Die Region Stuttgart leidet unter der Schwäche der Autoindustrie – können Startups eine Brückenfunktion übernehmen? (Symbolfoto) Foto: IMAGO/YAY Images
Mit einer Innovationsoffensive für Startups will sich die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart gegen die Krise von Autoindustrie und Maschinenbau stemmen. Wie sieht das Rezept aus?
Stuttgart ist ein Hotspot für Tüftler und Denker – doch bisher fehlt dem an sich heute schon regen Startup-Geschehen die nötige Koordination und Sichtbarkeit. Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) will das nun mit einem ambitionierten Masterplan ändern. Der Anspruch ist schwäbisch unbescheiden: als Region Stuttgart bei Firmenneugründungen künftig national eine führende Rolle zu spielen. „Wir wollen in das so wichtige Thema noch mehr Schwung reinbringen“, sagt der WRS-Chef und regionale Wirtschaftsförderer Michael Kaiser. „Firmengründer von heute sind die Mittelständler von morgen.“
Vor diesem Hintergrund sind Startups bedeutsam. Diese können eine Brückenfunktion übernehmen. Sie übersetzen Forschung in marktfähige Innovationen, bringen neue Technologien schneller in die Anwendung und unterstützen etablierte Unternehmen bei der Transformation. Kurz: „Sie generieren Wachstum“, so Michael Kaiser.
Ziel: Bei Startups die Potenziale besser nutzen
Die Analysen der WRS zeigen, dass es in der Region eine Vielzahl an guten Startup- Aktivitäten und Programmen gibt. Die insgesamt 180 Akteure, die sich auf diesem Feld tummeln, sind bislang aber nicht ausreichend abgestimmt und strategisch nicht klar genug ausgerichtet. „Wir wollen unsere Potenziale besser nutzen und mehr PS auf die Straße bringen“, sagt der Wirtschaftsförderer – so wie München und Berlin, die im nationalen Bereich aktuell der Maßstab sind.
Forschung als Basis für wirtschaftliches Wachstum. Foto: IMAGO/Westend61
Die Wirtschaftsförderung will es nicht bei theoretischen Konzepten belassen, sondern ganz praktisch die Startup-Szene im Zusammenspiel mit Hochschulen, Industrie, Mittelstand, Investoren und Kommunen orchestrieren. Mehrere zentrale Handlungsfelder stehen im Fokus, um in den nächsten fünf Jahren Lücken in diesem „Ökosystem“ zu schließen und die Zusammenarbeit zu stärken.
Unter anderem soll mit der Internetplattform „Startup Region Stuttgart.de“ eine zentrale digitale Anlaufstelle entstehen. Sie ist gedacht als Lotsendienst, der alle Angebote, Förderungen und Ansprechpartner bündelt. Ergänzend dazu werden, so der Plan, „Startup & Founder Info Points“ als physische Orientierungshilfen in bestehende Einrichtungen integriert. Das Ziel: Transparenz schaffen und die fragmentierten Angebote sichtbar machen.
Zudem zielen die Aktivitäten darauf ab, dass Stuttgart in Zukunft national und international deutlich besser als attraktiver Startup-Standort wahrgenommen wird, wie es in dem Strategiepapier heißt, das am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss der Regionalversammlung zur Debatte steht. Durch gezielte Kommunikation und ein einheitliches Leitbild gelte es, die Marke „Startup Region Stuttgart“ zu schärfen. Zudem soll der Zugang zu dringend benötigtem Kapital besonders für technologieintensive Gründungen verbessert werden. Idee dabei: Das jährliche „Applied Deep Tech Fest (ADTF)“ auszubauen, um Startups und Geldgeber gezielt zusammenzubringen.
Und nicht zuletzt soll das im Moment fragmentierte Angebot an Gründerzentren und Coworking-Spaces gebündelt werden. „Wir brauchen ein Leuchtturmprojekt, ein Startup-Zentrum mit besonderer Strahlkraft“, sagt der Wirtschaftsförderer. Wo dieses angesiedelt und wie genau es ausgestaltet wird, ist im Moment offen.
Deep Tech und B2B: Stuttgarts Schlüssel zur Innovation
Im Zentrum des Masterplans stehen sogenannte Deep Tech- und B2B-Startups. Warum? Und was verbindet sich damit? Deep-Tech-Startups entwickeln hochinnovative Technologien, die oft auf wissenschaftlichen Durchbrüchen basieren und komplexe industrielle Herausforderungen lösen. Bereiche wie etwa Künstliche Intelligenz, Biotechnologie oder Quantencomputing stehen dabei im Mittelpunkt. Diese Gründungen entstehen oft aus der Forschung und haben das Potenzial, ganze Industrien zu revolutionieren. Sie benötigen viel Entwicklungszeit und Kapital, versprechen aber bahnbrechende Innovationen.
B2B-Startups bieten ihre Produkte und Dienstleistungen nicht Endverbrauchern an, sondern primär anderen Unternehmen. Sie entwickeln Lösungen, um Unternehmensprozesse effizienter zu gestalten, neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen oder bestehende Produkte zu verbessern – ideal für die vorhandene industrielle Basis Stuttgarts. „Wir knüpfen damit an den Stärken der Region an“, so Michael Kaiser, „und wir bauen diese aus.“