Der Akteur der FSV Waldebene Stuttgart-Ost hat zum zweiten Mal nacheinander einen Tore-Doppelpack geschnürt. Warum es zwischen ihm und seinem Trainer schon mal zu Diskussionen kommt.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Die Zielvorgabe waberte intern vor Saisonstart so im Raum herum, lautete grundsätzlich Aufstieg. Die wenigsten im Team des Kreisliga-A-Clubs FSV Waldebene Stuttgart-Ost nannten das Kind aber konkret beim Namen. Alexander Schulz schon. Der linke Außenverteidiger und Mitglied des Mannschaftsrats machte damals eine deutliche Ansage: „Ich bin hier, um aufzusteigen, ansonsten geh’ ich.“ Der 23-Jährige lässt den Worten bislang Taten folgen. Er ist einer der Leistungsträger im Ebene-Team. Mehr noch: Seit zwei Spieltagen besticht er auch als Tore-Doppelpacker. Neben seinen Treffern beim 7:0 des Spitzenreiters am Ostermontag gegen das Kellerkind TSV Heumaden war Schulz insgesamt ein Aktivposten und ist deshalb unser Spieler der Woche.

 

Sein Trainer Rocco Cesarano beschreibt den 23-Jährigen als „einen Spieler, den man sich im Team einfach wünscht“. Starker Charakter, einsatzfreudig, zuverlässig. Und einer, der auch mal laut werde, Ansagen auf dem Platz mache – wobei es sogar vorkommt, dass der Trainer auf den Spieler hören muss. Beispiel das Training an diesem Dienstagabend. Aufgrund des Champions-League-Krachers Real Madrid – FC Bayern München wollte Cesarano den Seinen eigentlich frei geben.

Das hätte er zuvor besser mal mit Alexander Schulz abgesprochen. „Trainer, lass’ uns davor kicken, damit wir im Rhythmus bleiben“, erwiderte Schulz, der eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt – die italienische und die deutsche. Denn aufgewachsen ist der Außenverteidiger in Mailand, hat vor vier Jahren dort sein Abitur gebaut und kam dann nach Deutschland. Probleme mit der Sprache: Fehlanzeige. Bis zur zehnten Klasse besuchte er eine deutsche Schule. Hierzulande machte er ein freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten in Sillenbuch. Danach versuchte er es als Student der Sozialen Arbeit. Aber nicht sein Ding. „Es war mir zu theoretisch, die praktische Arbeit mit Kindern macht mir einfach viel mehr Spaß“, sagt Schulz. Deshalb entschied er sich für eine Ausbildung als Erzieher, ist im ersten Lehrjahr.

Der Kontakt zu seinem jetzigen Verein entstand während seiner Zeit in Sillenbuch. Dabei lernte er über Umwege Calogero Emanuele Immernano kennen – „mittlerweile ein guter Freund“. Dieser nahm ihn mit zum Waldebene-Club. Erst eine Saison in der Zweitvertretung, seit drei Jahren spielt Schulz im A-Team.

In 19 Saison-Partien hat er bislang sechs Treffer erzielt. „Ein außergewöhnliches Glück für mich, Tore sind eher nicht meine Angelegenheit“, sagt Schulz. Dabei hätte es eines mehr sein können. Gegen Heumaden gab er den Ball beim Elfmeter an einen Mitspieler weiter. Er habe ja schon zuvor zwei Tore markiert, der andere noch keines, begründet Schulz, der seine Stärke – wie in besagter Szene beschrieben – in seiner Teamfähigkeit sieht.

Derweil hält er sich aber durchaus auch für einen sicheren Elfmeterschützen. Auch wenn ihn dafür seine Mitspieler schon mal aufziehen. Grund: „Ich habe am Anfang der Saison im Pokal zwei verschossen, ansonsten treffe ich immer, was ja auch die Partie gegen Degerloch gezeigt hat“. Zuletzt gegen Heumaden traf er per Kopf und mit einem haltbaren, wie er sagt, 17-Meter-Schuss. Es waren zwei wichtige Tore, das 1:0 und 2:0.

Am Sonntag tritt Schulz mit dem Tabellenführer – zehn Punkte vor dem schärfsten Verfolger ABV Stuttgart – beim Viertplatzierten KF Kosova Bernhausen an. Das Hinspiel gewann die Cesarano-Truppe mit 5:2. Doch Schulz warnt: Das Ergebnis sei deutlicher als der Spielverlauf gewesen, erst gegen Ende habe sich die bessere Kondition ausgezahlt. Ein entscheidender Punkt für den Außenverteidiger, warum der FSV Waldebene über den anderen Teams der Liga thront. „Wir können 90 Minuten Vollgas geben, den Eindruck habe ich bei den meisten Gegnern nicht“, sagt Schulz. Auch wenn der 23-Jährige mit einem schweren Match rechnet, will er gewinnen und macht schon seit geraumer Zeit eine abgeänderte, klare Ansage: „Ich will nicht nur aufsteigen, sondern das ganze über den Titelgewinn.“