Freizeitpark Tripsdrill In Tripsdrill stehen die Achterbahnen auch im Winter nicht still

Dennis Göttfert (links) und sein Team prüfen die Fahrgeschäfte auf Herz und Nieren. Foto: Avanti/Ralf Poller

In dem Freizeitpark an der Grenze zum Kreis Ludwigsburg geht auch nach der Saison die Arbeit nicht aus. Die Mannschaft zerlegt ganze Waggons bei Karacho, Mammut und Co. – und zimmert an neuen Attraktionen.

Normalerweise reiht sich auf dem Besucherparkplatz von Tripsdrill Auto an Auto. Kinder schnellen aus ihren Sitzen, strahlen über beide Ohren. Familien bewegen sich in Scharen auf die Kassen zu. Doch an diesem trüb-kalten Donnerstag Ende November könnte der Eingangsbereich des Freizeitparks die Kulisse für einen Endzeitfilm abgeben. Keine Menschenseele weit und breit. Die Tickethäuschen sind unbesetzt. Doch das heißt nicht, dass Tripsdrill in der Winterpause einer Geisterstadt gleichen würde. Im Innern des Parks geht es weiter rund.

 

„Der Erlebnispark ist zwar in der Winterpause, im Hintergrund wird aber fleißig weiter gearbeitet“, sagt Yvonne Hansmann, die Leiterin der Personalabteilung. Die ersten Tage nach dem Ende der Saison im Spätherbst würden im Gastrobereich die Imbisse und Restaurants winterfest gemacht, es werde gereinigt und aufgeräumt. Die Fotoshops würden ausgeräumt, die Ware sicher verstaut. „Der größte Teil der Belegschaft geht direkt nach dem letzten Öffnungstag des Freizeitparks ab dem 4. November in den Urlaub oder baut freie Tage ab“, erklärt Yvonne Hansmann, eine geborene Fischer und damit Teil der Gründerfamilie.

Die 220 festangestellten Mitarbeiter packen woanders mit an

An der Holzachterbahn Mammut werden Schienen ausgetauscht. Foto: Avanti/Ralf Poller

Die meisten der rund 220 festangestellten Mitarbeiter konnten also nach dem Kehraus ein bisschen die Seele baumeln lassen, ehe insbesondere die Mitarbeiter der Parkgastronomie im benachbarten Wildparadies wieder mitanpacken, wo der Winterwunderwald mit seinem adventlichen Glanz bis in den Februar hinein Besucher empfängt. Die vielen saisonal Beschäftigten aus insgesamt 34 Nationen kehren hingegen erst in den Freizeitpark zurück, wenn die Fahrgeschäfte ihren Betrieb im Frühjahr aufnehmen. „In den Spitzenmonaten Juli und August umfasst das Team rund 500 Mitarbeitende inklusive Aushilfen“, sagt die Personalchefin.

Zum festen Stamm gehört die Mannschaft von Davor Peci, dem technischen Leiter von Tripsdrill. Und seine Leute stellen schon in der kalten Jahreszeit dafür die Weichen, dass Jugendliche und Erwachsene sich im Frühling, Sommer und Herbst in den Achterbahnen einen Adrenalinkick verschaffen, oder sich Kinder eine turbulente Fahrt in Attraktionen wie den überdimensionierten Kaffeetassen gönnen können. Denn Pecis Mannschaft prüft die Gefährte mit schier unendlicher Akribie auf Herz und Nieren.

Was das konkret bedeutet, erfährt man zum Beispiel, wenn man sich in Richtung Karacho aufmacht, einer der fulminantesten Achterbahnen in ganz Deutschland. Am Bahnhof, an dem die Besucher sonst ihre abenteuerliche Reise durch die mit Loopings bestückte Strecke starten, warten momentan keine einstiegsbereiten Waggons. Diese sind allesamt durch ein großes Tor in den Werkstattbereich geschoben worden. „Hier wird jedes Jahr im Wechsel eines der vier Fahrzeuge bis auf das Chassis komplett zerlegt“, erläutert Dennis Göttfert, der stellvertretende Parkleiter und Teamleiter Mechanik.

Fahrgestelle werden auf Schäden untersucht

Unter anderem werden Bolzen gereinigt und ebenso wie Sicherheitsbügel penibel auf Risse geprüft, die alten Schrauben durch neue ersetzt, die Fahrgestelle auf Schäden gecheckt. Entdecken die Spezialisten eine Schwachstelle, beseitigen sie das Problem und knöpfen sich dann alle anderen Fahrzeuge an derselben Stelle vor. Es könnte sich ja um ein Muster handeln. „In der Regel ist aber nichts“, konstatiert Peci.

Schritt für Schritt werden die Waggons am Ende wieder zusammengesetzt. Damit ja alles wieder an seinem richtigen Platz landet, können die Techniker ein Logbuch zur Hilfe nehmen, in dem jedes einzelne Bauteilchen akkurat beschrieben ist. So handhabe man es bei allen großen Attraktionen, betont Davor Peci. Pro Waggon sind die Teams bei der Karacho beispielsweise eineinhalb bis zwei Wochen beschäftigt.

Die Dummys warten hinter den Kulissen, bis die Achterbahnen wieder durchstarten. Foto: Avanti/Ralf Poller

Doch es steht noch mehr auf der To-do-Liste. So werden aktuell einige Schienen bei der Holzachterbahn Mammut ausgetauscht. Dabei wird ein Kran eingesetzt, der die schweren Teile befördert. Aber auch die Attraktionen, hinter denen eine nicht ganz so komplexe Technik steckt, müssen gründlich überprüft werden.

Zu den Attraktionen wollen die Macher Geschichten erzähen

Die Arbeiter haben überdies nach Saisonende Wasserbecken abgelassen, gereinigt und Steuerungselemente abgebaut, damit die im Winter keinen Schaden nehmen. Obendrein müssen Fassaden gerichtet und die Grünflächen gepflegt werden. „Egal, wo man hinschaut, wird gearbeitet“, erklärt Peci. Das gilt auch für den Wartebereich beim neuesten Publikumsmagneten, der Wilden Gautsche, eine gigantische Schaukel im Stil eines Verladekrans aus dem 19. Jahrhundert.

Das Areal wird über die Wintermonate weiter thematisch ausgestaltet. Denn zur Philosophie von Tripsdrill gehöre es, nicht nur Attraktionen aneinanderzureihen, sondern dazu auch eine Geschichte zu erzählen, betont Yvonne Hansmann. Und Zeit für solche Details bleibt am ehesten in der kalten Jahreszeit, wenn Tripsdrill zumindest ein wenig schläft.

Mehr als 100 Attraktionen

Saisonende
Der Freizeitpark Tripsdrill befindet sich in Cleebronn direkt an der Kreisgrenze zwischen Ludwigsburg und Heilbronn. Es gibt dort mehr als 100 Attraktionen, darunter spektakuläre Achterbahnen, aber auch klassische Fahrgeschäfte wie ein Kettenkarussell. Die Saison endet in der Regel am letzten Ende der Herbstferien.

Wiedereröffnung
Im neuen Jahr empfängt der Park erstmals wieder an den Wochenenden 22. und 23. März sowie 29. und 30. März Besucher. Von Samstag, 5. April, an sind die Pforten dann jeden Tag geöffnet.

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