Volle Kraft voraus: Runningback Charlemagne Take auf dem Weg zu einem seiner vier Touchdowns für die Stuttgart Stallions. Foto: Baumann
Voller Einsatz, ziemlich leere Tribüne: Die Arena-Footballer der Stuttgart Stallions gewinnen ihr erstes Heimspiel in der Schleyerhalle gegen die Düsseldorf Warriors 39:29.
Die organisatorischen Probleme in der neuen internationalen Hallenfootball-Liga IAL bleiben groß, sie waren auch beim ersten Heimspiel der Stuttgart Stallions in der riesigen Schleyerhalle unübersehbar. Trotzdem äußerten sich die Spieler nicht nur wegen ihres 39:29-Erfolgs gegen die Düsseldorf Warriors positiv. „Sportlich war es rundherum ein gelungener Auftakt“, sagte Defensivspezialist Nikolas Knoblauch, „es ist spannend gewesen, das Niveau konnte sich sehen lassen. Wichtig war, dass wir gespielt haben und zeigen konnten, wie attraktiv Arena-Football ist.“
Gesehen haben dies am Samstagabend rund 300 Zuschauer. Nachdem im Vorverkauf nur ein Kontingent von etwas mehr als 60 Tickets abgesetzt und von Seiten der Franchise sowie der IAL kaum Werbung gemacht worden war, hatten die Spieler ihr Netzwerk aktiviert, Familien und Freunde (kostenlos) eingeladen. Letztlich waren nicht nur etliche Footballer in der Halle, die im September zusammen mit den jetzigen Stallions Nikolas Knoblauch, Alexander Kreß und Thiago Siebert im Trikot von Stuttgart Surge die ELF-Meisterschaft gewonnen hatten, auch der offizielle Surge-Fanclub entsandte eine lautstarke Abordnung. „Beim Marketing gibt es noch viel Luft nach oben“, sagte Nikolas Knoblauch, „umso schöner, dass in der Halle trotzdem eine sehr gute Stimmung war.“ Die auch durch das spannende Spiel befördert wurde.
Die drei Surge-Meister überzeugen in der Defensive
Die Gastgeber führten zur Pause mit 20:16, zehn Sekunden vor dem Ende lagen sie immer noch mit vier Punkten vorne (33:29), doch die Warriors hatten den Ball. Nikolas Knoblauch stoppte deren vierten Versuch allerdings, indem er den Quarterback zu Fall brachte, danach war die Partie entschieden. Durch einen Touchdown in letzter Sekunde machten die Stallions den 39:29-Erfolg perfekt. Ihr überragender Akteur war Runningback Charlemagne Take (vier Touchdowns), der wegen seines Engagement bei den Stallions auf das spanische Meisterschafts-Halbfinale mit den Terrassa Reds verzichtet hatte. Zwei Touchdowns erzielte Wide-Receiver De’Andre Harris, überzeugt hat aber auch die Defensive der Stallions um die drei Meister-Spieler von Stuttgart Surge. „Es standen in beiden Teams immer mehrere starke US-Amerikaner auf dem Feld“, sagte Nikolas Knoblauch, „das war Arena-Football auf einem hohen Level.“ Nun müssen nur noch die Rahmenbedingungen verbessert werden.
Voller Einsatz, leere Ränge: Bei der Premiere der Stuttgart Stallions (rote Trikots) in der neuen Arena-Liga IAL gegen die Düsseldorf Warriors gab es in der Schleyerhalle noch Platz für Verbesserungen. Foto: Baumann
Das Duell in Stuttgart fand ohne Bande statt, weil die Polsterung nicht rechtzeitig geliefert worden war. Auf dem Kunstrasen fehlte ein Teil der Markierungen, die Stallions spielten nicht in ihren Original-Trikots, die nicht fertig geworden waren. Und beide Teams traten nicht mit den möglichen 20 Akteuren im Kader an. Noch größer sind die Probleme allerdings andernorts.
In Zürich wurde die Partie der Ibexx gegen die England Eruptors kurzfristig abgesagt – gegenüber der „NZZ“ erklärte Philipp Musshafen, der Chef der Betreibergesellschaft des Züricher Hallenstadions, dass „verschiedene Vertragsinhalte“ nicht eingehalten worden seien und kein Kontakt mehr zu den IAL-Verantwortlichen bestehe. Darüber wurde dann am Samstag natürlich auch in der Schleyerhalle diskutiert, zumal in der Woche zuvor schon die Premiere der Warriors in Düsseldorf gegen die Zürich Ibexx „aus organisatorischen Gründen“ (so lautete die offizielle Begründung) nicht stattgefunden hatte.
„Mehr Punkte, mehr Hits, mehr Event-Charakter – wir haben präsentiert, was Arena-Football ausmacht“, sagte Nikolas Knoblauch, „mir fehlt das Hintergrundwissen, was an anderen Standorten passiert und welche Probleme dort in der Anfangszeit der neuen Liga auftreten. Doch in Stuttgart sind wir so aufgestellt, dass wir die Herausforderungen bewältigen und diese erste Saison auf jeden Fall gut durchziehen können.“
Offen ist nur, ob die anderen bei diesem Vorhaben mitspielen werden.