Gastronomie in Stuttgart So sieht es derzeit im geschlossenen Grand Café Planie aus
Das Kaffeehaus am Stuttgarter Karlsplatz wird saniert, umgebaut und soll im Juni 2024 von einem neuen Pächter eröffnet werden.
Das Kaffeehaus am Stuttgarter Karlsplatz wird saniert, umgebaut und soll im Juni 2024 von einem neuen Pächter eröffnet werden.
Ein Magnolienzweig liegt auf dem Boden. Aus Plastik. Ein Überbleibsel der Dekoration im Grand Café Planie. Das Gelb der Wände ist gilb geworden, die Fenster trüb. Seit anderthalb Jahren steht das Café leer. Nun soll es saniert und umgebaut werden. Das Finanzministerium des Landes als Besitzer hat zu einer Besichtigung geladen, die verdeutlichen soll, warum sich der Neustart bis mindestens Juni 2024 ziehen wird.
Abteilungsleiter Felix Althanns und Projektleiterin Christine Schönle des Landesbetriebs Vermögen und Bau sowie Eberhard Meier, verantwortlich für Immobilienmanagement im Finanzministerium, und Knaus Mertes Architekten haben sich mit dem Bau beschäftigt, ihn untersucht und über Plänen gebrütet. Und dabei erfahren, was auch für viele Gäste eine Überraschung sein wird: Das Café und seine Räume erstrecken sich im Alten Waisenhaus über vier Stockwerke.
Im Keller sind die Heizungsräume, aber auch die Lager. Beliefert wurde dieses über das Treppenhaus, in die Küche geschleppt werden mussten die Waren über eine Wendeltreppe. Auch ein alter Tresor steht noch dort, kein Mensch weiß, wann und wie er dort hingekommen ist. Geschweige denn, „wie wir den wieder rausbekommen“, sagt Althanns. Geld fand sich jedenfalls keines mehr darin. Was kein Wunder ist, sieht man, wie unzureichend die Räume für die Anforderungen einer Gastronomie sind, wie schwierig die Logistik gewesen sein muss. Einen Küchenaufzug gibt es zwar, aber der durfte nur für fertige Speisen benutzt werden.
Das liebe Geld war ein großes Thema. Im Oktober 2020 hatte die Stadt den ehemaligen Pächtern die Konzession entzogen, die Steuerfahnder hatten die Räume durchsucht. Der Vorwurf: Die Pächter sollen Steuern hinterzogen haben. Mittlerweile habe man einen Vergleich geschlossen, sagt Eberhard Meier. Wie der aussieht, darüber werde man Stillschweigen bewahren.
Die Sache ist also vom Tisch. Nun kann geplant werden. Doch weiter in den ersten Stock: Dort war die Küche, in ein Eck gezwängt. Mehrere Ecken und Winkel weiter waren die Spülküche und die Duschen für die Mitarbeiter. Die Umkleideräume befanden sich aber im vierten Stock. Mit ein bisschen aufhübschen ist es also nicht getan, „es ist sehr fraglich, ob sie in diesem Zustand eine Konzession bekommen“, sagt Meier. „Aber wir wollen ja das Café auch so sanieren, dass es damit für die nächsten zehn bis 15 Jahre instandgesetzt ist.“ Was man mache, ergänzt Althanns, sei beileibe keine Luxussanierung, „sondern wirklich das absolute Notwendige“. Aus hygienischer Sicht, aber auch aus Gründen des Arbeitsschutzes und der Barrierefreiheit. Vor den Toiletten im Gastraum gibt es bisher einen Absatz mit Treppenstufen. Der muss weg, zudem sind die Toiletten viel zu klein. Einem Pächter will man das Café so übergeben, dass er in der Lage sei, es gut zu betreiben – und Geld zu verdienen.
Über die Höhe der Pacht will Meier nicht reden, „jetzt müssen wir erst einmal anfangen zu bauen“. Mehr als 50 Anfragen gibt es bereits, Anfang 2023 will man die Ausschreibung starten, im Frühsommer dann den Pächter auswählen. Der darf dann einen Gastraum bewirten, der größer sein wird. Den benachbarten Laden, den ehemaligen Goldknopf, mit seinen 100 Quadratmetern, wird man dem Café zuschlagen. Einen Teil dieser Fläche will man nutzen, um mit der Fläche der ehemaligen Bar eine Küche zu bauen, die ebenerdig liegt. Der größere Teil wird dem Gastraum zugeschlagen. Gerade die großen beinahe bodentiefen Fenster, sagt Christine Schönle, seien ein absolutes Prunkstück, „das muss man für das Café und seine Gäste nutzen“.
Auf den Kacheln dort ist schon eine Kaffeetasse abgebildet, insofern passt das ganz gut. Doch bevor tatsächlich der erste Kaffee ausgeschenkt wird, dauert es noch. Ende des Jahres sollen die Planung fertig sein, der Bauantrag gestellt werden. 2023 soll dann der Rohbau vonstatten gehen. 2024 der Ausbau folgen. Im Juni könnte dann tatsächlich die erste Tasse Kaffee serviert werden.