Florian Martens aus „Ein starkes Team“ Früher war mehr Leben drin

Von Tilmann Gangloff 

Für die meisten Menschen ist er bloß „der Otto“: Seit 25 Jahren steht Florian Martens für die ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“ vor der Kamera.

Florian Martens mit seiner Serienpartnerin Stefanie Stappenbeck: Für ihn steht die 78. Folge der Krimireihe „Ein starkes Team“ an. Foto: ZDF/Katrin Knoke 9 Bilder
Florian Martens mit seiner Serienpartnerin Stefanie Stappenbeck: Für ihn steht die 78. Folge der Krimireihe „Ein starkes Team“ an. Foto: ZDF/Katrin Knoke

Stuttgart - Sein Name ist Garber, Otto Garber, seine Markenzeichen sind die Wollmütze auf dem kahlen Schädel und die Berliner Schnauze. Otto ist gern ein bisschen ruppig, aber im Zweifelsfall der beste Freund und Partner, den man sich nur wünschen kann. Das macht ihn zum beliebtesten Berliner im deutschen Fernsehen, und das schon seit 25 Jahren. Garber ist der Star der im März 1994 gestarteten ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“ – am 16. März zeigt das Zweite die 78. Episode, „Erntedank“.

Bei einer derart langen Laufzeit war kaum zu vermeiden, dass zwischen Darsteller und Figur eine gewisse Annäherung stattgefunden hat. Florian Martens sieht gerade darin die Stärke der Rolle: „Ich höre oft, dass die Leute Otto mögen, weil er so glaubwürdig ist. Ich versuche, ihn so authentisch wie möglich zu spielen, und habe alle Freiheiten, meine Dialoge entsprechend anzupassen. Die Zuschauer spüren, ob ein Schauspieler bloß zeigen will, wie gut er ist, oder ob er ehrliche Arbeit abliefert.“

Kein Bürotyp

Deshalb kämpft der gebürtige Berliner auch um die Figur. Er findet, „dass die Filme heute ein bisschen glattgebügelt wirken. Früher waren sie wesentlich lebendiger. In letzter Zeit gibt es zu viele Szenen mit vier braven Beamten in ihrer Dienststube, die sich gegenseitig über den Stand der Ermittlungen informieren.“

Unter dieser Entwicklung leidet nach Martens’ Meinung vor allem Otto: „Der war von Anfang an kein Bürotyp und hat öfter mal auf eigene Faust ermittelt; das ist heute deutlich seltener.“ Natürlich seien beide, der Otto und der Florian (60), älter geworden und nicht mehr so agil wie vor 25 Jahren, „aber diese übertriebene ‚political correctness’ ist nach wie vor nicht Ottos Ding.“ Der habe seine Zigaretten früher „beim Vietnamesen unter der Brücke gekauft und im Verhör auch mal zugeschlagen, wenn ihm der Kragen geplatzt ist.“

Ecken und Kanten

Dass Otto nicht mehr ständig rauchen soll, sieht Martens ein, „man hat ja eine Vorbildfunktion“, außerdem raucht er schon seit Jahren selbst nicht mehr. „Aber wenn sich die Figur weiter anpassen muss, wird sie irgendwann unglaubwürdig.“ Er betrachtet es als daher als seine Aufgabe, „darauf zu achten, dass Otto seine Ecken und Kanten nicht völlig verliert, schon aus Eigennutz, damit es auch weiter Spaß macht, die Figur zu verkörpern.“ In „Erntedank“ darf Martens allerdings aus dem Vollen schöpfen: als Undercover-Ermittler unter Schrebergärtnern.

Auch wenn den meisten Menschen zu Florian Martens als erstes „Ein starkes Team“ einfallen dürfte, der Berliner hat in rund hundert weiteren Filmen und Serienepisoden mitgewirkt, darunter auch in den Dieter-Wedel-Mehrteilern „Der Schattenmann“, „Der König von St. Pauli“ und „Die Affäre Semmeling“: „Meine Berufsbezeichnung ist nach wie vor Schauspieler, nicht Otto Garber.“

Als Baggerfahrer angefangen

Mittlerweile bleibt bei bis zu fünf „Team“-Episoden pro Jahr aber kaum noch Zeit für andere Engagements. Dabei war Schauspieler gar nicht sein Traumjob: „Ich wollte eigentlich Berufsreiter werden, aber dafür war ich zu groß und zu schwer.“ Also wurde er Baumaschinist und lernte, Bagger und Panierraupen zu fahren. Nach einigen Jahren „auf Montage“ und positiven Erfahrungen in einem Arbeitertheater bewarb er sich bei der Schauspielschule Ernst Busch und wurde gleich genommen. Kein Wunder: Martens stammt aus einer Schauspielerfamilie.

Seine Mutter Ingrid Rentsch gehörte zum Ensemble der Volksbühne, sein Vater Wolfgang Kieling war einer der populärsten Filmschauspieler der westdeutschen Nachkriegsjahrzehnte. Den ersten Kontakt zum Vater gab es allerdings erst viel später: „Meine Eltern haben sich 1958 auf der Bühne am Ku’damm kennen gelernt, waren kurz liiert und haben mich gezeugt. Dann wurde die Mauer gebaut, meine Mutter arbeitete an der Volksbühne im Ostteil der Stadt; Ende der Geschichte.“ Als Kieling erfuhr, dass der Sohn in seine Fußstapfen trat, haben sich die beiden öfter gesehen.

Wie man eine Rolle bekommt

Filmreif ist die Geschichte, wie Florian Martens einst seine prägende Rolle bekommen hat: Kollege und Kumpel André Hennicke gab zur Eröffnung seiner Kneipe eine Party. „Nachts um zwei, ich war schon nett zurechtgemacht, wie man bei uns sagt, will ich an der Bar noch einen Absacker nehmen, da spricht mich jemand an. Wir plaudern ein bisschen über Gott und die Welt, dann geht jeder wieder seiner Wege.“ Am nächsten Tag rief Martens’ Agentin an und beglückwünschte ihn zur Rolle des männlichen Hauptdarstellers in der neuen ZDF-Reihe „Ein starkes Team“. Der Mann an der Bar war der Regisseur Konrad Sabrautzky, der ihn unter die Lupe nehmen wollte. Jetzt wurde ihm auch klar, warum Maja Maranow, die ebenfalls auf der Party war, immer wieder zu ihm rüber schaute.

Damals konnten beide noch nicht ahnen, dass sie 22 Jahre lang zusammenarbeiten würden. Umso betroffener war Martens, als er die wahren Gründe für Maranows Abschied von der Reihe im Jahr 2015 erfuhr: eine schwere Krebserkrankung, nicht andere Rollenangebote, wie sie in einer Rundmail verkündet hatte. Vom Tod der Freundin im Januar 2016 hat Florian Martens durch Facebook erfahren. Da waren die ersten Folgen mit der Nachfolgerin Stefanie Stappenbeck längst abgedreht. Eine ausgezeichnete Wahl, wie er findet – auch wenn er „eigentlich keinen jungen blonden Hüpfer“ als Partnerin wollte.