Fußball-WM 2026 ist ihr Ziel Zwei Stuttgarter feiern Nationalelf-Debüt – der eine ist 74, der andere 76

, aktualisiert am 08.05.2026 - 09:29 Uhr
Neu in der Nationalmannschaft: Heinz Wöhrle und Günter Leonhardt aus Stuttgart (von links) sind seit Kurzem Teil der deutschen Ü-75-Auswahl. Foto: Torsten Schöll

Heinz Wöhrle und Günter Leonhardt von der Sportvg Feuerbach gehören seit Kurzem der Ü-75-Nationalmannschaft an. Das Team geht als Titelverteidiger in die diesjährige Weltmeisterschaft.

Was Florian Wirtz, Joshua Kimmich und die anderen A-Nationalspieler im Sommer gerne werden würden, das sind die deutschen Kicker der Altersklasse Ü 75 schon seit vergangenem Jahr: Fußball-Weltmeister. Ungeschlagen haben die Senioren in Japan den Titel eingefahren. Am Ende schickten die Edelkicker mit den grauen Schläfen den Gegner England mit einem glatten 3:0 nach Hause. „Ü75 zeigt Julian Nagelsmann, wie man Titel holt!“, titeln sie dazu auf ihrer Homepage (wm-der-herzen.de).

 

Besonders viel Publicity bekam der unerwartete Triumph allerdings nicht. Genau das soll sich nun im kommenden Oktober ändern, wenn Team Deutschland in Australien den Erfolg wiederholen will. Mit dabei sind dieses Mal auch zwei Fußballer aus Stuttgart: Günter Leonhardt und Heinz Wöhrle, der eine 74 Jahre, der andere 76 Jahre alt.

Da ist das Ding: 2025 holte die deutsche Ü-75- Nationalelf den WM-Titel. Foto: wm-der-herzen.de

Beide treten bei der Sportvg Feuerbach regelmäßig gegen den Ball. Und einmal in der Woche sind sie auch in Bissingen, weil sich dort eine Gruppe mehr oder weniger Gleichaltriger zusammengefunden hat. „Da sind dann die Leistungsunterschiede nicht so groß“, sagt der Verteidiger Leonhardt, der ursprünglich aus der Pfalz stammt und früher in der vierten Liga spielte. In Stuttgart gibt es überraschenderweise bislang noch nicht ausreichend viele organisierte Spieler in der Altersklasse, um wenigstens zwei Freizeitmannschaften zu bilden.

„Gekickt wird üblicherweise acht gegen acht auf Kleinfeld und D-Jugend-Tore“, erklärt Wöhrle. Das gilt auch für die Nationalmannschaft und die WM. Damit sich niemand ernsthaft verletzt, wird möglichst körperlos gespielt. So gibt es für Tacklings auch ohne Foul zehn Strafminuten.

Die Fußball-WM 2026 in der Altersklasse Ü 75 steigt im Oktober in Brisbane

Deutschland nimmt heuer zum vierten Mal am Ü-75-WM-Turnier teil, das dieses Mal von 12. bis 16. Oktober in Brisbane ausgetragen wird. Dass die Konkurrenz anders als bei den Aktiven jedes Jahr stattfindet, hat einen guten Grund. Leonhardt zitiert den Teammanager Günther Christmann, der es kürzlich pointiert so formuliert hat: „In unserem Alter können wir nicht vier Jahre auf das nächste Turnier warten. Keiner weiß, ob wir im nächsten Jahr noch leben.“

Dass das schwarz-rot-goldene Team aktuell gut drauf ist, hat es zuletzt in Flein bewiesen. In einem Freundschaftsspiel gab es gegen eine Auswahl aus der Region ein 8:0. Top-Torjäger ist der Göttinger Klaus „Ede“ Wolf, der in jüngeren Jahren in 268 Zweitligaspielen beeindruckende 101-mal eingenetzt hat (unter anderem für Preußen Münster und Rot-Weiß Oberhausen). „Der schießt immer noch aus den unmöglichsten Lagen Tore“, sagt der Mittelfeldmann Wöhrle. Im vergangenen Jahr hatte Wolf acht Monate vor der WM einen Schlaganfall erlitten. Beim Turnier in Japan war er dann wieder fit.

Weil die meisten Ü-75-Nationalspieler aus dem Norden Deutschlands kommen, müssen Wöhrle und Leonhardt, die erst vor Kurzem zur Auswahl gestoßen sind, immer wieder reisen. Für das Training einmal im Monat. Im Besonderen gilt das aber auch für die kommenden Spiele und Turniere. Das sind, noch vor der WM in Australien, im Juni die Europameisterschaft in Wales und am 30. Juli, genau 60 Jahre nach dem legendären Wembley-Tor, ein Freundschaftsspiel in Manchester gegen England. Neben der Ü 75 sollen in „Down Under“ auch Auswahlen der Kategorien Ü 70 und Ü 80 antreten.

Horst Hrubesch, Sepp Maier und Wolfgang Overath als Schirmherren

Organisiert sind die Senioren-Kicker im Verein „Fußball 70plus Deutschland“ mit Sitz im niedersächsischen Rosdorf. Vom Deutschen Fußball-Bund werden die betagten Kicker weitgehend ignoriert. Neben ein paar warmen Worten hat es zur WM 2025 einen Satz Trikots gegeben. Finanzielle Unterstützung erhalten die deutschen Auswahl-Mannschaften der erwähnten Altersklassen von Sponsoren. Weitere jederzeit willkommen – gerne auch aus Stuttgart und der Region, wie Wöhrle und Leonhardt betonen. Schirmherren sind neuerdings zudem die Fußball-Legenden Horst Hrubesch, Sepp Maier und Wolfgang Overath.

Daran, dass die Spieler ihre Reisekosten für die WM in Australien selbst tragen müssen, ändert das nichts. Mit einem Aufwand von 4000 Euro rechnen die beiden Feuerbach-Kicker pro Spieler. Mit einem offiziellen Sticker-Sammelalbum, das von Montag an zu haben ist (wm-der-herzen.de), soll noch etwas Geld in die Mannschaftskasse fließen.

So oder so leben Wöhrle und Leonhardt ihren Traum Nationalmannschaft – und jenen, nach dem WM-Pokal greifen zu wollen. Wie antwortete der Teammanager Christmann kürzlich auf die Frage nach den Chancen für einen erneuten Triumph in Brisbane: Die seien jedenfalls „größer als die der Profis“. Sprich: als von Wirtz, Kimmich und Co.

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