Frauen in der Feuerwehr „Als Frau kann man das Gleiche leisten wie die Männer“
Bei den Feuerwehren im Land sind Frauen noch eine Seltenheit. Was treibt sie an? Welche Erfahrungen haben sie gemacht?
Bei den Feuerwehren im Land sind Frauen noch eine Seltenheit. Was treibt sie an? Welche Erfahrungen haben sie gemacht?
Hierzulande ist die Feuerwehr noch eine klare Männerdomäne. Und der Schutzpatron der Floriansjünger natürlich auch ein Mann: Florian von Lorch lebte in Aelium Cetium (heute St. Pölten) zur Zeit der römischen Christenverfolgung. Selbst unter schwerer Marter schwor er seinem Glauben nicht ab. Schließlich wurde er im Mai anno 304 mit einem Stein um den Hals in der Enns versenkt. Doch der Fluss, so besagt die Legende, gab seine Leiche alsbald wieder heraus und legte sie sanft auf einen Felsen. Er wurde zum Heiligen.
Floriansjüngerinnen sind eine Minderheit. In Baden-Württemberg waren 2024 bei den Freiwilligen Feuerwehren acht, bei den Berufsfeuerwehren gerade einmal zwei Prozent Frauen. Andere sogenannte Blaulichtberufe wie die Polizei oder die Rettungsdienste liegen mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent deutlich darüber.
Doch die Zahl wächst. Auch lassen aktuell ein Drittel Mädchen in den Jugendfeuerwehren auf eine weiblichere Zukunft hoffen. Denn, wer einmal dabei ist, so die Erfahrung, kann sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Sieben Feuerwehrfrauen erzählen.
Emma Stephan, 22 Jahre, Freiwillige Feuerwehr Stuttgart
„Bei der Feuerwehr existiert zwischen den Kameraden eine Verbundenheit, die ich sonst aus keinem anderen Verein kenne. Auch wenn es blöd klingen mag: Man geht wortwörtlich füreinander durchs Feuer. Ich bin noch nicht lange in Stuttgart, dennoch habe ich jetzt schon das Gefühl, hier eine Familie gefunden zu haben. Gerade wenn man neu irgendwo hinzieht, ist Feuerwehr eigentlich das perfekte Hobby, um neue Leute kennenzulernen und dabei auch noch Menschen zu helfen.
Als Frau kann man in der Feuerwehr das Gleiche leisten wie die Männer. Manchmal muss man dafür vielleicht etwas härter trainieren. Wenn mir Kameraden ihre Hilfe anbieten, gehe ich aber nicht davon aus, dass sie denken, ich würde bestimmte Dinge nicht schaffen. Dahinter steht vermutlich eher noch das klassische Gentlemen-Denken, dass man Frauen etwas abnehmen sollte. Mittlerweile wissen aber alle meine Kameraden: Wenn ich wirklich Hilfe brauche, dann frage ich schon.“
Frederike Metzger, 32 Jahre, Einsatzleiterin Berufsfeuerwehr Karlsruhe
„Mit 10 Jahren bin ich dem Beispiel meines großen Bruders gefolgt und in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Ich war schon immer technikbegeistert und konnte mir eine Laufbahn als Berufsfeuerwehrfrau durchaus vorstellen. Als ich an der Technischen Hochschule in Köln Rettungsingenieurwesen mit Schwerpunkt Brandschutz studierte, absolvierte ich deshalb mein Praxissemester bei der örtlichen Berufsfeuerwehr. Danach war die Sache für mich klar, und seit 2019 bin ich nun Einsatzleiterin in Karlsruhe.
Etwas Skepsis herrschte mir gegenüber zu Beginn dennoch. Das ist als Neuankömmling aber ja normal, besonders wenn man frisch aus dem Studium in den gehobenen Dienst wechselt und die Kollegen teilweise 20 Jahre älter sind als man selbst
Neben mir gibt es im Einsatzdienst lediglich drei weitere Frauen. Die Anzahl der Männer ist mit 260 deutlich höher. Schlechte Erfahrungen mit männlichen Kollegen habe ich eigentlich nie gemacht. Ich kann jederzeit auf mein Team zählen – was nicht heißt, dass man mit jedem gleich gut auskommt. Spätestens aber im Einsatz stehen die Probleme und Betroffenen vor Ort im Mittelpunkt, interne Konflikte müssen in den Hintergrund rücken.“
Stefanie Postweiler, 28 Jahre, Freiwillige Feuerwehr Karlsruhe
„Für mich ist die Feuerwehr wie eine zweite Familie. Auch privat kann man immer auf die Unterstützung der Kameraden zählen. Unstimmigkeiten gibt es in so einer großen Gruppe natürlich immer mal. Bereits in der Arbeit mit den Jugendlichen tun wir deshalb sehr viel dafür, dass sie trotz unterschiedlicher Geschlechter und Gesellschaftsschichten zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.
Die vielfältigen Aufgaben und die immer wieder neuen Herausforderungen machen die Tätigkeit für mich so faszinierend. Damit ich mich noch mehr einbringen kann, habe ich vor kurzem den Lkw-Führerschein und einen Maschinisten-Lehrgang gemacht, um auch das Feuerwehrfahrzeug bedienen zu können. Bei Einsätzen wechsle ich mich mit meinem Mann ab, der auch in der Feuerwehr ist. So kann immer einer von uns auf unsere beiden Kinder aufpassen.“
Stephanie Göttert, 47 Jahre, Freiwillige Feuerwehr Untergruppenbach
„Als Kind war ich von den Feuerwehr-Einsätzen meines Patenonkels tief beeindruckt. Mit 13 fragte mich dann ein Klassenkamerad, ob ich Lust hätte, zur Jugendfeuerwehr zu kommen. Da war ich Anfang der 90er Jahre das erste Mädchen. Und später dann die erste Frau, die im Kreis Tübingen in die aktive Feuerwehr ging.
Damals war das noch was ganz Neues und man war sich nicht sicher, ob das als Frau überhaupt möglich ist. Sogar der Feuerwehrausschuss der Gemeinde wurde in die Entscheidung einbezogen. Das hat mich schon etwas verwundert. Schließlich wurde ich aber aufgenommen und genauso Teil des Teams wie jeder Mann. Wenn mich auswärtige Feuerwehrleute mal dumm anmachten, setzten sich meine männlichen Kameraden für mich ein. Heute, fast 30 Jahre später, bin ich noch immer aktives Mitglied. Wer den ‚Feuerwehr-Virus‘ einmal hat, wird ihn meist nicht mehr los.“
Daniela Stroppel, 40 Jahre, Vorsitzende Kreisfeuerwehrverband Sigmaringen
„Als ich mich für das Amt der Kreisverbandsvorsitzenden bewarb, gab es schon diese Stimmen, die gesagt haben: ,Sollen wir denn wirklich eine Frau an die Spitze setzen?’ Ich denke nicht, dass es böswillig gemeint war, die Feuerwehr ist nun mal eine männerdominierte Welt. Da ich die erste Frau in diesem Amt bin, gibt es keinen Vergleich – und das sorgt bei manchen für eine gewisse Verunsicherung. Genauso gab es aber auch diejenigen, die solche Zweifel überhaupt nicht für angebracht hielten. Dadurch habe ich mich bestärkt gefühlt. Schließlich möchte ich etwas bewegen, den Verband transparenter und zugänglicher für die Feuerwehrleute machen, damit sie sich von uns auch gesehen fühlen. Natürlich wäre ich dabei auch gerne ein Vorbild für andere Frauen.
Wir waren damals, vor 31 Jahren bei meinem Eintritt in die Jugendfeuerwehr, zu viert und sogar eine kleine Mädelsclique, die später auch gemeinsam die Grundausbildung machte. Wenn Mädchen dabei sind, kommen automatisch noch mehr dazu. Sind nur Jungs dabei, trauen sich jedoch viele nicht. Das konnte ich in meiner Zeit als Betreuerin oft beobachten.”
Charlotte Ziller, 39 Jahre, Kreisbrandmeisterin Biberach an der Riß
„Mit 17 wusste ich bereits, dass ich mal beruflich zur Feuerwehr will. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht mal zwei Jahre dabei. Nach der Schule ging ich nach Ulm, um Chemie zu studieren und bewarb mich anschließend erfolgreich auf das Brand-Referendariat, in dem ich zwei Jahre durch ganz Deutschland reiste. Im Anschluss hatte ich eine Dozentenstelle beim Feuerwehrinstitut in Münster. Seit mittlerweile sechs Jahren bin ich, nahe meiner Heimat, Kreisbrandmeisterin in Biberach und habe die Feuerwehr dadurch von einer anderen Seite kennengelernt. Mir gefällt dieser Blick hinter die Kulissen, die bürokratischen und organisatorischen Prozesse innerhalb der Feuerwehr.
Leider fehlt mir durch diesen Beruf die Feuerwehr als Hobby. Im Gegensatz zu manch anderen bin ich nicht so ein großer Feuerwehr-Enthusiast. Nach einer mehr als 40 Stunden langen Arbeitswoche, in der sich alles allein um die Feuerwehr dreht, fehlt mir dann oft die Motivation, am Freitagabend auch noch zu den Übungen zu gehen.
Ich schätze aber diese ganz besondere Kameradschaft. Es ist vollkommen positiv gemeint, wenn ich sage, dass man auch ein bisschen verrückt sein muss, um das zu machen. Wir sind Freiwillige, wir haben eine Arbeit, Familie und Verpflichtungen. Wenn aber unser Piepser bimmelt, lassen wir alles stehen und liegen und rennen zur Feuerwehr, um Menschen in Not zu helfen.“
Sandra Schäfer, 39 Jahre, Freiwillige Feuerwehr Stuttgart
„Als ich letztes Jahr während eines Straßenbahnunfalls selbst zu den Betroffenen gehörte, konnte ich die Arbeit der Feuerwehr auch mal von außen beobachten. Dieses erleichternde Gefühl, wenn in einer Notsituation die Feuerwehr kommt, löst in den Menschen eine besondere Dankbarkeit aus, wie ich sie oft von der anderen Seite erlebt habe.
Aktuell leite ich die Kindergruppe der Abteilung Hedelfingen, mache Brandschutzerziehung in Kindergärten, und auch bei unseren Festen wird natürlich jede helfende Hand gebraucht. Wenn ich als Feuerwehrfrau das erste Mal vor Kindern stehe, sind sie häufig überrascht. In den Kinderbüchern gibt es eben meist noch immer nur den Feuerwehrmann. Das entspricht aber genauso wenig der Realität, wie die berühmte Katze auf dem Baum.“