Galerienrundgang Art Alarm in Stuttgart Starker Kunst-Auftritt zum Jubiläum
Seit nun 25 Jahren laden Stuttgarter Privatgalerien zum großen Rundgang Art Alarm. Das wird am 21. und 22. September gefeiert. Was lohnt sich besonders?
Seit nun 25 Jahren laden Stuttgarter Privatgalerien zum großen Rundgang Art Alarm. Das wird am 21. und 22. September gefeiert. Was lohnt sich besonders?
Rufen Stuttgarts Privatgalerien zum Art Alarm, großer Rundgang über je ein ganzes Wochenende, darf man ein Panorama hochkarätiger und auch internationaler Gegenwartskunst erwarten. Das muss nicht immer klappen. Wie ist es nun, da an diesem Samstag (11 bis 20 Uhr) und Sonntag (11 bis 18 Uhr) Jubiläum gefeiert wird, 25 Jahre Galerienrundgang Stuttgart bestaunt und gewürdigt werden? Das vorweg: Nicht nur mit dem neuen Galerien-Hotspot Liststraße zeigt sich die Art Alarm-Riege in Bestform. Die Botschaft zum Jubiläum: Antritt ist überall. Dazu gehört auch ein umfassendes Führungsangebot mit fünf Touren.
Spaßfaktor Website
Mancher wird sich an Wochenenden erinnern, an denen Menschen mit Art Alarm-Plänen in der Hand durch die Stadt zogen. Zum Jubiläum ist die digitale Realität noch einmal wesentlich bequemer geworden – über die Standortbestimmung kommen die Galerieangebote von selbst. Und: Mit der neuen Galerienrundgang-Website macht es Spaß, auch die „Außenposten“ zu entdecken – die Galerie Keim in Bad Cannstatt (Marktstraße 31A), die Galerie Abt Art in Möhringen (Rembrandtstraße 18) oder die in Stuttgart selbst immer schon zu wenig beachtete Galerie Brigitte March in Weilimdorf (Solitudestraße 154), die auch jetzt, mit einer Hommage an den US-Künstler Richard Jackson, die eigenen Ansprüche unterstreicht.
Galerie Thomas Fuchs wächst weiter
Mit digitaler Leichtigkeit also kann man in diesen Galerienrundgang starten. Aber wo beginnen? Warum nicht bei der Galerie Lauffer (Reinsburgstraße 178A) im Stuttgarter Westen und bei den buchstäblich feinnervigen Papierarbeiten von Michael Schramm. Der Absolvent der Stuttgarter Akademie zeigt sich als Meister der Linie und der Präzision eines exakten Ungefähren. Die Reinsburgstraße knapp 100 Häuser weiter Richtung Stadtmitte wartet die Galerie Thomas Fuchs (Reinsburgstraße 68A) – und damit eine ganz andere Bildwelt. Doch nicht nur locken hier Werke von Patrick Angus oder Rainer Fetting – Thomas Fuchs bittet das Publikum auch einen Block weiter, in die zum Art Alarm eröffneten neuen Räume in der Augustenstraße 63. Sie sind Bühne für den New Yorker Maler Logan T. Sibrel und eine Bildwelt, die scheinbar Bekanntes mit einer eigenen Fremdheit durch- und überzieht.
Internationale Stimmen
In New York lebt auch Josephine Meckseper. Der Alltag ist auch ihr Thema – sie jedoch macht die Realität der Dinge zu Elementen neuer Bezugssysteme. Wie ausgreifend diese sein können, zeigt die wunderbare Schau „Babysäbelzahntigervollkaskoversicherungsantragsstellungsurkunde“ in der Galerie Elisabeth und Reinhard Hauff (Paulinenstraße 47). Gegenüber wartet am Rotebühlplatz 30 die Galerie Mario Strzelski – mit einem Dialog der leisen Figurationen von Fabian Hübner und Tomomi Morishima. Was aber hat man bis hierher wieder verpasst! Jo Winters Bilder in der Galerie Z (Johannesstraße 21), das Leben als Tanz in den Bildern von Rina Böcher in der Galerie Dengler & Dengler (Rosenbergstraße 102) – und auch Jürgen Paas’ Farbformauftritt in der Galerie von Braunbehrens (Rotebühlstraße 87).
Liststraße wird Kunst-Hotspot
Nach solcher Dichte erst einmal durchpusten? Bus und Bahn queren Stuttgart von West nach Ost – und dort wartet die Liststraße mit dem Dreieck Hartmann Projects, Galerie Imke Valentien und Ute Nolls Uno Art Space. Während Angelika und Markus Hartmann die großartigen Foto-Farbräume von Satijn Panyigay zum Art Alarm starten lässt, laden Imke Valentien (mit den Näh- und Stickbildern von Soukaina Joual) und Ute Noll (mit neuen Arbeiten der Fotografin Nancy Newberry) an diesem Donnerstag um 19 Uhr zur Eröffnung.
Kubus-Gewinner bei Michael Sturm
Warum nicht zum Art Alarm Neues wagen? Das macht die Galerie Schlichtenmaier im Zentrum Stuttgarts (Kleiner Schlossplatz 11). An diesem Freitag (19 Uhr) startet dort eine Schau mit Bildern der Leipziger Malerin Katrin Brause. Art Alarm-Urgestein Michael Sturm (Christophstraße 6) antwortet mit neuen Arbeiten von Thomas Müller, jüngst Gewinner des Sparda-Kunstpreises Kubus.
Zam Helga spielt bei Marko Schacher
Zum Ereignis vor dem Ereignis dürfte an diesem Freitag ein Abend mit Zam Helga in Marko Schachers Raum für Kunst (Blumenstraße 15) werden. Der Musiker (vormals Helga Pictures) stellt in einem Mini-Konzert (Beginn: 20 Uhr) Stücke aus seinem Album „Eine neue Welt“ vor und zeigt zudem eigene Fotos. Die eigentliche Ausstellungsbühne bei Schacher aber gehört der Malerin Josephine Sagna und ihren farbstarken Plädoyers für die Vielfalt.
Was macht die KI in der Kunst?
Und wo bleibt zum Art Alarm-Jubiläum der Rückblick? Die Galerie Andreas Henn (Wagenburgstraße 4) – „von Anfang an dabei“ – hält ihn mit Bildern, Fotos und Dokumenten bereit. Da darf es im nächsten Schritt durchaus eine Konzentration auf Farbmalerei sein. Heinz Thielen trifft Johannes Gecelli – die Galerie Klaus Braun (Charlottenstraße 14) macht es mit einer Schau der Malerin Christiane Conrad und ihrer Künstlerfreunde möglich. Auch im Kunsthaus Fröl ich (Oswald-Hesse-Straße 98) geht es um Begegnungen – hier zwischen dem Maler Michael Lauterjung und dem Bildhauer Christian Rudolph. Zurück ins Zentrum? Das geht immer – umso mehr, als es in der Galerie Kernweine mit den Bildwelten von Max Kuwertz um „noch zu entdeckende Wertschöpfungssystem der Künstlichen Intelligenz geht“. Umgekehrt verstehen sich die Collagen, Bücher und interaktiven Spiele von Kinga Su in der Exo Gallery (Silberburgstraße 145A) als „Kommentar zur Fragilität der Wahrheit“ und als Hinweis darauf, „wie unsere Gesellschaft Fakten vereinfacht und damit manipuliert“.
Debatte mit Kunstministerin Olschowski
Was aber wäre ein Jubiläum ohne Fest? Und so freuen sich die Art Alarm-Macher der Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst an diesem Samstag, 21. September, von 20 Uhr an auf einen Abend im Stadtpalais am Charlottenplatz. Zu Gast hat man dort auch Baden-Württembergs Kunstministerin Petra Olschowski. Mit Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange, Anne Vieth, Leiterin der Mercedes-Benz Art Collection, und Kristian Jarmuschek, Vorsitzender im Vorstand des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler, diskutiert Olschowski die Frage „Elitäre Spielwiese oder kulturelles Muss? Galerien als Orte des Kunsterlebens“. Dieser Art Alarm hört sich nach viel an? „Die Stadt Stuttgart“, sagt Kay Kromeier, Vorsitzender der Initiative Stuttgarter Galerien zeitgenössischer Kunst, „hat uns toll unterstützt“. Alle Informationen zum Art Alarm finden sich im Internet unter www.art-alarm.de.