Lesung an der Friedrich-Schiller-Realschule in Böblingen Valeria Anselm spricht mit Schülern über ihr Buch und ihre Geschichte

Die Stuttgarterin Valeria Anselm, hier bei ihrem Besuch in Böblingen, veröffentlichte vor zwei Jahren ihr Buch. Foto: Stefanie Schlecht

Die junge Schriftstellerin und Aktivistin Valeria Anselm war an der Friedrich-Schiller-Realschule in Böblingen zu Gast. Dort hielt sie vor Fünft-, Sechst- und Siebtklässlern mehr als nur eine reine Lesung ab.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Wo ist denn eigentlich Zuhause? Und wer gehört alles zur Familie? „Das sind zwei Begriffe, mit denen ich lange gekämpft habe“, schildert Valeria Anselm, während sie vor rund 40 Siebtklässlern in der Mensa der Friedrich-Schiller-Realschule in Böblingen sitzt.

 

Dort ist die junge Schriftstellerin und Aktivistin zu Besuch. Sie bietet den Schülerinnen und Schülern der fünften, sechsten und zuletzt siebten Klasse eine Abwechslung zum Unterricht. Dabei liest die 20-Jährige nicht nur aus ihrem 2022 erschienenen Buch „Das ist (nicht) mein Zuhause“.

Aufmerksamkeit für die Jugendhilfe

Sie bindet die Schüler auch mit Fragen ein, beantwortet selbst welche, bündelt ihre Stichpunkte auf Folien – und erzählt ihre Geschichte. In anderen Worten: wie sie im Heim aufgewachsen ist. „Genau darum geht es in dem Buch“, sagt die gebürtige Stuttgarterin, die von ihren psychisch kranken Eltern berichtet.

Für sie bedeutete das: Großwerden abseits der vier Wände, die sie in der bisherigen Kindheit kannte. Sie war in einem Heim, also in einer Umgebung, die behaftet sei von Vorurteilen. Die möchte Valeria Anselm abbauen. Auch Termine wie den in Böblingen will sie dafür nutzen, „um aufzuklären, um sichtbar zu machen, wie es dort abläuft und damit Kinder und Jugendliche etwas haben, um sich gesehen und verstanden zu fühlen“.

Valeria Anselm gestaltete ihren Besuch mit Folien, Fragen und einer Lesung. Foto: Stefanie Schlecht

In ihrem Einstiegskapitel erklärt die Autorin, wie sie in der Jugendhilfe gelandet ist. Eine Schulsozialarbeiterin hatte ihr den Umzug vorgeschlagen. Damals war sie elf Jahre alt. „Es ist nie die Schuld des Kindes, dass es nicht bei seinen Eltern leben kann“, betont die Schriftstellerin vor den Schülern, die sie in Böblingen als aufmerksam wahrnimmt.

Heute sagt Valeria Anselm rückblickend zu dem damaligen Weggang vom eigentlichen Zuhause: „Ich glaube, das ist das Beste, was mir passiert ist. Und trotzdem gehe ich traumatisierter raus, als ich reingekommen bin.“ Grund dafür sei das schlechte Jugendhilfesystem, an dem sie unter anderem die zu geringe Anzahl an Betreuerinnen kritisiert.

Doch die Studentin spricht mit ihrem Publikum nicht nur über für sie wichtige Orte und Menschen. Sie thematisiert zudem die psychische Gesundheit und sagt auch, dass sie selbst chronisch krank ist. Ihre Mutter sei schizophren. Die Schüler bittet sie, dass sie „achtsam mit dem Begriff umgehen“.

Mehrere Lesungen an der Realschule

Franziska Schmidt-Otto hofft nach der letzten der drei Veranstaltungen, „dass die Vorurteile gegen Heimkinder und psychischen Krankheiten abgebaut wurden“. Seit drei Jahren veranstaltet die Lehrerin, die Deutsch, Englisch und Französisch unterrichtet, an der Friedrich-Schiller-Realschule Lesungen. Das Ziel: Schülern „die Bücherwelt vertraut und greifbar zu machen“. Viele Kinder würden nicht mehr lesen. Die FSR beteilige sich daher an Projekten und richte eben auch solche Termine mit Autoren aus.

Im Herbst des neuen Schuljahres soll die Schriftstellerin Juliane Pickel die Serie fortsetzen.

Zur Person

Leben
Valeria Anselm ist am 15. September 2003 in Stuttgart, wo sie auch heute noch wohnt, geboren. Im Kindesalter kam sie dort in ein Heim. 2022 erschien ihr Buch „Das ist (nicht) mein Zuhause“. Die Schriftstellerin studiert soziale Arbeit und hält deutschlandweit Lesungen ab, etwa vor Schülern, aber auch auf Fachtagungen und in Jugendhilfeeinrichtungen.

Engagement
Valeria Anselm bezeichnet sich als Jugendhilfe- und Klimagerechtigkeitsaktivistin. Die 20-Jährige beteiligt sich organisatorisch bei „Fridays for Future“ in Stuttgart. (rsp)

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