Fußball: ASV Botnang Der „ewige Zweite“ bricht den Fluch

Endlich am Ziel: Mit einem 8:1 gegen den TV89 Zuffenhausen besiegelte der ASV Botnang am vorletzten Spieltag die Meisterschaft. Foto: Günter Bergmann

Meisterserie, Teil vier: Nach drei knapp verpassten Aufstiegen holt der ASV Botnang die Meisterschaft in der Kreisliga A, Staffel 1. Jetzt soll eine neue Bezirksliga-Ära beginnen.

Sport: Dominik Grill (grd)

Zugegeben: In seinem Dasein als Meister der Fußball-Kreisliga A, Staffel 1, fehlt es dem ASV Botnang noch an Übung. Als die Schwarz-Weißen im Vorfeld des vorletzten Spieltags, dem langersehnten Triumph zum Greifen nahe, die Meister-Shirts drucken ließen, unterlief ihnen ein entscheidendes Malheur: Ausgerechnet das Wort „Bezirksliga“ – seit 15 Jahren der Sehnsuchtsort der Kicker von der Furtwänglerstraße – war falsch geschrieben. Statt des „e“s zierte ein drittes „i“ die 50 bestellten Exemplare. „Wir waren alle noch nie Meister, wir sind sehr unerfahren darin“, sagt Botnangs Trainer Alexander Schweizer lachend. Pünktlich zu jenem entscheidenden Spiel gegen den TV89 Zuffenhausen war die korrigierte Version da – und stand nach einem furiosen 8:1-Sieg der großen Meistersause nichts mehr im Wege.

 

Im vierten Anlauf gelingt den Botnangern also der Aufstieg und wurde dem Ruf des Vizekusens der Liga ein Ende gesetzt. Die vorigen drei Spielzeiten hatte das Team jeweils als Staffelzweiter abgeschlossen, war in der Aufstiegsrelegation 2022 und 2023 gescheitert und im vergangenen Jahr eben jener aufgrund der Bezirksreform beraubt worden. „Die Schmerzen in so einer verlorenen Relegation sind enorm“, erinnert sich Schweizer. Statt an dem Fluch des „ewigen Zweiten“ zu scheitern, wurde im vergangenen Sommer auch der Abgang mehrerer Hochkaräter weggesteckt und erfanden sich die Botnanger neu. „Wir sind weniger dominant als früher, wir kommen jetzt mehr durch den Kampf und unsere starke Defensive“, sagt der Coach über die generalüberholte Spielanlage. Die Zahlen geben ihm Recht: Mit nur 34 Gegentreffern stellt das Team den besten Abwehrverbund der zurückliegenden Spielzeit.

Die Torfabrik der Liga ließ indes im Hinspiel am dritten Spieltag schmerzhafte Erinnerungen an die vorigen Punkterunden aufkommen. Mit 5:1 schickte Türkspor (111 Saisontreffer) die Botnanger nach Hause – der mit Ausnahmespielern gespickte Kontrahent schwang sich bald zum unbezwingbar scheinenden Ligaprimus auf. „Türkspor war brutal stark. Für uns war nichts zu holen“, erzählt Schweizer. „Das hatte was von Croatia.“ Jenes Team war in der vergangenen Saison ungeschlagen zur Meisterschaft marschiert, die Botnanger hatten einmal mehr das Nachsehen. Weitere Parallelen: Das kongeniale Brüder-Duo Daniel und Damir Bosnjak wechselte im Anschluss von den Kroaten zu Türkspor.

Erfolgreicher Jäger

Die Roten pflügten fortan fulminant durch die Liga, doch das zweitplatzierte Botnang saß ihnen als einziges Team stets im Nacken. „Das Spotlight lag auf Türkspor, und in deren Schatten haben wir eine richtige Jäger-Mentalität entwickelt“, führt Schweizer aus. Zum Opfer fiel ihr im Achtelfinale des Bezirkspokals der Gejagte der vorigen Saison: Mit 2:1 triumphierte Botnang über Croatia, die Revanche war geglückt! Und bald lehrte noch eine weitere Tugend der Liga das Fürchten: In sage und schreibe acht Saisonspielen geriet das Team in Rückstand und nahm am Ende doch die drei Punkte mit.

Nach der Winterpause drehte sich dann an der Tabellenspitze der Wind. Türkspor konnte – auch aufgrund mehrerer verletzter und angeschlagener Spieler, wie Ugur Capar und Philip Hodak – nicht mehr an die Dominanz der Hinrunde anknüpfen. Im Rückspiel der beiden Titelkontrahenten brachten die Botnanger den Gegner schließlich mächtig ins Wanken (3:3). Erst zwei späte Elfmetertreffer von Winterneuzugang Fatih Özkahraman verhinderten die erste Ligapleite der Roten. Der Rückstand betrug indes weiterhin drei Punkte. Unverhoffte Schützenhilfe kam schließlich vom Kellerkind TV Zazenhausen, das sensationell mit 3:1 gegen den Ligadominator gewann. „Das war das Zeichen an die Liga: Türkspor ist schlagbar“, ist sich Schweizer sicher.

Am Ende krönte sich der ASV Botnang mit ganzen sieben Punkten Vorsprung zum Meister. Ein Schmankerl obendrein: Stürmer und Trainer-Bruder Daniel Schweizer schnappte Türkspors Erdem Akcan mit 28 Treffern auch noch die Torjägerkanone vor der Nase weg. Unterm Strich das Erfolgskonzept: „Eine brutale Konstanz“, sagt der Trainer. „Zwischen unserem schlechtesten und unserem besten Spiel liegt nicht mehr so viel wie früher.“

Nach 15 Jahren in der A-Klasse kehrt Botnang also in die Bezirksliga zurück. Einst galt der Verein dort als Stammgast. „An diese Zeiten können wir uns kaum noch erinnern, wir wissen eigentlich nur durch Geschichten davon“, erzählt Schweizer, „deswegen spielt das für uns keine große Rolle“. Die Marschroute ist klar: Das neue Botnang will seine eigene Geschichte schreiben. Deren erstes Bezirksliga-Kapitel soll wünschenswerterweise mit einem einstelligen Tabellenplatz enden, der Abstiegskampf vermieden werden.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu ASV Botnang