Fußball: TSV Weilimdorf Nach 4:0-Sieg: Coach Stierle vor der nächsten Beförderung

Oliver Stierle wartet nun auf eine Entscheidung des Vereins, wobei diese praktisch schon gefallen ist. Foto: Günter Bergmann

Der eigentliche Co-Trainer nutzt beim Verbandsligisten seine Zwei-Spiele-Bewährungschance, aktuell auch dank des Gegners Tübingen. Ein Weilimdorfer glänzt mit Traumtor.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Und dann ging es in die Luft. Die spontane Dusche aus den Wasserflaschen hatte Oliver Stierle bereits lachend über sich ergehen lassen, als ihn seine Spieler auch noch an Armen und Beinen packten und in die Höhe warfen, als befände er sich auf einem Trampolin. Es waren Szenen, wie man sie eigentlich nur von einem Saisonende kennt, bei einem Aufstieg etwa. Aber schon an einem fünften Spieltag? Ja, die Freude beim Aufsteiger TSV Weilimdorf musste raus nach dessen überhaupt erstem Heimsieg in der Fußball-Verbandsliga, dem 4:0 am Samstag gegen eine überforderte Gäste-Elf der TSG Tübingen. Nicht nur das: Zugleich durfte man die Form des Jubels durchaus als Votum der Mannschaft interpretieren – nämlich für Stierle, der auch deshalb kurz vor einer internen Beförderung steht.

 

Vom Co-Trainer zum Zwei-Spiele-Chef – diesen Schritt hatte der 42-Jährige schon vor dem Pokalfight am Mittwoch gegen die Stuttgarter Kickers (1:2) getan. Nun soll die nächste Stufe folgen: Stierle überhaupt als Chefcoach, zumindest einmal, bis sich um den eigentlichen Amtsinhaber Manuel Fischer eine neue Situation ergibt. Letzterer befindet sich wie berichtet in einer krankheitsbedingten Auszeit, von der noch nicht absehbar ist, wie lange diese dauern wird. Für die Abteilungsverantwortlichen bestand also plötzlich Handlungsbedarf. In Stierle sieht nicht nur der sportliche Leiter Michael Bachmann die logische Lösung. „Die Mannschaft steht, wie gesehen, komplett hinter ihm. Es würde im Moment überhaupt keinen Sinn machen, da etwas zu ändern“, sagt er.

Zusätzliche Pluspunkte hat Stierle mit der Weilimdorfer Auftrittsweise in den beiden erwähnten Begegnungen gesammelt. 180 Spielminuten als persönliches Bewerbungsschreiben. „Die Jungs haben zweimal alles reingehauen, so wie von mir gewünscht“, sagt der Ex-Profi (Stuttgarter Kickers, FC Bayern München II) selbst. Jetzt müsse der Verein entscheiden. Er sei für weitere Aufgaben bereit.

Der Wille, die Zähler nach zuvor zwei gegentorreichen Liganiederlagen auf eigenem Platz diesmal hier zu behalten, war beim Klassenneuling jedenfalls von Beginn an zu spüren. Überraschend dabei eine taktische Umstellung: Bastian Joas, im vergangenen Meisterjahr noch Sturmspitze und Torschützenkönig, spielte in einer deutlich defensiveren Rolle. Der Kapitän wechselte zwischen Sechser- und Achterposition. „Ich wollte im zentralen Mittelfeld jemanden haben, der Verantwortung übernimmt“, erläutert Stierle. Freilich, profitiert haben die Seinen auch von einem Gegner, für den es in der gezeigten Verfassung insgesamt schwer werden dürfte.

Nach Zitter-Klassenverbleib über die Relegation und dem folgenden Verlust mehrerer Leistungsträger befinden die Tübinger Gäste sich im Umbruch. Aktuell begannen sie mit sechs U-20-Spielern. Durchschnittsalter in ihrem Team: 21,7 Jahre. Zum Vergleich: auf Weilimdorfer Seite waren es 28,1. Was auf dem Papier nach Männer- gegen Juniorenfußball aussah, war es dann auch tatsächlich auf dem Rasen. „Lehrgeld bezahlt“, konstatierte der Stierle-Gegenüber Michael Frick. „Weilimdorf hat uns ein bisschen den Schneid abgekauft.“ In puncto Entschlossenheit, Robustheit und Abgezocktheit offenbarte sich ein Klassenunterschied. Aber auch spielerisch hatten die Nord-Stuttgarter mehr im Angebot.

Erstmals belohnt wurde dies schon nach einer Viertelstunde. Riccardo Scarcelli eroberte den Ball und steckte zu Tamer-Harun Fara durch, dessen Dribbling der gegnerische Keeper Tom Mang mit einem Foulspiel beendete. Den fälligen Elfmeter verwandelte Joas. Darauf erhöhte die Stierle-Elf noch vor der Pause nach einem seit Jahren bei ihr bewährten Strickmuster: Ecke, Kopfball Erdinc Bozoglu, Tor. Der Innenverteidiger rammte die Kugel nach Vorlage von Jonathan Zinram-Kisch ins Netz (45.+1). Damit waren die Verhältnisse geklärt. In Gefahr geriet der Erfolg zu keinem Zeitpunkt mehr. Auch dann nicht, als Samir Genc mit Gelb-Rot vorzeitig Feierabend hatte (63.).

Vorwerfen müssen sich die Weilimdorfer höchstens, das Ergebnis nicht noch deutlicher gestaltet zu haben. Die Chancen waren da – vor allem ein glücklos agierender Terry Offei vergab sie. Doch allein Faras 3:0 entschädigte als Hingucker: Der Routinier traf nach einem missratenen Ausflug des Tübinger Torhüters. Ein Lob von der Seitenauslinie ins verwaiste Gehäuse (58.), ehe Zinram-Kisch nach nochmaliger Scarcelli-Vorarbeit wuchtig den Schlusspunkt setzte (70.).

„Diesen positiven Flow“, fordert der Sportchef Bachmann, „müssen wir nun mitnehmen.“ Weiter geht es schon am Mittwoch. Erneut englische Woche, diesmal auswärts in Dorfmerkingen. Auf dass es keine harte Landung gibt. Aktuell hat die Mannschaft sich dann bemüht, ihren fliegenden Coach sanft wieder aufzufangen.

Weilimdorfer „Spieler des Spiels“

Tamer-Harun Fara (Nominierungen: 1). Elfmeter herausgeholt, Traumtor erzielt – aber nicht nur deswegen steht der Name des 31-Jährigen unter dieser Rubrik. Überhaupt war er ein Aktivposten im Weilimdorfer Spiel, gefiel mit Tiefenläufen und klugen Zuspielen.

TSV Weilimdorf: Simone – Zinram-Kisch, Bozoglu, Sadikovic, Milenkovic – Küley (48. Kakou, 66. Schieber) – Fara (79. Berretta), Joas (85. Njie), Genc, Scarcelli (73. Addo) – Offei.

TSG Tübingen: Mang – Winterstein, Thomas (84. Zahn), Brändle (84. Shevchyk), Vollmer (85. Jaeger) – Kramm (63. Abele), Schiffel – Zeyer, Biesinger (76. Heumesser), Müller – Grauer. 

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