Auf Flohmärkten – wie im Lapidarium – kommt man ungezwungen miteinander ins Gespräch. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Schluss mit Ghosting und Swipe-Müdigkeit: Wo man in Stuttgart im echten Leben auf interessante Menschen trifft – vom Rewe in Stuttgart-West bis zum offenen Chor. Das sind unsere Tipps.
Tinder, Bumble, Hinge: Jüngere Menschen lernen potenzielle Partner:innen oft über Dating-Apps kennen. Doch bis es dazu kommt, dass man sich tatsächlich als Paar bezeichnet, ist es oft ein zäher, mitunter schmerzhafter Prozess. Denn beim Dating übers Internet ist die Auswahl gefühlt riesig, vieles läuft unverbindlich, Ghosting ist normal. Das führt dazu, dass manche doch irgendwann wieder versuchen, im „echten Leben“ jemanden kennenzulernen.
Nur: Wo lernt man im „echten Leben“ jemanden kennen? Wir haben nachgefragt bei Kolleg:innen und Freund:innen. Wo sind in Stuttgart gute Orte, um Menschen zu treffen, die man gerne kennenlernen würde? Und zwar keine Bars oder Clubs, sondern Alltagsorte. Elf Tipps – ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.
1. Rewe an der Schwabstraße
Unter der Woche, zur Feierabendzeit, im Rewe an der Ecke Schwab-/ Rotebühlstraße in Stuttgart-West: Es wirkt, als wäre man in einem Club gelandet. Nur dass man die anderen besser erkennt – und die begehrtesten Plätze nicht an der Bar, sondern zwischen Kühltheke und Gemüseregal sind. Das Publikum: die meisten noch mit Laptop-Rucksack, andere bereits in Sportkleidung.
Spätestens an der Kasse bildet sich ein guter Ansprech-Moment. Mit Blick auf den Einkaufskorb kann man sich erkundigen, welches Gericht damit gekocht werden soll (wenn viel Frisches im Korb liegt) oder ob jemand Gäste erwartet (wenn Bier, Limonade und Chips gekauft werden). Mit etwas Glück wird man zum gemeinsamen Kochen oder zur Party eingeladen.
2. Königsbäck an der Gablenberger Hauptstraße
Es gibt zwei Kategorien von Menschen, die man morgens beim Königsbäck in Gablenberg sieht: Jene, die bevor sie zur Arbeit gehen, schnell einen Espresso trinken. Andere lassen sich mit Laptop und Brezel nieder. Um jemanden kennenzulernen, könnte man die Person fragen, wie sie ihren Kaffee trinkt (schwarz? Kuhmilch? Hafermilch?) oder sich ein Ladekabel ausborgen.
Ähnliches Publikum findet sich frühmorgens sowie in der Mittagspause in der Cafébar Auszeit im Superblock in der Augustenstraße. Hier holt sich die arbeitende Bevölkerung einen Snack oder kommt zum Mittagstisch. Gerade mittags bilden sich oft eine längere Schlange – in der man ganz automatisch ins Gespräch kommt. Am Wochenende ist leidergeschlossen.
An der Augustenstraße im Stuttgarter Westen (Superblock) liegt die Cafébar Auszeit. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Bei den monatlichen Flohmärkten am Feuersee trifft man wohl die Stuttgarter:innen, die am meisten Ahnung von Mode und Trends haben. Ins Gespräch kommt man ganz automatisch an den Ständen: „Wow, wo hast du diese Schallplatte denn her? Glaubst du, diese Jacke könnte mir auch stehen?“ Der nächste Feuersee-Flohmarkt ist übrigens am Samstag, 16. Mai, von 9 bis 16 Uhr.
Seltener sind die Flohmärkte im städtischen Lapidarium. Dafür bietet sich die grüne Umgebung hervorragend an, sich gemeinsam mit einem Kaffee hinzusetzen und einander kennenzulernen. Das Lapidarium öffnet wieder am 2. Mai, Flohmarkttermine stehen noch nicht fest.
Man muss nicht gut singen können: Zum offenen Chor im Stadtpalais dürfen auch Menschen kommen, die höchstens mal unter der Dusche oder im Auto vor sich hinträllern. Die Proben sind in der Regel dienstags von 19.30 bis 21 Uhr im Stadtpalais am Charlottenplatz. Gesungen werden vierstimmige Popsongs unter anderem von Taylor Swift, den Beatles oder den Fantastischen Vier. Es steht explizit dabei, dass man dort leicht Kontakte knüpfen kann. Wer sich auf www.offener-chor.de registriert, bekommt Infos zugeschickt.
6. Veranstaltungen im Württembergischen Kunstverein
Wer an Politik und Kunst gleichermaßen interessiert ist, für den könnten die Ausstellungseröffnungen sowie andere Veranstaltungen im Württembergischen Kunstverein am Schlossplatz ein guter Ort sein, um Gleichgesinnte kennenzulernen. An jedem ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr werden Führungen angeboten. Die nächste Kurator:innen-Führung ist am Mittwoch, 13. Mai, um 19 Uhr.
7. Utopia-Kiosk im Züblin-Parkhaus
Dieser Ort soll vor allem für queere Personen in Stuttgart ein „safe space“ sein. Im Utopia-Kiosk finden regelmäßig Partys statt, außerdem Kunst, Konzerte und gelegentlich ein Sonntagsbrunch, zu dem alle etwas mitbringen. Gut ins Gespräch kommt man zudem bei den monatlichen Häkel-, Strick- und Nähtreffen „stitch’n’bitch“ oder beim Buchclub sonntagnachmittags. Der Utopia-Kiosk ist im Züblin-Parkhaus.
8. Fahrradcafé Fietsen mit Ausfahrten
Entweder samstags oder abends nach Feierabend trifft man am Radcafé Fietsen auf Gleichgesinnte. Der Gesprächseinstieg ist denkbar einfach: Was für eine Tour bist du gefahren? Bist du auf Strava? Noch leichter ist das gegenseitige Kennenlernen bei den angebotenen Ausfahrten: Donnerstags um 18 Uhr gibt es immer den „Fietsen Späti“ mit mehreren Strecken zur Auswahl. An Wochenenden sind oft zusätzliche Touren geplant.
9. Bouldern im Vels oder Rockerei
Nicht jede Sportart ist geeignet, um währenddessen Menschen anzusprechen. Schwimmen etwa: eher schwierig. Die meiste Zeit ist der Kopf unter Wasser, danach verschwindet man unter der Dusche. Bouldern aber ist die perfekte Sportart, um Menschen kennenzulernen. Denn: Niemand klettert ohne Pause an der Wand entlang. Viel Zeit verbringt man damit, anderen zuzuschauen. Dabei kann man andere fragen, wie sie diese eine schwierige Route geschafft haben oder welche Felsen in der Region sie empfehlen. Vielleicht geht man beim nächsten Mal schon zusammen. In Stuttgart bieten sich das Vels in Vaihingen, das Kletterzentrum in Degerloch sowie die Rockerei in Zuffenhausen an.
10. Gemeinsam joggen gehen mit einem Social Run Club
Ist nicht für jeden etwas; ein wenig Spaß am Laufen sollte man schon haben. Aber bei wem das der Fall ist, für den sind Social Run Clubs perfekt. In Stuttgart gibt es inzwischen richtig viele, einige sind sogar extra darauf ausgelegt, während des Joggens auch potenzielle Partner:innen kennenzulernen – etwa der Run2Meet-Club. Wer Single ist, trägt dort schwarze Sportkleidung, Vergebene bunt. Eine Übersicht über alle Stuttgarter Social Run Clubs findet man unter https://socialrunclubs.de/stuttgart/
11. Bad Berg
Richtig, weiter oben hieß es, dass Schwimmen kein praktischer Sport sei, um Menschen kennenzulernen. Aber im Bad Berg wird ja nicht geschwommen. Stattdessen wagt man sich gemeinsam in das kalte Mineralbecken draußen (Grenzerfahrung!) und wärmt sich später drinnen wieder auf. Die Saunen sind geschlechtergetrennt, sodass ins Bad Berg in der Regel keine Männer hingehen, die vor allem darauf aus sind, Frauen anzustarren. Im Sommer wird aus dem Bad Berg das wohl hippste Freibad Stuttgarts – mit entsprechendem Publikum.