Flohmarkt in Leonberg Schnäppchenjagd ist auch nachhaltig
Der Altstadtflohmarkt hat am Samstag wieder auf den Marktplatz gelockt. Von Kleidung bis zu Sammlerschätzen ist alles dabeigewesen.
Der Altstadtflohmarkt hat am Samstag wieder auf den Marktplatz gelockt. Von Kleidung bis zu Sammlerschätzen ist alles dabeigewesen.
Gut gelaunt, bunt gekleidet und mit großen Tüten bewaffnet stehen zwei Frauen mittleren Alters vor einem Stand und mustern ein Buch, das dort angeboten wird. „Guck mal, das wäre doch was für Petra“, sagt Jacqueline, eine der zwei gebürtigen Leonbergerinnen zu ihrer Freundin Nancy. „Wir sind heute hier, weil wir Schnäppchenjägerinnen sind“, sagt sie.
Der jährlich stattfindende Altstadtflohmarkt in Leonberg ist auch dieses Jahr auf dem Marktplatz um den Brunnen herum aufgebaut. Zahlreiche Verkäufer und Verkäuferinnen bieten alles, was das Herz des einen begehrt und beim anderen unbedingt raus muss, an. Große und kleine Tische reihen sich aneinander, teilweise professionell überdacht oder provisorisch mit Schirmen gegen die Sonne geschützt. Bereits um neun Uhr ist der große Marktplatz um den Brunnen gut besucht. Kleidung wird in Massen verkauft, Taschen, Schuhe, Schmuck. Auch wer Babyspielzeug, Figürchen, Haushaltsgegenstände oder Souvenirs aus der eigenen Jugendzeit sucht, wird beim Angebot hier ziemlich sicher fündig.
So auch Jacqueline und Nancy. Die Beiden waren schon öfter gemeinsam auf Flohmärkten und kennen sich dementsprechend aus. „Wir wollen eher weg von professionellen Ständen und lieber mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt Jacqueline. Bei einem Flohmarktbesuch geht es für die Beiden vor allem um den sozialen und auch lokalen Aspekt. Sie sind der Meinung: „Ein Flohmarkt muss unterstützt werden. Besonders, wenn er geschrumpft ist“. Früher verteilten sich die Stände des Leonberger Altstadtflohmarktes über mehrere Nebenstraßen, heute beschränkt er sich vor allem auf den Marktplatz mit dem Brunnen im Zentrum.
Mehrere hundert Menschen besuchen den Flohmarkt zwischen acht und 16 Uhr, entdecken, schwätzen, feilschen. Es scheint, als würden die Meisten Jacquelines und Nancys Meinung teilen, Wert auf persönliche Gespräche legen und weniger von den professionellen Ständen halten. Auch, wenn an diesen sich ähnelnden Ständen zahlreich glänzender Schmuck verkauft wird, steht kaum einer der vielen Besucher davor. Stattdessen tummeln sie sich nebenan, beim Stand mit dem Babyspielzeug. Die Frau hinter dem Verkaufstisch hat alle Hände voll damit zu tun, nacheinander mit den Gästen zu feilschen. Sie verkauft das erste Mal, meint aber, dass es gut laufe. „Wir verkaufen viele Sachen für so drei Euro, das soll ja alles weg“, erläutert sie.
Auch Jacqueline und Nancy sind in Kauflaune. So ziehen sie von Stand zu Stand, bewundern und kaufen kleine und große Schätze. „Das Schlimme ist ja, man sagt immer, man kauft nicht so viel und dann…“, sagt Nancy kopfschüttelnd und beide lachen. Für die beiden zählt bei dem Besuch eines Flohmarkts auch der Aspekt der Nachhaltigkeit. „Dann muss man es nicht wegschmeißen“, sagt Jacqueline. Laut dem Weltfriedensdienst e.V. enthält ein T-Shirt über 300 Liter virtuelles graues Wasser. Das bedeutet, dass diese Menge an Wasser bei der Produktion verschmutzt wird. Second-Hand zu kaufen bedeutet also auch, Wasser zu sparen. Zudem kostet eine neue Jeans beispielsweise oft nicht weniger als 40 Euro, auf dem Flohmarkt bekommt man sie meist unter fünf.
Auch Markenkleidung kann man hier günstig erwerben. Eine Verkäuferin mit Sonnenbrille und schwarz-weiß gemustertem Jumpsuit verkauft Kleidung von Dior, Prada und Guess. Überreste eines Fotoshootings, die sie danach geschenkt bekommen hat. Doch wie beliebt sind teure Marken auf Flohmärkten wirklich? „Es ist immer unterschiedlich“, sagt die Verkäuferin, „heute habe ich noch gar nichts verkauft. Die Leute wollen keine 20 oder 30 Euro mehr für ein Kleidungsstück auf dem Flohmarkt ausgeben, heutzutage ist das eher ein Schnäppchenmarkt. Die meisten wollen nur ein, zwei, drei Euro zahlen“.
Im Gegenzug sind Jacqueline und Nancy fündig geworden. „Wir haben schon Beute gemacht“, sagen sie und zeigen ein geblümtes Kleid in einer ihrer großen Taschen. Auch können sie eine korbähnlich geflochtene Tasche und eine große Strandmatte vorweisen. „Ach, ich liebe Flohmärkte“, sagt Nancy.
Organisiert wurde der Leonberger Altstadtflohmarkt vom SV Leonberg/Eltingen unter Geschäftsstellenleiterin Inge Nährich-Radocaj und Stefanie Schneider vom Gewerbe- und Ordnungsamt der Stadtverwaltung. Die Standgebühr betrug 10 Euro pro Meter plus eine Müllkaution von 20 Euro.