Wenn Wildtiere von A nach B wandern wollen, stoßen sie immer wieder auf gefährliche Hindernisse – wie die Bundesstraße 14 zwischen Herrenberg und Nufringen. Sie zerschneidet den natürlichen Lebensraum von Hirschen, Wildschweinen oder Wildkatzen.
Solche Hindernisse führen dazu, dass der genetische Austausch zwischen verschiedenen Populationen nicht mehr ausreichend stattfinden kann. Beim Überqueren der vielbefahrenen B14 besteht außerdem die Gefahr von Unfällen.
Deshalb ist nahe der Polizeischule bei Herrenberg eine Grünbrücke geplant, auf der Tiere über die Straße kommen sollen. Ein Vorhaben, das nun konkretere Formen annimmt: Ab Mittwoch, 1. Oktober, werden die Planungsunterlagen für einen Monat veröffentlicht, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) mit. Einwendungen können demnach bis zum 14. November erhoben werden. Zu finden sind die Unterlagen auf der Homepage des RP.
Verbindung mit „hoher Relevanz“
Vorgesehen ist eine 50 Meter breite Brücke nur für Tiere, die sowohl die Bundesstraße als auch den Geh- und Radweg überspannen soll. An der B14 ändert sich durch die Brücke nichts. Als Kostenpunkt hatten Vertreter des Regierungspräsidiums bei einer Sitzung des Technischen Ausschusses in Herrenberg vor einem Jahr etwa acht Millionen Euro in den Raum gestellt.
Ziel der Brücke ist die Wiedervernetzung des Schönbuchs im Osten mit den Ausläufern des Schwarzwalds im Westen, heißt es in der Mitteilung. Der baden-württembergische Generalwildwegeplan der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt weist dieser Vernetzung eine „nationale Bedeutung“ mit „hoher Relevanz“ zu. Der jüngst erbrachte Nachweis einer Wildkatze im Schönbuch bei Herrenberg dürfte diese Einschätzung nur bestätigen.
Würde wichtige Lücke schließen
Seit 2014 wird an der Wiedervernetzung der Lebensräume in Schönbuch und Schwarzwald gearbeitet. Bereits vorhanden ist ein drei Kilometer langer Wildkatzenkorridor zwischen Herrenberg und Nufringen, der aus sogenannten Trittstein-Biotopen besteht. Also einzelnen Biotopen wie Büschen oder Bäumen, die Wildkatzen aber auch anderen Wildtieren Schutz bieten.
Kommt die geplante Wildtierbrücke über die B14, würde sie eine wichtige Lücke schließen. Denn mit dem Schönbuchtunnel existiert bereits eine funktionierende Grünbrücke und die nahe gelegenen Gleise der Gäubahn halten Naturschutz-Experten für ein Hindernis, das Wildtiere relativ problemlos überwinden können.