Feuerwehrmann aus Leonberg Wenn ein Flugzeug brennt, ist er zur Stelle – aber nicht nur dann
Finn Schneider aus Leonberg ist Feuerwehrmann am Flughafen Stuttgart. Er entstammt einer echten Feuerwehrfamilie. Mit dem Fliegen selbt hat er es nicht so.
Finn Schneider aus Leonberg ist Feuerwehrmann am Flughafen Stuttgart. Er entstammt einer echten Feuerwehrfamilie. Mit dem Fliegen selbt hat er es nicht so.
Wer Finn Schneider bei der Arbeit besuchen möchte, stellt schnell fest: Vieles ist dort ein bisschen anders. Das fängt schon beim Zutritt an. Man klingelt nicht einfach an der Tür und hofft, dass sie aufgeht. Nein, nach der obligatorischen Anmeldung Wochen vorher müssen die Gäste eine Sicherheitsschleuse passieren – schließlich geht es unmittelbar aufs Rollfeld des Stuttgarter Flughafens, ein Arbeitsplatz mit einem Hauch von Abenteuer, ohne Frage. Kurz darf man sich dabei auch noch in der Aura der Reichen und Berühmten sonnen – all das geschieht in der Abflug-Lounge, in der wichtige Manager großer Firmen, aber zum Beispiel auch die Mannschaft des VfB Stuttgart regelmäßig ihre Reisen beginnen.
Im Fall von Finn Schneider wartet jedoch keine Limousine oder ein bequemer, schwarzer Shuttlebus vor der Tür, um die letzten Meter zum Charter- oder Privatjet zu überbrücken. Für die Besucher – in diesem Fall die Presse – steht ein Kommandowagen mit Blaulichtaufbau bereit. Nach nur wenigen Hundert Metern ist man drin: im Magazin der Flughafenfeuerwehr – Finn Schneiders Arbeitsplatz.
Der 22-Jährige kommt aus Gebersheim, einem Leonberger Teilort. „Dort war schon mein Opa bei der Feuerwehr“, sagt er später, als er am Tisch in einem der Besprechungsräume Platz genommen hat. Und wem die Kombination aus „Leonberg, Feuerwehr und Schneider“ bekannt vorkommt: Vater Andreas ist zweiter stellvertretender Kommandant der Leonberger Gesamtwehr, Abteilungskommandant in Gebersheim und arbeitet außerdem bei der Porsche-Werksfeuerwehr. Auch die Schwestern sind bei den Brandschützern aktiv. Die Schneiders, eine wahre Feuerwehrfamilie.
Eine Stunde früher am Morgen. In der riesigen Fahrzeughalle herrscht durchgehend Betrieb. Material wird von A nach B geschafft, Autos umgeparkt, Alltagsgeschäft eben. Wären da nicht kleinen Unterschiede: Draußen, nur wenige Meter vor den Toren und fast zum Greifen nah, startet bei ohrenbetäubendem Lärm ein Flugzeug. Nach Hamburg? Oder in die Sonne nach Mallorca?
Und dann gibt es ja noch die vier gigantischen, charakteristischen Flugfeldlöschfahrzeuge (FLF), die blankgewienert in Reih und Glied im Magazin stehen. „Jeweils zwei sind, neben großen Mengen an Wasser und Schaum, mit Pulver und CO2 zusätzlich ausgestattet“, informiert Peter Schwenkkraus, stellvertretender Leiter der Abteilung Brandschutz und Gefahrenabwehr. Es gäbe noch Tonnen an Details über die neonrot-schwarzen Riesen zu berichten. Alleine diese Zahlen entzünden ein kleines Freudenfeuer bei Technikfans: 750 PS, 39 Tonnen, enormer Lösch-Gelenk-Arm.
Aber es soll vor allem um Finn Schneider gehen. Dass er der Presse einmal seine Arbeit am Stuttgarter Flughafen erklären würde, hatte der Leonberger nicht wirklich auf dem Schirm, als er sich im Jahr 2021 für eine Ausbildung bei der dortigen Feuerwehr bewarb. „Während ich die Feuerwehr-Grundausbildung absolviert habe, kam mir der Gedanke, das tatsächlich beruflich zu machen“, berichtet er, der von klein auf Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Gebersheim ist.
Finn Schneider stürzte sich also ins anspruchsvolle Bewerbungsverfahren mit ausgiebigem Sport- und Fitnesstest sowie Tests zu Allgemeinwissen, zu Physik und zu handwerklichem Geschick. Nach einer Selbstpräsentation ging es schlussendlich zum Vorstellungsgespräch – online, Corona zeitigte noch gewisse Nachwirkungen. „Zwei Wochen später kam die Zusage“, so der junge Mann, der zuvor nach dem Realschulabschluss noch das Abitur drangehängt hatte.
Am 1. September 2022 begann die Ausbildung, die er in der vergangenen Woche erfolgreich abgeschlossen hat. Nun ist es zum Glück nicht so, dass es am Stuttgarter Flughafen regelmäßig zu Bruchlandungen kommt. „Wenn eine Maschine einen Luftnotfall meldet, müssen wir natürlich bereit sein“, so Schneider. Die Flughafenfeuerwehr ist aber für viel mehr verantwortlich. „Dabei geht es viel um vorbeugenden Brandschutz“, weiß er. Die Wehr überprüft zum Beispiel am Airport jeden Feuerlöscher und jeden Brandmelder. Außerdem gehört noch ein Abschnitt der Autobahn zum Einsatzgebiet. Zusätzlich ist die Rettungswache direkt angegliedert. Im Jahr kommen so rund 6000 Einsätze zusammen.
Für Finn Schneider wird sich nun einiges ändern. Während der Ausbildung mussten er und seine „Mit-Azubis“ jeden Tag um 7.30 Uhr antreten. „Das kann man sich schon ein bisschen vorstellen wie bei der Bundeswehr“, sagt er und lacht. Dann gab es entweder Theorie- oder Praxiseinheiten. In den vergangenen drei Jahren wurde Schneider zum Beispiel zum Rettungsschwimmer und -sanitäter ausgebildet. Auch handwerklich ging es zur Sache, unter anderem auch außer Haus bei Thyssen-Krupp oder direkt im Feuerwehrmagazin in der hauseigenen Schreinerei oder den Schlauch- und Atemschutzwerkstätten.
Jetzt, nach Abschluss der Lehre, geht es für den Leonberger in den 24-Stunden-Schichtdienst. „Da hoffe ich auf viele gute Jahre und ich bin echt froh, dass das alles geklappt hat.“ Und es gibt nach wie vor einiges zu lernen. So braucht es zum Beispiel eine spezielle Ausbildung, um Teil der Crew eines der vier gewaltigen FLFs zu sein. „Das kommt jetzt alles nach und nach.“
Seine Freundin stehe bei all dem übrigens stets hinter ihm, betont er. „Obwohl ich schon ein bisschen viel bei der Feuerwehr bin“, fügt er grinsend hinzu. Denn wenn er zuhause in Gebersheim sei und der Melder piepe, dann sei er natürlich mit dabei.
Und wenn er dann irgendwann mal wieder frei hat, steigt Finn Schneider vielleicht auch wieder in ein Flugzeug. Denn geflogen ist er bislang nur zweimal: nach Irland und zurück, um seine Tante zu besuchen. Das war Mitte der 00er-Jahre. „Da war ich quasi noch ein Baby und deshalb kann mich überhaupt nicht mehr erinnern“, sagt er.
Zahlen
Rund 130 hauptamtliche Einsatzkräfte umfasst die Flughafenfeuerwehr Stuttgart. Zwei Wachschichten arbeiten wechselseitig im 24-Stunden-Rhythmus. Ihre Mindeststärke umfasst 19 Feuerwehrangehörige in der Feuerwache Ost direkt auf dem Flughafen und sieben Feuerwehrangehörige in der Feuerwache West an der Messe – darunter eine Einsatzleitung vom Dienst. 34 Fahrzeuge listet die Internetseite www.stuttgart-airport.com derzeit für die Brandschützer.
Untergeschoss
Im Untergeschoss der Wache Ost befindet sich der Trainingsbereich mit Nebelkammer und Fitnessgeräten – und einem zu Übungszwecken teilweise nachgebauten Flugzeug in stilsicherer 1980er-Jahre-Optik.
Ausbildung
Zur Berufsschule hatte es der frischgebackene Flughafenfeuerwehrmann Finn Schneider nicht weit: Auszubildende besuchen seit wenigen Jahren die Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen-Zell. „Davor musste man als Azubi noch nach Bayern fahren“, so Schneider. Rund 20 Personen habe seine Klasse umfasst, mit dabei waren auch angehende Feuerwehrleute etwa von Bosch. Der Jahrgang am Stuttgarter Flughafen umfasste sechs Auszubildende, von denen einer bereits früher fest übernommen werden konnte, da er bereits eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen hatte.