Finanzielle Sorgen von Familien „Man arbeitet nur noch, um zu überleben“

Auch in Stuttgart und Umgebung machen sich Familien Sorgen um ihre finanzielle Situation. Foto: imago

Familien in Deutschland machen sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft. Auf unserem Instagram-Kanal haben wir gefragt, was Familien aus der Region am meisten belastet.

Freizeit und Unterhaltung: Dominika Bulwicka-Walz (dbw)

Soll es diesen Monat das dringend benötigte Paar Schuhe für den Sportunterricht sein oder eine neue Herbstjacke, weil die vom Vorjahr viel zu klein geworden ist? Solche und ähnliche Abwägungen beschäftigen offenbar immer mehr Familien in Deutschland. Das Ergebnis einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Organisation Save the Children zeigt, dass Familien in Deutschland Sorge haben um ihre finanzielle Sicherheit. 25 Prozent der Eltern minderjähriger Kinder, zehn Prozent mehr als noch im Januar, schätzen ihre finanzielle Situation pessimistisch ein.

 

Wie geht es Familien in Stuttgart und Umgebung? Sehen sie ihre finanzielle Situation ebenfalls kritisch? Die Stuttgarter Zeitung hat auf ihrem Instagram-Kanal @stzfamilie ihren Followern die Frage gestellt: Was belastet Euch finanziell am meisten?

Lebensmittelpreise und „einfach Dinge des täglichen Lebens“

Die Antworten bestätigen die Ergebnisse der Forsa-Umfrage: Offenbar sind auch Eltern in Stuttgart und Umgebung beunruhigt. Wohnung, Familienleben, Ausgaben für das tägliche Leben bereiten den Menschen Sorgen. Wohnen und Miete sind die am häufigsten genannten Punkte der User in der StZ-Familie-Umfrage. Aber auch die hohen Lebensmittelpreise und „einfach Dinge des täglichen Lebens“, wie eine Userin schreibt, werden genannt. Eine andere bringt es auf den Punkt: „Kein Geld mehr für Freizeit. Sprich, man arbeitet nur noch, um zu überleben.“ Diese Sorge deckt sich ebenfalls mit den Ergebnissen der Forsa-Studie: Ferien, Restaurantbesuche oder Hobbys der Kinder rücken laut Forsa-Umfrage für fast die Hälfte der Familien mit weniger als 3000 Euro netto im Monat in weite Ferne. 48 Prozent der Befragten mit diesem Einkommen gaben in der Umfrage an, sich das nie oder selten leisten zu können.

Auch das Thema Alleinerziehendes Elternteil beschäftigt eine Userin, die offenbar Sorge hat nicht über die Runden zu kommen.

Die Folgen dieses finanziellen Drucks sind bei einem Fünftel der Kinder aus diesen Gruppen seelischer Stress. „Wir wissen aus anderen Studien, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien häufiger von psychischen Störungen betroffen sind und gleichzeitig schwerer Unterstützung finden. Die Folgen sind langanhaltende hohe gesellschaftliche und individuelle Kosten. Es ist daher eine zentrale politische Aufgabe, Kinderarmut endlich mit Nachdruck zu bekämpfen“, kommentiert Julian Schmitz, Professor für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Leipzig, die Umfrage, die ihm Save the Children zur Einordnung vorgelegt hat.

Bildung dürfe kein Privileg sein

Als Reaktion auf die Umfrageergebnisse, hat die Caritas Rottenburg-Stuttgart einige Aspekte aufgegriffen, die aus ihrer Sicht ebenfalls wichtig wären, um Armut, respektive Kinderarmut zu bekämpfen.

Armut bedeute nämlich nicht nur materielle Entbehrung. Sie würde auch die Teilhabe von Kindern an Bildung, Kultur und Freizeit einschränken, heißt es bei der Caritas. Daher bieten die Kinderstiftungen der Caritas Projekte zu Hausaufgabenhilfe, Lese- und Sprachförderung an. Bei der Initiative Mach dich Stark setzen 50 Partnerorganisationen Projekte und Aktionen um, um Kinder aus einkommensschwachen Familien an Freizeitaktivitäten, Museen, Musikunterricht oder auch an Nachhilfe teilnehmen zu lassen. Zugang zur Bildung dürfe kein Privileg, sondern müsse eine gemeinsame Grundlage für alle Kinder sein, fordert die Caritas. Ebenso sieht die Caritas eine Sicherung der Beratungsangebote, damit Eltern Beratungsstellen frühzeitig ansteuern können, als notwendig an. Das solle auch helfen, die finanziellen Krisen möglichst frühzeitig zu erkennen und Folgeprobleme zu vermeiden, heißt es weiter.

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