Eine Saison, die als Jubeljahr in die Annalen eingeht, wird es nicht mehr. Das ist für drei der vier Stuttgart/Filder-Vereine der Fußball-Landesliga schon vor dem vorletzten Spieltag sicher. Die Frage ist: Was lässt sich im Kampf gegen den Abstieg auf der Zielgeraden nun noch retten? Während der TV Echterdingen vor dem gefühlt nächsten Endspiel steht, droht dem MTV Stuttgart und dem TSV Plattenhardt bereits an diesem Samstag das auch rechnerische Aus. Zumindest eines hält die Motivation im Weilerhau aber nach Aussage aller Beteiligten hoch: Wird es zwar ein Abschied, jedoch einer mit Derby-Hurra? Gehen die Plattenhardter nicht, ohne zuvor noch ihrem Ortsnachbarn folgenschwer gegens Bein zu treten?
TSV Plattenhardt – TSV Bernhausen (Samstag, 15.30 Uhr)
Eine Ironie des Schicksals ist es ja schon. Ausgerechnet die Plattenhardter könnten nun diejenigen sein, die die Aufstiegsträume ihres Filderstädter Lokalrivalen vollends beenden. Unter dem Motto: Für uns selbst gibt es in diesem missratenen Spieljahr zwar nichts mehr zu gewinnen, aber ein Derby-Erfolg, der stellte wenigstens ein bisschen Schmerzlinderung dar. Der eigene Abstieg ist dabei schon seit dem vergangenen Wochenende praktisch besiegelt. Bei mittlerweile sechs Punkten Kluft und der zudem um zwölf Treffer schlechteren Tordifferenz gegenüber dem TV Echterdingen, der nach jetzigem Stand der Relegationsteilnehmer wäre, vermögen selbst die größten Optimisten im Weilerhau an kein Happy End mehr zu glauben.
„Auf Samstag freuen wir uns jedoch. Derby und letztes Heimspiel der Saison – der Gegner wird voll motiviert sein, wir sind es auch“, sagt der Spielertrainer Pierre Eiberger. Zeigen wollen er und die Seinen gerade in dieser Begegnung, dass sie es besser können, als es die triste Bilanz vermuten lässt. Seit Eibergers Beförderung vom Co- zum Cheftrainer im Januar hat der mittlerweile Tabellenvorletzte nur eines von zwölf Spielen gewonnen. Gemessen an den Ergebnissen, sind die Plattenhardter das schlechteste Rückrunden-Team. Und wer fragt am Ende schon noch danach, wie eben diese Resultate zustande gekommen sind? Wie oft es dabei unglücklich und nur ganz knapp gewesen ist. Erneutes Beispiel zuletzt beim 0:1 gegen den Titelanwärter Köngen.
Insgesamt führt der Weg der Rot-Weißen nicht von ungefähr nach nur einem Jahr zurück in die Bezirksliga. Die Planungen laufen inzwischen allein für dort, flankiert von einem Bangen: Daumen drücken bei Eiberger und die Seinen für die erwähnten Echterdinger. Auf dass diese nicht zum Mitabsteiger werden. Diesen zusätzlichen Konkurrenten in der dann nächsten Saison würden die Plattenhardter sich gern ersparen. „Das wäre sonst ein richtiges Brett“, sagt ihr Coach, „die würden ja wie wir auch mit aller Macht direkt wieder hoch wollen“.
Kadertechnisch hofft Eiberger dabei nach wie vor, dass sich sein alter Weggefährte und Kumpel Denis Lübke für einen Wechsel auf Filderstadts Höhen entscheiden wird. Der 33-Jährige wäre als spielender Co-Trainer vorgesehen, vor allem auch als Führungsfigur auf dem Platz. Im Moment liegen die Gespräche allerdings auf Eis. Denn Lübke steckt mit seinem Noch-Verein 1. Göppinger SV in der Oberliga ebenfalls noch mitten im Abstiegskampf. „Ein 50:50-Ding zwischen Göppingen und uns“, schätzt Eiberger, der für die aktuelle Begegnung indes einmal mehr umstellen muss respektive will.
Durch Aaron Gruber (Urlaub) und Tobias Hornung (urlaubsbedingte Trainingsfehlzeit in dieser Woche) werden zwei Startelfplätze frei. Eiberger selbst könnte nach ausgiebiger Physiotherapie gegen seine Rückenbeschwerden eine Alternative sein – im Gegensatz zum weiterhin verletzten Torjäger Aristidis Perhanidis (Muskelfaserriss).
TSV Bernhausen: Lujic trotz Trainer-Ärger vor Startelf-Rückkehr
Letzterer wird die Begegnung mit seinem Ex-Verein definitiv verpassen. Bei den Bernhausenern wiederum kündigt sich zumindest eine Änderung an. Der Urlaubsrückkehrer Oliver Lujic dürfte in der Innenverteidigung den nun Heimatreisenden Ovidiu-George Sterian (studienbedingt in Rumänien) ersetzen – aller angesäuerten Stimmung seines Trainers zum Trotz. Jener, Roko Agatic, hatte vor Wochenfrist keinen Hehl daraus gemacht, was er von solchen privaten Auszeiten in der entscheidenden Saisonphase hält. Kommentar: „Geht gar nicht.“ Mangels Alternativen befindet Lujic sich dennoch vor dem prompten Startelf-Comeback.
Für anderweitige Experimente steht schlicht noch zu viel auf dem Spiel. Ja, vier Punkte Rückstand sind es zum Zweiten TSV Köngen. Die Chancen der Fleinsbachkicker auf einen Gewinnerplatz im lange höchst spannenden Aufstiegskampf sind deutlich gesunken. Aber, wie sagt der Spielleiter Thomas Otto: „In dieser Liga ist alles verrückt. Das hat diese Saison oft genug gezeigt.“ Also: Vielleicht ist das Maß an überraschenden Volten ja noch nicht ausgeschöpft.
Klar ist: Die Bernhausener dürfen in ihren beiden verbleibenden Partien nichts mehr liegen lassen – eben in Plattenhardt sowie dann zum pikanten Schluss zuhause gegen den FV Neuhausen, die Mannschaft ihres künftigen Trainers Ugur Yilmaz. Und der Fernrivale Köngen müsste gleichzeitig gegen Eislingen und beim MTV Stuttgart zweimal patzen.
Zwei weitere Neuzugänge beim TSV Bernhausen
Ottos Devise lautet: „Weiter Gas geben. Und dann mal schauen.“ Vorbereitet sähe er seinen Verein für beide Ebenen – weiter Landes- oder auch Verbandsliga. So oder so sind seit dieser Woche zwei weitere Neuzugänge fix. Zum einen wird Yilmaz einen vierten Kicker aus Neuhausen mitbringen, namentlich Max Wanner (30, Innenverteidigung). Zuvor waren wie berichtet schon Nikita Schestakow, David Plattenhardt und Markus Fickeisen festgestanden. Zum anderen kehrt der Youngster Cono Lombardo (20, Außenverteidigung) nach halbjährigem Abstecher vom B-Kreisligisten Omonia GFV Vaihingen zurück.
FV Sontheim/Brenz – MTV Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr)
Zuletzt war es für die Kicker des MTV Stuttgart wie in einem Abzählreim: Sie sind raus, sie sind doch noch nicht raus. Sie sind raus, sie sind doch noch nicht raus. Ein stetes Hin und Her zwischen neuer Hoffnung und wahrscheinlichem Abstieg. Nun spekuliert der Tabellenvierzehnte auf die nächste Wiederbelebungsaktion – diesmal allerdings begleitet von der Gefahr des tatsächlich endgültigen Aus. Ein Sieg beim abgeschlagenen Schlusslicht Sontheim könnte die Kräherwald-Kicker erneut ins Rennen um den Klassenverbleib zurückbringen, genau so gut aber auch final nutzlos sein, wenn gleichzeitig der TV Echterdingen ebenfalls gewinnt. Zwei Spieltage vor Schluss besteht zum Fernrivalen, der nach jetzigem Stand den Relegationsplatz belegt, eine Vier-Punkte-Kluft.
Einstweilen sieht der Trainer Björn Lorer die Stimmung nach dem schwachen Auftritt beim Heim-1:3 gegen die SV Böblingen „schon etwas gedrückt“. Andererseits, so seine Einschätzung: „Vielleicht spielt die Mannschaft mit der Gewissheit, eigentlich schon weg zu sein, nun ja befreiter auf.“ Der anstehende Gegner könnte in dieser Hinsicht ein Vorbild sein. Am Sontheimer Abstieg ist bereits seit geraumer Zeit nicht mehr zu rütteln. Dennoch erwies sich das Team von der Ostalb gerade in den vergangenen Wochen als unbequemer Favoritenschreck. Nachzufragen etwa in Bad Boll (0:1), Bernhausen (0:0) oder Eislingen (1:1).
Personell ist die Lage bei den Stuttgartern ebenso wie die Tabellenkonstellation unverändert angespannt. Im Vergleich zur Vorwoche fehlen nun auch noch Daniel Rudolph (Urlaub) und wahrscheinlich Till Flach (angeschlagen). Bittere Kunde zudem vom Sportgericht: Der Verteidiger Georgios Chelidonopoulos muss nach seiner roten Karte vor drei Wochen gegen Ehningen für fünf Spiele aussetzen. „Völlig unverständlich“, findet Lorer, der bei seiner Sichtweise bleibt: „Die Aggression ging nicht von ihm aus, sondern vom Gegner.“
Für Chelidonopoulos ist die Saison somit jedenfalls bereits beendet. Für zwei weitere Spieler hingegen neigt sich ihr MTV-Engagement überhaupt dem Schluss: Bei Joel-Noah Graham und Denzel Debrah sieht es laut dem Spielleiter Luca Luchetta „stark nach Abschied aus“.
Wiedereinstieg demgegenüber von Paolo Carbone (25, Mittelfeld). Der Italien-Rückkehrer kam bereits am vergangenen Spieltag erstmals wieder zum Einsatz.
TV Echterdingen – SV Waldhausen (Samstag, 15.30 Uhr)
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