Frankreichs Küste 5 Gründe für die Biskaya

Die Dune du Pilat: Europas höchste Wanderdüne Foto: Simon Rilling

Ein Ritt durch die Weinberge, Segeln vor La Rochelle oder Gleitschirmfliegen auf der Dune du Pilat: Frankreichs südliche Atlantikküste bietet jede Menge Action. Gemächlichere Gemüter genießen die Aussicht, einen Bordeaux und frische Austern.

Endlose Strände, schmucke Städtchen, Menüs, die Feinschmeckern die Tränen in die Augen treiben. Es gibt viele Gründe, an die französische Atlantikküste zu reisen. Über einen Riesen aus Sand, eine Stadt im Griff der Geschichte und Fußfischen mit einem waschechten Seebären.

 

1. Ein Riese aus feinstem Sand

„Bis zum Ende der Düne schaffen es die wenigsten“, sagt Reiseführerin Christel Santurenne. Verständlich, denn die Dune du Pilat ist riesig. Das ganze Ausmaß erkennt erst, wer Europas größte Wanderdüne erklommen hat: 107 Meter hoch, 550 Meter breit und 2,7 Kilometer lang. Statt dieses Naturwunder zu erwandern, genießen die meisten Besucher den Blick auf die Bucht von Arcachon, die weißen Sandbänke, den tiefblauen Atlantik, das Grün der Pinienwälder oder den Leuchtturm am Cap Ferret. Zwischen den Zehen feinsten Sand, köpfen sie eine Flasche Bordeaux oder lassen sich mit dem Gleitschirm wie die Möwen vom Wind treiben.

Pro Jahr zieht die Wanderdüne eine Million Menschen an, mehr Touristen verzeichnet unter Frankreichs Naturdenkmälern einzig der Mont-Saint-Michel in der Normandie. Hoch geht es über eine Treppe, runter wieder durch den Sand. So lautet die Regel, was an manchen Stellen für ein paar waghalsige Sekunden den Ski-Urlaub ersetzen kann. Findet sich noch ein Reisebegleiter, der die Schussfahrt durch den Sand fotografiert, hat auch die Generation Instagram ihre Freude an dem Sandriesen.

2. Gezeitenfischen mit Jean-Baptiste

Das Gesicht wettergegerbt, die Augen blau, der struppige Bart meliert, Jean-Baptiste Bonnin sieht aus, wie man sich einen Seemann am rauen Atlantik vorstellt. Ausgestattet mit einem Korb und einem Messer macht sich der Biologe auf den Weg zum Gezeitenfischen. Das Wetter im Departement Charente-Maritime könnte besser sein, der Himmel über der Île d’Oléron ist wolkenbedeckt, es weht ein scharfer Wind, doch einen echten Fußfischer hält das nicht ab.

Zielstrebig stapft Jean-Baptiste durch das Watt, dreht vorsichtig jeden Stein um, präsentiert Muscheln, Krebse und Seesterne. „Auf jedem Quadratmeter gibt es bis zu 400 Lebewesen“, verweist er stolz auf die Artenvielfalt. Und damit das auch so bleibt, verteilt Jean-Baptiste kleine Schablonen, auf denen aufgezeichnet ist, wie groß die Muschel, der Krebs oder die Krabbe mindestens sein müssen, damit sie verspeist werden dürfen.

Jean-Baptiste ist Mitglied des Vereins IODDE, der sich für eine nachhaltige Entwicklung der Insel einsetzt. Aus gutem Grund, denn „Fußfischen“ ist in Frankreich schwer angesagt. An sonnigen Tagen tummeln sich allein auf der Île d’Oléron 7000 Menschen mit Eimerchen im Watt, um das Abendessen einzusammeln. Und dann entdeckt Jena-Baptiste eine Auster. Unverfälscht von Zitrone oder Knoblauch wandert sie direkt in den Magen. Frischer geht es nicht.

3. Auf den Spuren der Hugenotten

Kaum eine Stadt Frankreichs hat so unter den Religionskriegen gelitten wie das protestantische La Rochelle. Zweimal wurde es belagert. „Von den 28 000 Einwohnern der Stadt haben gerade mal 5400 überlebt, und die waren zu schwach, die Toten zu beerdigen“, erzählt die Fremdenführerin Christine Messmer. „König Ludwig XIII., der Mann, der die Belagerung angeordnet hatte, weinte, als er die Stadt 1628 betrat.“

Von dem Aderlass der letzten Belagerung erholte sich das Städtchen erst im 20. Jahrhundert – und dann marschierten die Deutschen ein und bauten einen bombastischen U-Boot-Bunker. Der wiederum zog alliierte Bomber an und Anfang der 80er Jahre auch Regisseur Wolfgang Petersen, der hier „Das Boot“ drehte.

Der U-Boot-Bunker in La Pallice ist nicht zugänglich, ein Besuch in La Rochelle dennoch ein Muss. Der alte Hafen, bewacht vom Kettenturm und dem nicht minder imposanten Nikolaus-Turm. Die Hafenpromenade, an der sich Café an Café reiht. Die vier Kardinaltugenden an der prächtigen Fassade des Rathauses. Die schmucken Fachwerkhäuser und die zahlreichen kleinen Läden, die deutsche Einkaufsstraßen schnell vergessen lassen. Alles das sind gute Gründe, die Stadt zu besuchen. Und nicht zuletzt die Markthalle voller Köstlichkeiten, in der augenscheinlich wird, warum die Franzosen bereit sind, deutlich mehr Geld für gutes Essen auszugeben als die Deutschen.

4. Wo Feinschmecker vor Glück weinen

Viel braucht es nicht, um verwöhnte Gaumen zu erfreuen. Einen guten Koch – und frische Zutaten, womit Frankreichs Atlantikküste reich gesegnet ist: Sardinen aus Saint-Gilles-Croix-de-Vie, Austern aus den Salzbecken von Marennes-Oléron, Fleur de Sel aus Guérande – und bei „Éclade de Moules“ werden selbst Meeresfrüchteverächter zu Muschelliebhabern. Die Zubereitung ist verblüffend einfach. Auf einem langen Brett reiht der Patron frische Miesmuscheln auf, bedeckt sie mit Piniennadeln, fackelt diese kurz ab, wedelt die Asche weg und fertig ist die Spezialität. Gegessen wird mit den Fingern, auf der Zunge ein Hauch von Pinie.

Auch die Austern – angerichtet mit viel Knoblauch und Semmelbröseln – sind ein Gedicht. Gezüchtet werden sie in Lehmbecken, in denen einst Salz gewonnen wurde. Was der ohnehin salzigen Spezialität noch eine Extraportion Meergeschmack spendiert. Das ganze Essen ist ein einziges „Ah“ und „Oh“.

Der Verdauungsspaziergang bei knallblauem Himmel, der noch nie eine Wolke gesehen zu haben scheint, führt zum Hafen von Château-d’Oléron. Einst arbeiteten hier in den kleinen bunten Häuschen Austernfischer, heute hämmern, schleifen und werkeln dort Künstler und Handwerker, die handgemachte Messer, Ukulelen, Keramik oder Schmuck anbieten. Alles garantiert nicht „made in China“.

5. Bordeaux im Chateau

Millionen Schüler haben im Französischunterricht den Satz „Poisson sans boisson est poison“ pauken müssen. Obwohl der Merksatz „Fisch ohne Getränk ist Gift“ auf die Betonung abzielt, enthält er doch viel Wahres. Vor allem im Raum Bordeaux wäre es eine Sünde, nicht in einem der Weingüter einzukehren. Etwa im Château Anthonic, wo Jean-Baptiste Cordonnier auf Chemikalien verzichtet und Hecken und Bäume in seinen Weinbergen pflanzt.

„Ich habe gelernt, dass die Pflanzen mit dem Wein um Wasser und Licht konkurrieren, dennoch gedeihen die Reben nun prächtig. Die Natur liefert fast alles, was wir brauchen.“ Inzwischen kreucht und fleucht es in seinen Weinbergen wieder und auch der Cabernet Sauvignon kann sich sehen lassen. „Ich bin kein Philantrop“, sagt Cordonnier, „ich will Geld verdienen und meinen Kindern ein gesundes Weingut hinterlassen.“ Anfangs belächelt, gibt es heute im Médoc 20 Weingüter, die so arbeiten.

Ein guter Tropfen findet sich nicht nur bei Bordeaux. Die Stadt Cognac ist nicht fern, mit ihr der Weinbrand schlechthin – und ein Getränk, das in Deutschland bislang herzlich unbekannt ist: Pineau des Charentes, eine Mischung aus Eau de vie de Cognac und Traubenmost, die vor allem als Aperitif getrunken wird: süß, aber mit Biss. Herrlich!

Info

Anreise
Die Lufthansa (www.lufthansa.com) bietet ab Frankfurt Direktflüge nach Bordeaux an, mit Air France (www.airfrance.de) gelangen Sie via Paris ans Ziel. Unterkunft
Auf der Île d’Oléron das direkt am Meer gelegene Hôtel Île de Lumière ( www.hotel-iledelumiere.com), Doppelzimmer ab 112 Euro. Sehr charmant, samt englischem Gastgeber, der selbst kocht, ist auch die Domaine de Giron in Moulis-en-Médoc, Doppelzimmer ab 119 Euro. Essen und Trinken

Das Relais des Salines in Port des Salines – Spezialität des Hauses: heiße Austern mit Lauch – ist ein Muss (www.lerelaisdessalines.fr). Gleiches gilt für die „Éclade de Moules“ im La Roue Tourne in Saurine und die Jakobsmuscheln mit Steinpilzen im Le Saint Ferdinand in Arcachon (www.lesaintferdinand.fr).

Allgemeine Informationen
www.atlantikkustefrankreich.de www.oleroninsel.de www.larochelle-tourisme.com www.medoc-atlantique.dewww.medocpleinsud.comwww.arcachon.com

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