Das Oldtimer-Fliegertreffen feiert sein Comeback auf der Hahnweide in Kirchheim (Kreis Esslingen). Mehr als 300 Teilnehmer präsentieren noch bis Sonntag fliegende Raritäten.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Sechs Jahre haben Pilot Martin Konermann und Trompeter „Woki“ auf dieses Heimspiel warten müssen, am Freitagvormittag konnten sie endlich wieder in die Slingsby steigen, um mit einem lauten Signal das traditionelle Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide zu eröffnen. Die Veranstaltung, organisiert von der Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth, gehört zu den größten ihrer Art in Europa. Luftfahrtfreunde und Technikbegeisterte können noch bis Sonntagabend mehr als 300 motorisierte und nicht motorisierte Ikonen der Lüfte bestaunen.

 

Auch ihre rot-weiß lackierte Slingsby, Baujahr 1949, ist eine fliegende Rarität. „Zwei Sitze nebeneinander und ein offenes Cockpit, das ist im Segelflugzeugbau sehr selten“, erläutert Konermann. Moderne Flugzeuge mit ihren schmalen Silhouetten seien bewusst windschnittig konstruiert – mit hintereinander angeordneten Sitzplätzen. Ihre „Daisy“, wie sie ihr Flugzeug liebevoll nennen, ist hingegen eher ein breiter Brummer. „Wir können damit nicht sehr schnell fliegen, schaffen gerade mal 55 Stundenkilometer.“

Pilot Martin Konermann (links) und Trompeter „Woki“ haben das Fliegertreffen traditionell mit ihrer Slingby eröffnet. Foto: Elke Hauptmann

Für den Geschwindigkeitsrausch ist die mit Baumwollstoff bespannte Holzkonstruktion auch nicht gemacht: Die Slingsby T.21B ist ein Segel-Schulflugzeug, das nach dem Zweiten Weltkrieg für die Kadettenausbildung der Royal Airforce konstruiert wurde. Insgesamt wurden von diesem Muster 92 Stück produziert, davon existieren inzwischen nur noch ganz wenige Exemplare.

Das Fliegertreffen in Kirchheim macht 100 Jahre Luftfahrtgeschichte lebendig

Martin Konermann und Wolfgang Kizler haben „Daisy“ 1994 in Colchester im Südosten Englands entdeckt. Die alte Dame stammt vom Luftwaffenstützpunkt St. Athan und war bis 1985 im Einsatz. „Beim Kauf gab es eine klare Ansage von den Engländern“, berichtet Konermann schmunzelnd. „Der Schriftzug ‚Air Cadets’ war uns verboten. Wir haben dann einfach ein F davor gesetzt.“ Jetzt steht auf dem in Kirchheim stationierten Segelflugzeug also „Fair Cadets“.

Auch eine Vought F4U-5 Corsair, Baujahr 1950, ist auf der Hahnweide am Fuß der Burg Teck gelandet. Foto: Elke Hauptmann

Auf der Hahnweide sind Oldtimerflugzeuge am Himmel und am Boden zu sehen

Anekdoten wie diese können viele Piloten über ihre historischen Maschinen erzählen. Mehr als 100 Jahre Luftfahrtgeschichte werden durch ihre Präsenz am Himmel und am Boden lebendig. Die Eigentümer und Piloten stellen entlang der gut einen Kilometer langen sogenannten Flighline die Fluggeräte traditionsreicher Hersteller – von A wie Antonov bis Z wie Zlin – einem breiten Publikum vor.

Echte Klassiker sind darunter wie zum Beispiel der Fieseler Storch und der Bundeswehrhubschrauber CH-53. Aber auch Flugzeuge, die auf den ersten Blick wie Oldtimer aussehen und sich auf den zweiten Blick als Neubau offenbaren, wie die Junkers F 13 Replica. Und neben Leichtflugzeugen in verschiedenen Variationen sind auf der Hahnweide viele Warbirds mit ihren mächtigen Stern- und V-12-Motoren zu sehen.

Das 20. Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide geht noch bis Sonntagabend

Die Besucher dürfen sich an diesem Wochenende auf ein Rahmenprogramm mit spektakulären Flügen und gekonnten Landungen, mit Informationen, Unterhaltung und Bewirtung freuen. Los geht es am Samstag und Sonntag jeweils um 9.15 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Euro für Erwachsene, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Der Anfahrtsweg zu den Parkplätzen am Gelände ist ausgeschildert, vom S-Bahnhof in Kirchheim verkehrt auch ein kostenloser Shuttlebus zur Hahnweide.

Martin Konermann und Wolfgang Kizler werden am Sonntag um 18 Uhr dann noch einmal in ihre Slingsby steigen und mit einem Trompetensignal das offizielle Ende des Oldtimer-Fliegertreffens auf der Hahnweide verkünden.