Gegen EU-Boykott Holland importiert massenweise Fisch aus Russland

Fischer auf dem Weg zum Heimathafen Foto: dpa/Christian Charisius

Trotz des EU-Boykotts gegen Russland betreiben die Niederlande weiterhin regen Handel mit Russland. Sie exportieren massenweise Blumen nach Moskau und importieren massenweise Fische aus Russland.

Korrespondenten: Helmut Hetzel (htz)

Trotz des EU-Boykotts gegen Russland wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine betreiben die Niederlande weiterhin regen Handel mit Russland. Sie exportieren massenweise Blumen nach Moskau. Dafür importieren sie massenweise Fische aus Russland.

 

Fast 100 Millionen Kilogramm russischer Kabeljau und Schellfisch werden noch immer über den niederländischen Hafen Ijmuiden aus Russland eingeführt, berichtet das Recherchennetzwerk „Spit“ auf der News-Plattform nu.nl. Der begehrte Fisch landet auf den Tellern vieler Gäste in niederländischen Restaurants. Unklar ist, ob er auch in andere EU-Länder exportiert wird.

Eine zentrale Rolle im russischen Fischhandel spielt laut „Spit“ das russische Unternehmen „Norebo,“ das eine Niederlassung im niederländischen Beverwijk und seinen Hauptsitz in der russischen Stadt Murmansk hat.

Getarnter Fischhandel mit Booten anderer Nationen

„Die Niederlande müssen sofort aufhören, die russische Kriegskasse über den Fischhandel in IJmuiden zu füllen,“ fordert Karel Burger Dirven, Honorarkonsul der Ukraine in den Niederlanden. „Wir unterstützen den Krieg der Russen gegen die Ukraine mit Milliarden Euro durch den Fischhandel.“

Der Fischhandel mit den Russen ist teilweise getarnt. Da die Niederlande keine russischen Fischerboote in ihren Häfen vor Ankler gehen lassen, werden die Fische aus Russland auf Kühlschiffe verladen, die beispielsweise unter norwegischer Flagge fahren.

Diese Schiffe dürfen ihre Ladung in IJmuiden löschen. Der Import von Fisch aus Russland fällt nämlich nicht unter die EU-Sanktionen. „Und ist daher nicht verboten“, erklärt die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA). „Nur Kaviar und Schalentiere sind von den Sanktionen betroffen. Die USA hingegen haben den Import von russischem Fisch vollständig untersagt,“ so die NVWA.

Russland verdient Milliarden mit Fisch-Exporten

Für Russland ist Fisch eine regelrechte „Goldgrube.“ Schätzungsweise 20 Prozent der russischen Fischexporte werden über die Niederlande abgewickelt. „Nach Öl, Gas und Getreide ist Fisch die viertgrößte Einnahmequelle für Russland“, sagt Honorarkonsul Burger Dirven. Er hält es für absurd, dass die Niederlande einerseits Milliarden an militärischer Unterstützung für die Ukraine bereitstellen, Russland jedoch gleichzeitig Milliarden für die eigene Kriegskasse über den Fischhandel mit Holland einnehmen kann. „Mit den 1,5 Milliarden Euro, die Russland durch den Fischhandel in IJmuiden verdient, könnten etwa 300 neue Panzer gebaut werden,“ behauptet Dirven.

Burger Dirven appelliert auch an Verbraucher, Lebensmittelgeschäfte und Restaurants. „Einkäufer müssen wissen, woher der Fisch stammt. Kunden sollten danach fragen. Viele europäische Konsumenten möchten das Kreml-Regime nicht finanzieren, wissen aber nicht, dass sie russischen Fisch kaufen,“ so Dirven.

Russisches Fischereiunternehmen unter Spionagevorwurf

Das russische Unternehmen „Norebo“ geriet wegen Spionagevorwürfen in der Nähe des niederländisch-deutschen Eemshavens in die Schlagzeilen. „Norebo ist eines der größten russischen Fischereiunternehmen“, erklärt die niederländische NSC-Abgeordnete Isa Kahraman. „An der Spitze steht der Oligarch Vitaly Orlov, der als Unterstützer Russlands im Krieg gegen die Ukraine gilt.“

Die Niederlande beteiligen sich an den EU-Sanktionen gegen Russland wegen des Krieges gegen die Ukraine. Aber der Blumen- und der Fischhandel mit Russland florieren noch.

Während der Gesamtwert niederländischer Exporte nach Russland laut UN-Daten von 7,8 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2023 zurückging, war der Rückgang beispielsweise beim Blumenexport weit weniger drastisch.

Im Jahr 2023 wurden zwar „nur“ Blumen im Wert von 241 Millionen Euro von den Niederlanden aus nach Russland exportiert, verglichen mit 289 Millionen Euro im Jahr 2021. Dennoch ist der Export derzeit immer noch höher als der Export-Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren davor. Und Fisch aus Russland wird weiter im großen Stil in die Niederlande importiert.

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