Vor dem Spiel „großes Kopfzerbrechen“ wegen des Ausfalls von gleich vier Stammkräften, in der Halbzeitpause ein Trainer-Rüffel – und am Ende dann ein strahlendes Hurra. Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt haben die Landesliga-Fußballer des TSV Bernhausen Big Points für den Aufstiegskampf verbucht. Ein 3:1-Auswärtssieg beim direkten Konkurrenten SV Waldhausen bringt die Filderstädter zumindest bis Mittwoch wieder auf den zweiten Tabellenplatz. „Hut ab vor der Mannschaft. In der zweiten Hälfte hat sie eine überragende Leistung gebracht“, lobt Roko Agatic, besagter Coach.
Zur Halbzeitpause hatte sich das von Agatic noch ganz anders angehört. Da hatte der Trainer, wie er hinterher berichtete, den Seinen eine grimmige Frage gestellt: „Wollen wir etwas erreichen, oder wollen wir es nicht?“ Falls nicht, so die Ansage, könne man auch in der Kabine bleiben und dem Gegner die Punkte kampflos überlassen. Die von Agatic erhoffte Antwort folgte auf dem Rasen – und das trotz der angedeuteten angespannten Personalsituation. Nach Erik Meinlschmidt hatten die Bernhausener kurzfristig auch auf Filip Jordacevic (Knieprobleme), Jamie-Noah Demir (Prüfungsstress) und ihren Keeper Matej Livancic (privat verhindert) verzichten müssen. An dessen Stelle stand der erst wenige Tage zuvor verpflichtete Youngster Hasan Kaya (pausierte/zuletzt TSV Ehningen, zuvor TV Echterdingen) zwischen den Pfosten. Ein Debüt, das sich sehen lassen konnte. Der Neue glänzte mit mehreren Paraden.
Allemal Anteil hatte er somit daran, dass die Gäste die Begegnung nach dem 0:1-Gegentor von Tim Eckstein noch drehten (24.). Ihre eigenen Treffer im Zeitraffer: Querpass Ivan Matanovic, Abstauber Lukas Walz zum 1:1 (53.). Balleroberung Julijan Milos, Strafraum-Schuss Matanovic (68.) zum 2:1 (68.). Flanke Dimitrios Vidic, Kopfball Walz zum 3:1 (83.). Zu verschmerzen war es hiernach, dass der Doppeltorschütze Walz darüber hinaus zwei weitere Großchancen eher kläglich vergab.
Was Agatic hingegen etwas wehmütig in den Rückspiegel schauen lässt, ist der Spieltag von zuvor. Was, wenn dieser verflixte 0:0-Ausrutscher gegen den Tabellenletzten Sontheim nicht gewesen wäre? „Ich hoffe, dass nicht das die zwei Punkte sein werden, die uns am Ende entscheidend fehlen“, sagt der Coach. Sein persönliches Ehrgeiz-Ziel ist und bleibt, daraus macht der Trainer kein Geheimnis, sich am Fleinsbach mit dem erstmaligen Aufstieg des Vereins in die Verbandsliga zu verabschieden.
Richtungsweisend dürften im nach wie vor dicht gedrängelten Spitzenfeld die beiden nächsten Begegnungen sein. Im TSV Köngen (17. Mai zuhause) und TSV Bad Boll (22. Mai auswärts) warten zwei weitere Gegner aus der obersten Kategorie. Danach, zum Abschluss, stehen noch die Derbys in Plattenhardt (30. Mai) und gegen den FV Neuhausen (6. Juni) an.
Bernhausener „Spieler des Spiels“
Dimitrios Vidic (Nominierungen: 1). Unermüdlicher Rackerer auf der rechten Außenbahn. Hielt auf seiner Seite hinten den Laden dicht und sorgte nach vorne mit Flankenläufen immer wieder für Gefahr.
SV Waldhausen: Butscher – Kazymov, Herkommer, Weber, Michel (71. Mack), Philipp Schiele (76. Häußler) – Schwarzer (84. Agathangelidis), Avdiovski (90.+1 Manci), Janik – Sungur, Eckstein.
TSV Bernhausen: Kaya – Vidic, Lujic, Sterian (66. Stegl), Henneh – Milos – Böhmer (60. Kranz), Galla (60. Gümüssu), Tomic (80. Shamenko), Walz – Matanovic.