Fußball Landesliga Aberkannter Treffer erhitzt die Gemüter beim TSV Heimerdingen

Hochbetrieb im Ilshofener Strafraum: Der Heimerdinger Gabriel Fota (re.) lenkt den Ball mit der Hacke in Richtung Tor – Lars Fischer (2. v. re.) geht sicherheitshalber in Deckung, Hennes Autmaring (3. v. re.) hält einen Sicherheitsabstand. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Fußball-Landesligist TSV Heimerdingen unterliegt dem TSV Ilshofen unglücklich 1:2. Ein Patzer, eine umstrittene Entscheidung und eine Portion Pech begünstigen das Resultat.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

„Ein 2:2 wäre verdient und in Ordnung gewesen“, stöhnte Sportdirektor Daniel Riffert kurz nach dem Schlusspfiff auf dem Kunstrasen, „wir haben alles reingeworfen – der Auftritt der Mannschaft hat mir gefallen.“ Doch am Ende stand gegen den TSV Ilshofen am Donnerstagabend eine 1:2(0:0)-Niederlage .

 

Die meisten mit grün-weißem TSV-Emblem im Herzen nannten eine Szene, die diese unglückliche Niederlage vor 250 Zuschauern nach drei Siegen in Folge ihrer Ansicht nach maßgeblich begünstigt hatte. Ein aberkannter Treffer von Sebastian Bortel, der das 1:1 bedeutet hätte (61.).

Treffer von Sebastian Bortel zählt nicht

Der Heimerdinger Kapitän nahm den Ball nach einem weiten hohen Pass im Strafraum der Ilshofener fachgerecht an und hämmerte ihn ins Netz. Nur: Der Assistent an der Seite hatte eine Abseitsstellung gesehen – dabei hätten so ziemlich alle Heimerdinger einen Eid beim Leben ihrer Mutter geschworen, dass der Mann sich mächtig getäuscht hatte.

Heimerdingens Trainer Markus Koch hatte keine Abseitsstellung beim Tor von Sebastian Bortel gesehen – wie viele andere ebenfalls. Foto: Baumann/Alexander Keppler

„Ich glaube nicht, dass das Abseits war“, grollte Sportdirektor Riffert, und Trainer Markus Koch blieb recht zurückhaltend und meinte lediglich: „Ich hätte die Fahne nicht gehoben“. Die Spielaufzeichnung des TSV belegt diese Einschätzung. Zugegeben: Ob dieser Ausgleich zu einem Punktgewinn oder gar zu einem Sieg für die Platzherren an der Weissacher Straße geführt hätte, bleibt so hypothetisch wie die Frage: Existiert im Universum außer auf der Erde noch Leben? Sicher ist allerdings: Die Dramaturgie der Partie wäre eine andere völlig gewesen.

Denn zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste nur 1:0 geführt. Filip Milos hatte den Ball in der Vorwärtsbewegung im Mittelfeld verloren, Ilshofen schaltete blitzartig um – Tim Richter marschierte an der aufgerückten Defensive vorbei und ließ Torhüter Lukas Emmrich keine Chance (56.). „Das Gegentor haben wir selbst aufgelegt“, ärgerte sich Koch. Nach dem nicht gegebenen Bortel-Tor legten die Kicker aus dem Hohenlohischen nach. Nach einer Flanke kam Richter am zweiten Pfosten frei zum Kopfball, der ließ keine Gnade walten – 2:0 für Ilshofen (64.).

Martin Kuchtanin (hi./gegen Pakorn Silaklang) stand sicher als Innenverteidiger und kurbelte zudem das Spiel des TSV heimerdingen an. war Foto: Baumann/Alexander Keppler

Damit war für die Heimerdinger klar: Es geht um Alles oder Nichts, Angriff mit vollem Risiko. Das wäre fast nach hinten losgegangen. Die Gäste hatten zwei Chancen, auf 3:0 zu erhöhen, doch Tormann Emmrich verhinderte die frühzeitige Entscheidung (73., 77.). Für Heimerdingen feuerte Salvatore Pellegrino einen Schuss ab, den Keeper Luis Rohn gerade noch per Fuß klärte (78.). Als in Minute 81 eine Flanke in den Ilshofener 16er flog, Gabriel Fota den Ball mit der Brust stoppe und ihn im Tor versenkte, rechneten viele damit, dass der Mann an der Seitenlinie erneut mit der Fahne wedeln würde. Tat er aber nicht. Der Anschlusstreffer zum 1:2 zählte. 

Wahrscheinlich falsch geschaut, so wie einst der russische Linienrichter im WM-Finale 1966 beim Wembley-Tor gegen Deutschland. „Bei der Flanke sind drei Leute von uns im Abseits gestanden“, bekannte Haris Gudzevic nach dem Spiel. Die Heimerdinger um den aufopferungsvoll kämpfenden Bortel spielten fortan nach altertümlicher englischer Fußball-Schule – den Ball hoch und weit in Richtung Ilshofener Strafraum schlagen. Und fast wären sie mit dem 2:2 belohnt worden. Gudzevic drehte in der Nachspielzeit einen Freistoß aus 20 Metern kunstvoll um die Mauer, Torhüter Rohn war geschlagen – doch der Ball knallte an den Pfosten. „Es hat nicht viel gefehlt, ein paar Zentimeter vielleicht“, stöhnte der 25-Jährige. Kurz darauf pfiff Schiri Nico John ab.

Der Schuss Salvatore Pellegrino (re.) findet nicht den Weg ins Ilshofener Tor. Foto: Baumann/Alexander Keppler

„Es waren Einsatz, Emotion und Leidenschaft vorhanden“, sagte Trainer Koch, „es ist alles ein wenig gegen uns gelaufen.“ Auch Daniel Riffert fand, dass „die Tendenz in der Mannschaft stimmt“. Eine kleinen Vorwurf darf man den Heimerdinger Kickern allerdings machen: In der ersten Hälfte fuhren sie nach guten 20 Minuten ihr Engagement zurück, sodass außer einem satten Schuss von Milos (45.) wenig Hochkaräter zu verzeichnen waren. „Ich hätte mir da noch mehr Schwung erhofft“, sagte Markus Koch. So aber stand eine Niederlage, die schmerzte. TSV Heimerdingen: Emmrich – Fota, Kuchtanin, Geppert, Pellegrino – Bortel, Milos – De Sousa Lourenco (90. Banas), Traore (75. Tepegoez) – Buxmann (82. Riedmiller), Gudzevic.

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