Gärten und Balkone Statt Blumen-Wettbewerb: Backnang setzt auf neue Garten-Trends

Blütenreiches wie hier im Garten von Alfons Burth und Monika Brumm im Fellbacher Lindle war beim Blumenschmuckwettbewerb angesagt. Foto: Gottfried Stoppel/ (Archiv)

Was sagen ehemalige Teilnehmer am Fellbacher Blumenschmuckwettbewerb zum Aus nach 74 Jahren? Und welche neuen Wege geht Backnang?

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

„Es ist schon ein gewisser Einschnitt“, sagt Alfons Burth. Er hat zusammen mit Monika Brumm über viele Jahre beim Fellbacher Blumenschmuckwettbewerb mitgemacht. Ihr blütenreicher Garten wurde mehrfach mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Sie seien vor etwa 20 Jahren ins Fellbacher Lindle gezogen. Man sei damals auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er nicht mitmachen wolle, erinnert sich Alfons Burth.

 

Nun hat er erfahren, dass der Blumenschmuckwettbewerb nach 74 Jahren beendet wird. Man habe vor einiger Zeit einen Brief bekommen, in dem über das Aus informiert wurde. „Wenn die Wirtschaftslage so ist, kann man nichts machen“, sagt er. Allerdings sei die Nachricht schon überraschend gewesen. „Wir waren etwas irritiert“, sagt Burth. Sogar in Coronazeiten habe der Wettbewerb stattgefunden. „Wir hätten jedenfalls noch gerne weiter teilgenommen“, sagt Burth. Den Garten pflege er auch ohne den Wettbewerb. Aber der Blütenzauber im Hölderlinsaal sei eine schöne Veranstaltung gewesen. „Es war auch nett, die anderen Leute zu sehen“, sagt Burth.

 Auch Gudrun Riedele, die mehrfach für ihren blütenreichen Balkon im Oberdorf ausgezeichnet wurde, wurde per Brief über das Aus informiert. „Schade, dass es eingestellt wurde“, sagt sie. „Ich habe die Blumenkästen schon bepflanzt.“ Sie frage sich, ob man die Kategorien nicht erweitern könnte, um mehr Leute anzusprechen oder neue Ideen aufzugreifen, um auch Jüngere zu erreichen.

Resonanz sei in Fellbach um 36 Prozent zurückgegangen

Was sagt die Stadt über die Gründe für das Aus? „Bereits in den letzten Jahren zeigte sich, dass dieser Wettbewerb nicht mehr ganz so viel Zuspruch hatte. Die Teilnehmendenzahl war kontinuierlich gesunken“, teilt Rathaussprecherin Sabine Laartz mit. Diese Entwicklung sei in vielen Kommunen festzustellen. Organisiert wurde der Wettbewerb vom i-Punkt in enger Abstimmung mit dem ehrenamtlichen Juryvorsitzenden. Der Zeitaufwand für alle Beteiligten – von der Planung über Einladungen, Begehungen – sei beträchtlich.

Wie Laartz berichtet, sei die Festveranstaltung zum Blumenschmuck beim Fellbacher Herbst vor einigen Jahren aus der Zusammenlegung von zwei Veranstaltungen entstanden, um den Engagierten eine adäquate Bühne zu bieten und den Wettbewerb neu zu beleben. „Es folgte eine neue Konzeption, die ebenfalls zum Ziel hatte, den Wettbewerb attraktiver zu gestalten“, so Laartz. Da die Teilnehmerzahlen seitdem dennoch um 36 Prozent zurückgegangen seien und die Neuanmeldungen vielfach ausblieben, sei eine Preisverleihung in diesem Umfang zu hinterfragen. Eine Entscheidung, die auch in anderen Kommunen schon getroffen worden sei. Dabei sei weniger die Kostenersparnis von insgesamt über 20.000 Euro ohne Personalaufwand als Entscheidungskriterium ausschlaggebend gewesen, als das rückläufige Interesse. „Eine neue Veranstaltung am Freitagabend ist derzeit nicht angedacht“, sagt Laartz zu dem Termin beim Fellbacher Herbst.

In Backnang stagnieren die Teilnehmerzahlen der Wettbewerbe

Wie sieht es in anderen Kommunen aus? Den Blumenschmuckwettbewerb gab es seit über 40 Jahren, teilt Melanie Schuler, die Leiterin der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung Backnang mit. Zusätzlich zu den stabilen Teilnehmerzahlen sei 2019 der Naturnahe Gartenwettbewerb gegründet worden, der das Angebot mit dem Schwerpunkt auf eine ökologische Gartengestaltung abrundete. Seit 2021 werden beide Wettbewerbe unter der Marke „Backnang blüht auf“ weitergeführt. Unter „Backnang blüht auf“ seien Workshops, Vorträge und Gartenführungen ins Leben gerufen worden, um den vielfältigen Interessen der Bevölkerung gerecht zu werden und um noch mehr für das Thema Gartengestaltung zu begeistern.

„Die Teilnehmerzahlen bei den Gartenwettbewerben stagnieren, weshalb die Stadtverwaltung entschieden hat, dass die beiden Wettbewerbe bis auf Weiteres pausieren“, so Schuler. Ziel sei es, die Wettbewerbe neu auszurichten, um neue Zielgruppen zu gewinnen. Die Ideenfindung hierzu laufe aktuell.

Großes Interesse an Gartenführungen und Workshops

Großen Zuspruch dagegen würden die Workshops und Vorträge und vor allem die Gartenführungen finden. „Die Ausfallquote ist verschwindend gering, selbst bei schlechtem Wetter. Besonders gut besucht waren bisher die Vorträge von Volker Kugel im Jahr 2023 und Heike Boomgaarden im vergangenen Jahr mit 250 beziehungsweise 150 Besucherinnen und Besuchern“, so Schuler. Aber auch alle anderen Vorträge – etwa von Andreas Barlage, den Bestseller-Autorinnen Bärgel Oftring und Simone Kern oder Max Herczog von @dergartenkanal hätten großen Anklang gefunden. „Sehr neugierig sind Teilnehmende bei unseren Gartenführungen und beim Gartentratsch, sodass wir dieses Angebot dieses Jahr deutlich erweitert haben. Auch Workshops kommen immer gut an. In beiden Formaten können individuelle Anregungen geholt und Fragen beantwortet werden und praxisnah Erfahrungen gesammelt werden“, sagt Schuler.

Ziel von „Backnang blüht auf“ sei es, Impulse zu geben, um vielfältige und artenreiche Gärten und Balkone zu schaffen, Artenvielfalt im Siedlungsbereich zu fördern und die Idee des naturnahen Gartens bekannt zu machen. Infos auch unter: www.backnang.de/backnang-blueht-auf

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