
Stagnation bei Porsche spiegelt sich auch im Haushalt von Weissach wider
Üppig sprudeln wird die Quelle Porsche wohl auch weiterhin nicht. Oberstebrink rechnet für das laufende Haushaltsjahr 2026 mit Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von rund fünf Millionen Euro – wo man in Vorjahren sogar teilweise mit dreistelligen Millionenerträgen geplant hatte. Zusätzlich belasten den Haushalt für 2026 die hohen Umlagen an Kreis und Land, die – wegen der Berechnung anhand des guten Haushaltsjahrs 2024 – noch recht hoch ausfallen. Sobald es Porsche schlechter geht, merke man das eben auch im Rathaus, kommentierte Oberstebrink bei der Vorstellung der Finanzlage im Gemeinderat. „Unsere Struktur ist nicht drauf ausgelegt, sich selbst zu tragen.“
Und das wird auch erst mal noch so bleiben. Für 2026 rechnet der Kämmerer mit einem Minus von rund 4,3 Millionen Euro im Ergebnishaushalt. Dieser stellt den gesamten Ressourcenverbrauch und die Ressourcenvermehrung der Gemeinde da. Im Finanzhaushalt – der vor allem die liquiden Mittel der Gemeinde Weissach aufzeigt – ist das Minus sogar noch größer: 49 Millionen Euro fehlen hier, unter anderem wegen des hohen Bedarfs für laufende Verwaltungstätigkeiten und zahlreiche geplante Investitionen.
Weissach: In Zukunft geht es beim Sparen ans „Klein-Klein“
Und nun? Die Kommune nimmt sich auch weiterhin vor, den Gürtel enger zu schnallen. „Wir hoffen auf ein deutlich strengeres Controlling“, sagt Oberstebrink. Klar ist aber auch: Schnell wird das nicht gehen. „Den großen Wurf, um auf einmal eine Million zu sparen, gibt es nicht“, kommentiert der Kämmerer, „sondern da geht es ans Klein-Klein.“ Andere Kommunen, denen es schlechter gehe als Weissach, seien auch mal „ein ganzes Leben“ damit beschäftigt, ihren Haushalt zu konsolidieren.
Immerhin: Verlassen kann man sich in Weissach noch auf einen großen Batzen Rücklagen, den die Gemeinde – Porsche sei Dank – in guten Gewerbesteuerjahren ansparen konnte. Dieses Polster schmilzt zwar kontinuierlich, aber es können damit noch zahlreiche Investitionen angegangen werden.