Gefällte Bäume in Weil der Stadt Stadt und Naturschützer haben sich scheinbar versöhnt

Stein des Anstoßes: die gefällten Streuobstbäume. Foto: Simon Granville

Sogar der Rücktritt des Bürgermeisters war gefordert worden: Wegen 120 gefällter Streuobstbäume war zwischen Naturschützern und der Stadt Weil der Stadt ein Streit entbrannt. Nun, so scheint es, hat man sich wieder vertragen.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

120 gefällte Streuobstbäume auf der Fläche eines geplanten Neubaugebiets am Ortsrand von Weil der Stadt hatten im vergangenen Herbst tiefe Gräben zwischen der Stadtverwaltung, allen voran Bürgermeister Christian Walter, und den Naturschutzverbänden Nabu und BUND gerissen. Beide Seiten hatten sich über Wochen schwere Vorwürfe gemacht. Von „Kasperletheater“, und „Fake News“ war seitens des Bürgermeisters wiederholt die Rede, die Stadt schickte zudem eine Unterlassungserklärung an die Naturschutzverbände. Diese sparten wiederum ebenso wenig mit harschen Worten, warfen der Stadt ein „dreistes und unfaires“ Vorgehen vor. Nabu-Landesvorsitzender Johannes Enssle hatte sogar den Rücktritt Walters gefordert.

 

Beide Seiten scheinen das Kriegsbeil nun begraben zu haben: In einer gemeinsamen Presserklärung von Nabu und der Stadtverwaltung räumten die Parteien ein, besser „miteinander als übereinander“ reden zu wollen. Sogar ein persönliches Gespräch habe es gegeben. „Wir haben uns getroffen, um reinen Tisch zu machen und zu einem respektvollen und konstruktiven Dialog zurückzukehren“, heißt es in der Mitteilung von Enssle und Walter.

Entschuldigung für Rücktrittsforderung

Zentral bei dem Streit um die Baumrodung war ein Beschluss des Stuttgarter Verwaltungsgerichts, welches der Stadt grünes Licht für die Fällung gegeben hatte – was kurz darauf auch umgesetzt wurde. Empört waren die Naturschützer auch wegen einer angeblichen Zusage der Stadt, mit der Fällung noch bis zum Abschluss des juristischen Verfahrens zu warten. Das, so klingt es nun in der gemeinsamen Mitteilung der beiden Parteien an, war wohl ein folgenschweres Missverständnis: Die Stadt habe das Verfahren am Verwaltungsgericht gemeint, die Naturschützer aber auch noch eine Klage in nächsthöherer Instanz. In letzterer scheiterten die Naturschutzverbände im Februar.

Den Wortlaut eben jener Zusage, mit der Rodung zu warten, habe man auch anders verstehen können, räumt Walter nun ein. Enssle entschuldigte sich unterdes für die Forderung von Walters Rücktritt. Das sei voreilig gewesen. „Dies würde ich heute nicht mehr so formulieren und hierfür habe ich mich bei Bürgermeister Walter entschuldigt“, so der Nabu-Landesvorsitzende.

SWR-Programmbeschwerde läuft noch

Klärung scheint es außerdem noch in einer anderen Sache gegeben zu haben: Gegen angebliche „Desinformation“ seitens des Nabus, unter anderem in den Sozialen Medien, war der Bürgermeister teils anwaltlich vorgegangen. Auch die Berichterstattung des SWR war mehrfach zur Zielscheibe von Walter geworden. Suggeriert worden sei laut Bürgermeister, dass die Rodung nicht rechtmäßig gewesen sei. „Das in Verbindung mit einzelnen unrichtigen Aussagen auf der Nabu-Webseite hatte in mir den Eindruck erweckt, dass ein vorsätzliches und systematisches Vorgehen vorliegt“, so Walter. Dass der SWR keine falschen Informationen vom NABU bekommen habe, hätte Enssle inzwischen glaubhaft versichert. „Daher ziehe ich diese Vorwürfe gegen den Nabu in Gänze zurück“, so der Bürgermeister.

Die fast buchstäbliche Wurzel allen Übels gibt es inzwischen nicht mehr: Die restlichen, noch verbliebenden Streuobstbäume auf dem Gebiet des geplanten Neubaugebiets Häugern-Nord sind im Februar gefällt worden. Christian Walter wird sich trotzdem noch eine Weile mit dem Konflikt beschäftigen: Derzeit läuft eine von ihm eingereichte Programmbeschwerde beim SWR.

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