Fußball-Landesliga, Abstiegskampf Schock im Abstiegskampf: Spieler des MTV Stuttgart in Krankenhaus-Notaufnahme

Den Angreifer Fabio Baldi hat es wohl schlimm erwischt. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Der TV Echterdingen, der TSV Plattenhardt und die Kräherwald-Kicker stehen unter Zugzwang. Im Duell der beiden schlechtesten Rückrundenteams könnte eine schwarze Serie enden.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Gäbe es eine Löschtaste, mit der sich missliebige Spieltage beseitigen lassen, sie hätten jene am vergangenen Wochenende wohl gleichzeitig gedrückt. TV Echterdingen, TSV Plattenhardt, MTV Stuttgart – drei Teams, dreimal das gleiche Schicksal. Alle drei verloren durch Gegentore in der Nachspielzeit, und damit ist vollends klar, was die Stunde im Abstiegskampf der Fußball-Landesliga geschlagen hat. Für die anstehenden nächsten Aufgaben dieses Wochenendes ist der jeweilige Erfolgsdruck groß. Und am Kräherwald zudem der Schrecken. Die jüngste MTV-Trainingseinheit endete für einen Spieler in der Krankenhaus-Notaufnahme. Für ihn dürfte die Saison bereits beendet sein.

 

Was zudem als Damoklesschwert über allen schwebt: Wird es tatsächlich bei drei Direktabsteigern bleiben? Oder erhöht sich die Zahl am Ende sogar noch auf vier? Aufgrund der aktuellen Konstellation in der Ober- und der Verbandsliga ist dies nicht auszuschließen.

TV Echterdingen – VfL Sindelfingen (Sonntag, 15 Uhr)

Für den Echterdinger Trainer Daniel Heisig ist eines jedenfalls klar: „Wir müssen jetzt schnell den Schalter wieder umlegen.“ Denn nachdem es zunächst so ausgesehen hatte, als sollte sich die Mannschaft unter ihm im Eilzugtempo aller Abstiegssorgen entledigen, ist der gelb-schwarze Motor zuletzt merklich ins Stottern geraten. Nur ein Punkt aus drei Spielen, darunter zuletzt die bittere 2:3-Last-Minute-Niederlage in Maichingen. Die mittlerweile bange Frage ist: zu früh gefreut? Geht dem Filderclub auf der Schlussgeraden der Sprit aus?

In der aktuellen Trainingswoche hat Heisig den Seinen eine Rückkehr zu den Basics eingebläut: „Zweikämpfe annehmen, aggressives Spiel gegen den Ball, hohe Laufintensität.“ „Die Jungs wollen und ziehen mit“, sagt der Coach, doch hat ihm eben in diesen Bereichen vor Wochenfrist die letzte Konsequenz gefehlt. Zwei ihrer drei Gegentore kassierten die Echterdinger nach Ballverlusten, in deren Folge sich Teile des Teams mit Hinterherschauen begnügten.

Was nun an diesem Sonntag als Herausforderung kommt, ist schwer abzuschätzen. Die Gäste des VfL Sindelfingen, als Neunter im tabellarischen Niemandsland, haben fünf ihrer vergangenen sechs Spiele verloren. Dabei erweckten sie mitunter den Eindruck, als befänden sie sich gedanklich bereits in der Sommerpause. Doch warnt Heisig: „Das ist eine Mannschaft mit hervorragenden Einzelspielern.“ Beispiele aus seiner Sicht: der Spielgestalter Tobias Kubitzsch sowie die Angreifer Gianluca Gamuzza und Tahir Bahadir. Für den Letztgenannten wird es einen Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. In der Saison 2019/2020 trug der 29-Jährige das Echterdinger Trikot, zuvor auch schon jenes des Nachbarn Calcio.

Im eigenen Team hat sich unterdessen das Saison-Aus des Verteidigers Leo Milutinovic bestätigt. Bei einer MRT-Untersuchung wurde eine Muskelverletzung im Adduktorenbereich festgestellt. Heißt Stand jetzt: sechs bis acht Wochen Fußballpause. Dagegen hat Heisig im Fall seines Angreifers Flon Ajvazi inzwischen wieder ein Fünkchen Hoffnung, dass es doch noch für ein Comeback in dieser Saison reichen könnte. Aktuell ist der Youngster wegen eines Bänderrisses im Sprunggelenk raus.

FV Sontheim/Brenz – TSV Plattenhardt (Samstag, 17 Uhr)

Es ist das Duell der beiden schlechtesten Rückrunden-Mannschaften. Auf der einen Seite ein Team, das in dieser Saison von bisher 13 Heimspielen nur eines gewonnen und elf verloren hat. Auf der anderen Seite ein Gäste-Ensemble, das seit August ohne Auswärtssieg ist. Und: eine Begegnung, in der sich zwei künftige Bezirksligisten gegenüberstehen? Während das Sontheimer Landesliga-Aus bereits besiegelt ist, lautet die Plattenhardter Devise für diesen Samstag: alles oder nichts. Endspiel-Zeit, vermutlich schon die letzte Chance. „Wenn wir diesen Dreier nicht holen, müsste sehr viel passieren, dass es für uns noch reicht“, weiß der Spielertrainer Pierre Eiberger. Schon jetzt trennen die Seinen vier Zähler von Platz 13, der nach jetzigem Stand die Rettungschance über die Relegation bedeuten würde – und der im ungünstigeren Fall aber auch noch zum zusätzlichen Direktabstiegsrang werden kann. Je nachdem, was in der Ober- und der Verbandsliga passiert.

Was dafür spricht, dass die Plattenhardter noch die Kurve kriegen? Was als Frustlöser hilft, nachdem der Aufsteiger zuletzt ein Abo für Nackenschläge zu haben schien und trotz gar nicht mal so schlechter Leistungen immer tiefer in den Tabellenkeller getaumelt ist? Siehe etwa die beiden jüngsten 1:2-Heimniederlagen gegen Ehningen und Böblingen, beide erst durch Gegentore in der Nachspielzeit. „Das war extrem bitter und hart“, sagt Eiberger, hat aber zugleich Mut geschöpft. Seine Erkenntnis: „Wir waren auf Augenhöhe. Jetzt braucht es nur einfach mal den Tick, ein Spiel auch zu gewinnen." Das, so die Hoffnung, könnte die Initialzündung sein.

Letzte Chance für eine Wende? Der Plattenhardter Spielertrainer Pierre Eiberger. Foto: Günter Bergmann

Am ausgedünnten Aufgebot ändert sich einstweilen nicht viel. Vom Stammpersonal fehlen weiterhin der Kapitän Emre Göcer (Urlaub) sowie die Langzeitverletzten Kevin Pein und Fabijan Krpan. Hinzuzukommen droht auf der Ausfallliste Tom Eichhorn. Der Youngster musste das Training mit Verdacht auf eine Oberschenkelzerrung abbrechen.

Für die nächste Saison hängt derweil der Wunschtransfer des Eiberger-Kumpels und Abwehrroutiniers Denis Lübke (33, 1. Göppinger SV) nach wie vor in der Warteschleife. Der Klassenverbleib, keine Frage, würde in dieser Angelegenheit die Erfolgaussichten deutlich erhöhen.

TSGV Waldstetten – MTV Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr)

Als wäre es mit der 1:3-Frustniederlage am vergangenen Spieltag gegen den Spitzenreiter Ehningen nicht genug gewesen. Die Schock-Zugabe ereilte den MTV Stuttgart im Training dieser Woche: Der Angreifer Fabio Baldi blieb mit den Stollen im Rasen hängen, und dann wurden alle Anwesenden bleich um die Nasen. Der schlimme erste Verdacht folgte in der Notaufnahme im Krankenhaus: ein Bruch des Wadenbeins. „Personell“, stöhnt der Trainer Björn Lorer, „sieht es überhaupt katastrophal für uns aus.“

Tatsächlich ist die Liste der Spieler, die ausfallen, allmählich länger als jene der noch fitten und gesunden. Außer Baldi müssen für die schwere Auswärtsaufgabe beim Tabellenvierten Waldstetten wohl knapp zwei Handvoll weiterer Kicker passen: Von Götz Gaiser (Leistenprobleme), Till Flach (Zerrung) und Mertcan Özocak (Fersenverletzung) über die Langzeitpatienten Sebastian Oehme und Egzon Sufaj bis hin zum Keeper Niklas Wegner. Jener hat sich bei einem Hallenkick außerhalb des Vereins wohl einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen. Wer am Sonntag zwischen den Pfosten steht, muss Lorer hiernach erst noch entscheiden: Er hat die Wahl zwischen Heiner Kaschner und dem Winterneuzugang Philipp Wagner (vom südbadischen Landesligisten SC Konstanz-Wollmatingen). Für Wagner wäre es das Punktspieldebüt im MTV-Trikot. Hinzu kommt auf der Minusseite obendrein der nun rotgesperrte Verteidiger Georgios Chelidonopoulos.

Alles in allem also keine guten Voraussetzungen, im Kampf gegen den Abstieg die für ein Happy End benötigte große Aufholjagd hinzulegen. „Alle, die noch laufen und stehen können, müssen mit“, kündigt Lorer mit einer Spur von Galgenhumor an, wissend: „Rein rechnerisch ist immer noch alles möglich, aber viele Chancen bleiben uns natürlich nicht mehr.“

Gleiches gilt für den Gegner – in seinem Fall im Hinblick aufs Aufstiegsrennen. In jenem hat der vormalige Titelfavorit am Mittwoch einen Dämpfer erhalten: Er unterlag im Nachholspiel in Köngen mit 0:2.

Weitere Themen