Freie Szene Stuttgart Laura Sommerfeld bringt frischen Wind ins Produktionszentrum

Die Kulturmanagerin Laura Sommerfeld leitet seit Februar 2022 das Produktionszentrum für Tanz und Performance. Foto: Daniela Wolf

Mehr Gastspiele, nachhaltigeres Produzieren: Laura Sommerfeld setzt als Geschäftsführerin neue Akzente im Produktionszentrum für Tanz und Performance.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Essen, Stuttgart, München sind bislang die Stationen im Berufsleben von Laura Sommerfeld. Der Bachelor in Betriebswirtschaftslehre und Englisch führte die in der Nähe von Freiburg Geborene nach Essen, der Master in Kulturmanagement nach München. Dazwischen freundete sie sich bei einem Praktikum in der Kunststiftung Baden-Württemberg so sehr mit dem Stuttgarter Kulturleben an, dass sie unbedingt zurückkommen wollte.

 

Ein Stipendium der Kunststiftung für Kulturmanagement machte das möglich. Heute führt die inzwischen 28-Jährige die Geschäfte im Produktionszentrum für Tanz und Performance (PZ), das in der ehemaligen Gaststätte Felsenkeller in Feuerbach beheimatet ist.

Mitgliederzahl wächst

Als Nachfolgerin von Isabell Ohst, die sich als Kulturmanagerin selbstständig machte und das neue Hölzel-Haus in Degerloch leitet, ist Laura Sommerfeld bereits seit Februar 2022 für das PZ tätig. Auch wenn ihr Start durch die Endphase der Coronapandemie erschwert wurde, hat die neue Geschäftsführerin viel Rückenwind für ihre Arbeit. Dazu zählt, dass sie sich auf einer Vollzeitstelle für die rund 70 PZ-Mitglieder einsetzen kann. Möglich machte die Aufstockung die Tanz-Pakt-Förderung. Dass sie verstetigt wurde, sieht Laura Sommerfeld als Wertschätzung seitens der Kulturpolitik. „Alle wissen, dass die freie Szene neben den großen Einrichtungen wichtig ist für die kulturelle Vielfalt in einer Stadt“, sagt die PZ-Chefin. „Der Profilierungsgrad der freien Künstlerinnen und Künstler ist inzwischen so groß, dass alles andere ein Schritt zurück gewesen wäre.“

Im Ergänzungsbau am Theaterhaus soll auch die freie Szene eine Spielstätte erhalten. Foto: pfp

Wichtig sind die Schritte nach vorn auch vor dem Hintergrund des Ergänzungsbaus am Theaterhaus, in dem, läuft alles nach Plan, die freie Szene von 2027 an eine eigene Bühne bespielen soll. Dort werden auch Gastspiele möglich sein; bereits jetzt will Laura Sommerfeld die freie Szene in diesem Bereich fitter machen – und auch insgesamt nachhaltiger. Dazu gehört nicht nur die Wiederverwendung von Requisiten durch den Aufbau eines Fundus. „Wie geht man überhaupt mit Produktionen um?“, fragt die Kulturmanagerin. „Ist es wichtig, dass ständig Neues entsteht und Stücke schnell wieder verschwinden, oder wäre es nicht sinnvoll, sie auch anderswo zu zeigen und dafür ein Netzwerk aufzubauen?“

Im Austausch mit anderen Städten

Mit Nürnberg, München und Städten in Baden-Württemberg ist Sommerfeld im ersten Dialog, ihr schweben Residenzen mit Workshops, offenen Proben und Trainingseinheiten vor, die über klassische Gastspiele hinaus einen Austausch der freien Szenen ermöglichen. „Vielleicht gelingt etwas Kleines schon 2023. Es wäre schön, wenn Gäste für zwei Wochen nach Stuttgart kommen könnten“, zeigt sich die PZ-Chefin optimistisch.

Als Stipendiatin der Kunststiftung hat Laura Sommerfeld erste Kontakte in die kulturpolitischen Gremien Stuttgarts geknüpft, die ihr bei der neuen Tätigkeit helfen. Ihre Erfahrungen als Produktionsleiterin, die sie in der freien Münchner Szene sammelte, machen sie zur kompetenten Ansprechpartnerin für die PZ-Mitglieder. „Von der Organisation über Anträge bis zur Öffentlichkeitsarbeit: Ich habe von der Pike auf gelernt, was es bedeutet, ein Stück auf die Bühne zu bringen“, sagt Laura Sommerfeld. Finanzierung sei nach wie vor ein großes Thema; vor allem Neueinsteiger brauchten Beistand bei Förderanträgen oder konkreten Fragen zur Künstlersozialkasse, erklärt die PZ-Managerin und unterstreicht: „Künstler sollen sich auf die Kunst konzentrieren.“

Professionelles Finanzmanagement

Dass im PZ neben Profitraining und Proben auch Präsentationen und kleinere Veranstaltungen stattfinden, ist für Laura Sommerfeld wichtig. „Ich finde es immer schön, wenn Publikum von außen hierherkommt.“ Oberste Priorität hat für die studierte Betriebswirtschaftlerin bei ihrer Arbeit für das PZ jedoch anderes. „Das ist zwar unglamourös nach außen, aber ein professionelles Finanzmanagement aufzustellen, ist für mich das Wichtigste“, sagt die 28-Jährige.

Gleich danach steht auf ihrer Liste die Kommunikation. Dazu gehört, Ansprechpartnerin für die Mitglieder und nach außen zu sein, aber auch, das Angebot des PZ sichtbarer zu machen: „Wir gestalten gerade eine neue Webseite für das PZ, die unseren digitalen Raum moderner und frischer aufstellen soll“, sagt Laura Sommerfeld. Eine prominentere Platzierung von Profitraining und Kurzprofilen der Mitglieder gehört dazu. Dass deren Zahl wächst, freut die PZ-Geschäftsführerin. „Es kommt sehr viel neuer Nachwuchs nach Stuttgart“, sagt Laura Sommerfeld. Das hänge nicht nur mit den besseren Finanzierungsmöglichkeiten zusammen. „Es ist in Stuttgart auch eine große Offenheit im Publikum für den freien Tanz da.“

PZ – Wo alles anfing: Info

Verein
Das Produktionszentrum für Tanz und Performance (PZ) wurde 2001 von Alexander Frangenheim, Bettina Milz, Catarina Mora und Marco Santi gegründet und hatte in einer Halle in Degerloch die Arbeit aufgenommen. Heute ist der gemeinnützige Verein im ehemaligen Felsenkeller in Feuerbach zu Hause und zählt rund 70 Mitglieder.

Angebot
Das PZ bietet seinen Mitgliedern neben Profitraining, zwei Probenräumen und Präsentationsmöglichkeit auch Austausch und Unterstützung bei Anträgen und Fragen. Ein monatlicher Newsletter, bestellbar über die PZ-Internetseite, informiert Künstler wie Publikum über Aktivitäten und Auftritte.

Termine
Nina Kurzeja steht als nächstes Mitglied mit einer Premiere im PZ-Kalender. Vom 19. bis zum 22. Januar hinterfragt sie im Theaterhaus mit „Glaube. Liebe. Meinung.“ nach Motiven von Ödön von Horvaths unsere aufgeregte Zeit. Bei der nächsten Feuerbacher Kulturnacht im April ist das PZ mit Ausschnitten aus aktuellen Produktionen dabei.

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