Frisch Auf Göppingen So schaut Ben Matschke auf Paris und die neue Saison

Ben Matschke gibt beim Vorbereitungsturnier Anweisungen an seine Spieler. Foto: imago/Eibner

Frisch Auf Göppingen fiebert dem Testspielknüller gegen Paris Saint-Germain entgegen und sieht sich gewappnet für die neue Handballsaison. Trainer Ben Matschke gibt Einblicke.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Frisch Auf Göppingen startet am 31. August bei Aufsteiger GWD Minden in die neue Saison der Handball-Bundesliga. Ben Matschke spricht vor dem Testspielknüller gegen den französischen Serienmeister Paris Saint-Germain (Dienstag, 19.30 Uhr/Ratiopharm-Arena Neu-Ulm) über die Ziele und seine neue Doppelfunktion.

 

Herr Matschke, wie läuft die Vorbereitung?

Ich bin bisher zufrieden mit den Inhalten, wir hatten eine sehr hohe Intensität und kamen bis zu unserem Turniersieg in Altensteig ohne große Verletzungen durch. Wie es aussieht, sind aber auch die Blessuren von Kristian Saeveras und Victor Klöve nichts Schlimmeres. Insgesamt ist die Arbeitsmoral der Mannschaft sehr inspirierend.

Wie sieht es mit der Ellbogenverletzung von Spielmacher Ludvig Hallbäck aus, die er sich im April zuzog?

Er macht große Fortschritte und trainiert nahezu alle Inhalte mit. Seit Kurzem auch ohne das Sonderleibchen, was bedeutet, dass man ihn auch wieder attackieren darf. Das sind Zeichen, dass es in die richtige Richtung geht.

Wird er im Testspiel gegen Paris Saint-Germain sein Comeback geben?

Mal schauen, ob er ein paar Minuten bekommt. Unabhängig davon freuen wir uns riesig auf diesen Handball-Leckerbissen.

Für den schon weit über 4000 Tickets weg sind.

Ja, und das für ein Spiel an einem Dienstagabend in der Ferienzeit. Fans und Mannschaft sind heiß auf diesen attraktiven Hochkaräter. Wir hatten davor Gegner wie die Rhein-Neckar Löwen oder andere Bundesligisten beim Turnier in Altensteig. Wir brauchen solche Gradmesser in dieser frühen Phase der Vorbereitung mit Blick auf den Saisonstart.

„Integration geht diesmal schneller“

Im Vorjahr sah die Vorbereitung anders aus.

Letzte Saison stand zu dieser Zeit der Integrationsprozess der vielen neuen Spieler im Vordergrund. Ich war neu, neun Spieler waren neu. Wir mussten uns erst einmal kennenlernen und die Basics erarbeiten. Diese Integration geht dieses Jahr schneller.

Jetzt konnten Sie sich gleich in die Detailarbeit stürzen?

In Teilen, ja. Mit Torwart Kristian Saeveras und Rückraumspieler Martin Hanne haben wir nur zwei externe Neuzugänge, sodass ich in unsere Spielphilosophie nur Martin integrieren musste. Es ist schon ein Vorteil, dass wir funktionierende Schubladen öffnen können, was einzelne Taktikbausteine betrifft. Ich kann mir jetzt länger Zeit nehmen für ein einzelnes Thema und für die Arbeit an Details.

Stichwort Zeit. Sie sind seit dieser Saison nun auch Sportlicher Leiter anstelle von Christian Schöne, arbeiten als Lehrer an einem Wirtschaftsgymnasium in Schwetzingen und sind Familienvater mit zwei Kindern. Ihr Tag dürfte aber auch nicht mehr als 24 Stunden haben?

Die Rolle als Sportlicher Leiter hat auch viel mit Netzwerken, viel mit Telefonieren und Scouten zu tun. Das habe ich davor auch schon viel und sehr gerne gemacht. Die Zusammenarbeit mit Christian Schöne war von Beginn an von großem gegenseitigem Vertrauen geprägt. Wir ergänzen uns in der Ausrichtung und Herangehensweise sehr gut, sodass diese Umstrukturierung der Aufgaben im Sinne von Frisch Auf Göppingen absolut Sinn gemacht hat, da er nun mehr Zeit für das Nachwuchscenter aufbringen kann. Und was die Arbeit als Lehrer betrifft: Es geht dabei um einen halben Tag in der Woche. Das ist für mich mehr Ent- als Belastung.

Das müssen Sie erklären.

Zum einen habe ich ein paar Stunden in der Woche, wo es mal nicht um Handball geht. Zum anderen ergeben sich so viele Synergien aus der Tätigkeit an der Schule. Ich habe Zugang zu neuen Tools im KI-Bereich, in der Pädagogik, in der Organisation, in der Statistik, in der Medienkompetenz, werde in diesen Themen geschult und fortgebildet. Dadurch profitiert im Umkehrschluss auch Frisch Auf Göppingen.

„Wir setzen auf Kontinuität“

Ihre Aufwertung ist Ausdruck großer Wertschätzung für Ihre Person im Verein. Wie nehmen Sie diese wahr?

Ich darf jetzt seit einem Jahr für diesen tollen Club arbeiten, und wir haben von Anfang an sehr vertrauensvoll, offen und ehrlich zusammengearbeitet. Wir haben viel investiert in den Umbruch und die Entwicklung einer neuen Kultur. Auch die Integration der Gesellschafter und des Wirtschaftskreises in den Entwicklungsprozess ist auf einer Ebene, die mir sehr gefällt. Das tägliche Miteinander mit den Trainern im Nachwuchscenter macht einfach Spaß. Wir haben viel in Gang gesetzt und sind in vielen Themen mittendrin. Wir setzen auf Kontinuität in den Kadern, in der Philosophie und den handelnden Personen.

Deshalb will der Verein Ihren am Saisonende auslaufenden Vertrag, wie es heißt, sogar bis 2030 verlängern. Wann wird die Einigung nach außen kommuniziert?

(Lacht) Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahl haben. Aber der Grundsatz, dass beide Seiten längerfristig zusammenarbeiten wollen, ist gegeben.

Profisport ist Ergebnissport – was passiert im Fall einer Negativserie?

Keine Frage: Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit braucht positive Ergebnisse als Gruppe. Das ist der Kleber, der alles zusammenhält. Wichtig sind eine offene und ehrliche Kommunikation, eine regelmäßige, fundierte Analyse und eine generelle Bereitschaft, sich täglich verbessern zu wollen. Dies sind für mich Grundlagen, die eine Negativserie kürzer und bewusster erscheinen lassen.

Mit 24:44 Punkten landete Frisch Auf 2024/25 auf Platz zwölf. Wie lautet das Ziel für die neue Saison?

Wir wollen im Grundsatz mehr Punkte holen als letzte Saison. Zu welcher Platzierung das dann reicht, ist immer schwer zu sagen. Ich bin als Trainer mit der HSG Wetzlar mit 35 Punkten Siebter geworden, und wir haben lange um die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb mitgespielt, das hätte letzte Saison gerade zu Platz zehn gereicht.

Die Frisch-Auf-Auswärtsbilanz war mit 5:29 Zählern richtig schlecht.

Stimmt, aber auch da haben wir uns im Laufe der Saison gesteigert. In der Hinrunde waren wir meistens komplett chancenlos in fremden Hallen. Von den letzten neun Auswärtsspielen spielten wir dann aber siebenmal auf Augenhöhe mit, haben dreimal mit einem Buzzer-Beater in letzter Sekunde verloren.

„Ludvig weiß, was er an uns hat“

Um Ihre beiden Spielmacher Ludvig Hallbäck und Elias Newel beneiden Sie viele. Wie lange wird man dieses Duo noch im Frisch-Auf-Dress sehen?

Also, Elias hat ja noch Vertrag bis 2027, und mit Ludvig sind wir in Gesprächen über eine Vertragsverlängerung über 2026 hinaus. Er fühlt sich bei uns sehr wohl, weiß, was er an uns hat, und kann einschätzen, dass er bei Frisch Auf auch die nächsten Entwicklungsschritte seiner Karriere machen kann. Doch natürlich spielen in so einem Prozess auch Berater, Eltern, Freundin und schwedische Nationaltrainer eine Rolle. Insgesamt haben wir ein stimmiges Konzept für die Zukunft, die sich in unserer Agenda 2030 niederschlägt – und das mit einem handballverrückten Standort im Rücken. Auch wir haben einiges zu bieten.

Zur Person

Karriere
Benjamin „Ben“ Matschke kam am 19. Juli 1982 in Heilbronn zur Welt. Als Kind spielte er zunächst Fußball beim VfR Heilbronn. Mit Handball begann er im B-Jugend-Alter beim TSV Weinsberg. Drei Jahre lang spielte Matschke in Weinsberg unter Trainer Thomas König in der Oberliga. Gemeinsam mit König wechselte er 2003 zum TV Kornwestheim in die zweite Liga. In der Saison 2004/05 spielte Matschke mit einem Zweitspielrecht für den VfL Pfullingen in der Bundesliga. Weitere Stationen als Spieler waren HBR Ludwigsburg und TSG Friesenheim (heute Eulen Ludwigshafen). Mit den Eulen feierte er 2010 den Bundesliga-Aufstieg. Trainerstationen: TV Hochdorf (2013 bis 2015), TSG Friesenheim (2015 bis 2021), HSG Wetzlar (2021 bis November 2022). Seit 1. Juli 2024 ist er Trainer bei Frisch Auf Göppingen, ab der Saison 2025/26 auch formal in einer Doppelrolle als Sportlicher Leiter tätig.

Persönliches
Matschke ist an einem halben Tag in der Woche Lehrer an einem Wirtschaftsgymnasium in Schwetzingen für die Fächer BWL, VWL und Sport. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder (Leni/11 und Hannes/9). Die Familie wohnt in Heddesheim. (jüf)

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