Fußball-EM 2024 in Stuttgart Stadionsprecher Jens Zimmermann – Von der B-Jugend in Freudenstadt zur EM

Jens Zimmermann moderiert die Gala „Sportler des Jahres“. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Bei Weltmeisterschaften war er tätig und bei Olympia, nun darf Moderator Jens Zimmermann in seiner Heimatstadt bei der EM ans Mikro. Er ist der Stadionsprecher.

Den Spuren seiner Familie begegnet Jens Zimmermann (51) auf Schritt und Tritt. An der Jubiläumssäule auf dem Schlossplatz, nebenan an den Brunnen auf dem Schlossplatz, an der Alten Kanzlei, der Wilhelma, am Schloss Rosenstein, der Uhlandshöhe findet er Werke seines Ururopas Wilhelm Pelargus, Besitzer einer Gießerei in der Weißenburgstraße.

 

Über Stuttgart nach Baiersbronn

Was er in Erz gegossen hat, hat Jahrhunderte überdauert. Sein Nachfahre ist in einem flüchtigeren Geschäft tätig. Sein Handwerk ist ein Mundwerk. Jens Zimmermann hantiert mit Worten, sein Metier ist es, Menschen zusammenzubringen. Womöglich auch etwas, was ihm in die Wiege gelegt wurde. Die Familie der Oma hat das Hotel Zuflucht an der Schwarzwaldhochstraße betrieben, bis es der Großonkel 1980 an den Jugendherbergsverband verkauft hat. Dass er nun selbst Mitbesitzer der Weinstube Fröhlich in der Altstadt geworden ist, habe „vielleicht mit diesen Gastro-Genen zu tun“, scherzt er.

Man sieht es dem Schlaks nicht an, aber tatsächlich ist er Zeit seines Lebens vom Geschäft mit Essen und Trinken umgeben. Kein Wunder, wenn man in Baiersbronn aufgewachsen ist. Der Opa war Institutsleiter an der Uni Hohenheim, zog während des zweiten Weltkriegs mit der Familie in den Schwarzwald, um dort Schutz zu suchen vor den Bombenangriffen auf Stuttgart. Dort gründete er die Brennerei Dr. Zimmermann. Die betrieb dann Jens Zimmermanns Vater, nun verkauft sein Bruder Christian Schnaps, Schinken, Wurst und Honig, mittlerweile im Nebenerwerb.

Ein Jahr hat Jens Zimmermann dort mitgeschafft. Doch seine Zukunft sah er nie im großväterlichen Betrieb. Bankkaufmann hat er gelernt bei der Landesgirokasse, und dabei recht Nützliches gelernt für seinen Berufsweg und die Selbstständigkeit. Doch seine Leidenschaft gehörte weder dem Schwarzwälder Kirschwasser noch der Zinseszinsrechnung. „Ich habe als Kind jeden Tag einen anderen Sport gemacht“, erzählt er.

Tennis, Tischtennis, auf den Alpinskiern war er einer der besten seines Jahrgangs in Baden-Württemberg. Doch am allerliebsten kickte er. Bei der SpVgg Freudenstadt spielte er in der Bezirksliga. Und war mit 20 Jahren Co-Trainer der B-Jugend in der Verbandsstaffel, damals die höchste Klasse in Württemberg.

Hallensprecher beim TVB Stuttgart Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

300 Leute seien da immer sonntagmorgens gekommen, erinnert er sich. „Wir hatten aber niemanden, der Ansagen machte“, sagt er, „also bin ich zehn Minuten vor Anpfiff in die Sprecherkabine und habe die Aufstellung vorgelesen.“ Dann hielt er den Kassettenrekorder ans Mikro und machte Musik. Wenn ein Tor fiel, rannte er hoch, verkündete den Torschützen, dann ging es zurück auf die Bank. Das sprach sich rum. 1996 spielte das deutsche Handball-Nationalteam der Frauen gegen China in Freudenstadt, man brauchte einen Moderator, Jens Zimmermann gab sein Debüt auf der großen Bühne. Und verließ sie nicht mehr. Eigentlich wollte er studieren, nach einem Kreuzbandriss musste er aber den Beginn seines Studiums der Sportökonomie verschieben und arbeitete beim Vater. Das Studium hat er bis heute nicht begonnen.

Jens Zimmermann mit Toni Innauer (re.) und Norbert König. Foto: Tom Weller

In Freudenstadt fand zu der Zeit der Schwarzwald-Cup statt, ein Turnier in der Vorbereitungsphase. Viele Bundesligisten waren damals vor der Saison im Trainingslager im Schwarzwald, und kickten in Freudenstadt gegeneinander. Zimmermann moderierte. Er fiel den Kickers auf, bekam ein Angebot für die Öffentlichkeitsarbeit und als Jugendkoordinator. In der zweiten Liga war er Pressesprecher und Teammanager.

2002 wurde Zimermann bei der Balinger Firma Uhlsport Leiter des Sportsponsorings. Das blieb er sechs Jahre, nach einem kurzen Intermezzo bei einer Spielerberater-Agentur kehrte er als Geschäftsführer zu den Kickers zurück. Und machte sich 2013 mit seiner Agentur 24passion selbstständig.

Mit Agentur selbstständig gemacht

Wie anderes hat er auch das nicht gesucht oder forciert. „Vieles kam zu mir“, sagt er. Immer hat er während seiner verschiedenen Tätigkeiten moderiert. Beim Handball, bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf, bei der Vierschanzentournee, bei den Paralympics, 2010 dann sogar bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver.

Oft war er auch beim Turnen. Und so fragte ihn der Schwäbische Turnerbund eines Tages, ob er nicht Marcel Nguyen betreuen wolle. Das tat er. Nguyen gewann bei Olympia in London 2012 zwei Silbermedaillen. Ein Star war geboren. Und das Fundament für Zimmermanns Agentur gemauert. Weitere Athleten kamen dazu. Ringer Frank Stäbler, die Paralympics-Sieger Niko Kappel und  Taliso Engel, Turn-Europameisterin Elisabeth Seitz, Olympiasieger Johannes Rydzek, und viele andere.

Man merkt schon an der Auswahl, er beteiligt sich  nicht  am großen und mitunter irren Geschäft mit den Protagonisten des Männerfußballs, in dem mit zig Millionen hantiert wird; seine Klienten sind in Sportarten tätig, in denen man nach der Karriere noch arbeiten muss. Und es bildet auch sein Portfolio ab. Doch nun darf er doch beim Fußball ran, auf der größtmöglichen aller Bühnen, bei einer Europameisterschaft zu Hause. Bei den fünf Spielen in Stuttgart ist er der Stadionsprecher. Von der B-Jugend in Freudenstadt zur EM.

„Da schließt sich ein Kreis“, sagt Jens Zimmermann. Anders als damals ist er aber in ein enges Korsett gesperrt. Er ist kein Anheizer wie bei den Handballern des TVB Stuttgart, er sagt die Aufstellungen und die Tore an. Dafür gab es eine Schulung, wichtig in Zeiten des Videobeweises. „Wann ist es ein Tor? Wann sage ich ein Tor an“, muss geklärt sein. Siebeneinhalb Stunden vor Anpfiff muss er im Stadion sein, der Europäische Fußballverband Uefa überlässt nichts dem Zufall.

Jens Zimmermann mit Frank Stäbler (re.) Foto: Yavuz Dural/Ringen

Ob es die Krönung seiner Karriere ist? „EM-Spiele in meiner Heimatstadt“, das sei natürlich etwas ganz Besonderes; aber die Arbeit bei den Olympischen Spielen sei „die Erfüllung eines Lebenstraumes gewesen“. In mehrerlei Hinsicht. Bei den Winterspielen im russischen Sotchi 2014 hat er Dmitry kennengelernt – seit sechseinhalb Jahren sind sie verheiratet. Auch das die Erfüllung eines Lebenstraums.

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