Die Gehälter in Deutschland unterscheiden sich stark – je nach Bundesland, Branche und Bildungsniveau. Im Südwesten liegt der Fahrzeugbau auf Platz 3 unter den Top-Branchen. Foto: Jan Woitas/dpa
Stuttgarter zählen zu den Top-Verdienern Deutschlands. Neue Daten zeigen, welche Branchen und Abschlüsse sich besonders lohnen. Doch wie groß ist der Gehaltsunterschied wirklich?
Wie viel jemand verdient, hängt vor allem vom Beruf ab, aber auch von der Region. Neue Daten zeigen, in welchen Branchen und Städten man am meisten verdient, ob sich ein Hochschulabschluss und Personalverantwortung auszahlen.
Wer in Stuttgart arbeitet, gehört bundesweit zu den Spitzenverdienern. Mit einem Bruttomediangehalt von 63 750 Euro liegt die Landeshauptstadt auf den vorderen Rängen der Städte in Deutschland – dicht hinter München (64 750 Euro) und Frankfurt (64 000 Euro). Das Gefälle ist bundesweit enorm, vor allem ostdeutsche Städte sind abgeschlagen. In Dresden liegt das Mediangehalt bei 51 000 Euro, in Chemnitz bei 48 500 Euro. Trotz dieser strukturellen Unterschiede steigt die Gehaltszufriedenheit seit drei Jahren kontinuierlich: 36 Prozent der Beschäftigten waren 2025 zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Einkommen (nach 34 Prozent im Jahr 2024 und 32 Prozent im Jahr 2023).
Das verdient man in Städten in Baden-Württemberg
Das Mediangehalt ist der Wert, der alle Einkommensbezieher in zwei gleich große Gruppen teilt: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Das Mediangehalt ist damit aussagekräftiger als der Durchschnitt, der durch wenige sehr hohe oder niedrige Einkommen verzerrt wird.
Nicht nur Stuttgart, auch andere Städte in Baden-Württemberg müssen sich beim Gehaltsvergleich nicht verstecken, wie ein Blick auf das Mediangehalt in kreisfreien Städten zeigt:
Stuttgart: 63 750 Euro
Karlsruhe: 60 750 Euro
Ulm: 60 500 Euro
Freiburg im Breisgau: 59 750 Euro
Heilbronn: 59 250 Euro
Heidelberg: 59 000 Euro
Mannheim: 58 250 Euro
Baden-Baden: 57 500 Euro
Pforzheim: 57 500 Euro
4600 Euro mehr Gehalt als im Bund
Bundesweit beträgt das Bruttomediangehalt 53 900 Euro, Baden-Württemberg liegt mit 58.500 Euro deutlich drüber, wie die Jobplattform Stepstone im neu erschienen „Gehaltsreport 2026“ ermittelt hat. Für den Gehaltsreport wurden mehr als 1,3 Millionen Vergütungsdaten von Januar 2022 bis November 2025 ausgewertet. Sie wurden mithilfe des Gehaltsplaners von Stepstone erhoben und schließen Boni, Provisionen und Prämien ein.
Viele Faktoren haben Einfluss auf das Gehaltsniveau – unter anderem Bildung, Berufserfahrung und Personalverantwortung. Beschäftigte mit Hochschulabschluss etwa erzielen in Deutschland ein Mediangehalt von 68 250 Euro. Personen ohne akademischen Abschluss liegen bei 51 200 Euro. Wer in Baden-Württemberg arbeitet, kommt um einige 1000 Euro besser weg – mit Hochschulabschluss 73 750 Euro, ohne Hochschulabschluss 55 500 Euro.
Auch wer Personalverantwortung trägt, schneidet besser ab. In Baden-Württemberg kommt man damit auf ein Bruttomediangehalt von 67 750 Euro, ohne Personalverantwortung auf 55 500 Euro – beide Werte liegen deutlich über dem Wert von Gesamtdeutschland.
Ärzte verdienen am meisten
Ärzte und Zahnmediziner verdienen am meisten. In Baden-Württemberg liegt deren Medianeinkommen bei 107 750 Euro und damit um 2250 Euro höher als in Deutschland. Das sind die bestverdienenden Berufsgruppen in Baden-Württemberg, wie eine Sonderauswertung für unsere Zeitung zeigt:
Human- und Zahnmedizin: 107 750 Euro
Ingenieurwesen: 79 000 Euro
Technische Entwicklung und Konstruktion: 76 250 Euro
Informationstechnologie (IT): 70 000 Euro
Unternehmensorganisation und Management: 69 500 Euro
Einkauf, Vertrieb und Handel: 63 750 Euro
Bildung: 62 250 Euro
Finanzen und Rechnungswesen: 62 000 Euro
Maschinen- und Fahrzeugtechnik: 61 750 Euro
Pflege, Rettung und Geburtshilfe: 60 750 Euro
Wer als Arzt- oder Praxishilfe arbeitet, kommt auf 49 250 Euro, wer in der Altenpflege arbeitet auf 52 250 Euro Mediangehalt. Wer im Handwerk ist auf 52 000 Euro. Am wenigsten wird im Südwesten in der Lebensmittelproduktion mit 47 750 Euro verdient.
Top-Branche Banken
Gruppiert nach Branchen haben Beschäftigte im Bankwesen sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg das höchste Gehalt – mit 70 250 Euro beziehungsweise 71 000 Euro. Beim weiteren Ranking gibt es Unterschiede. Fahrzeugbau/-zulieferer sowie Wissenschaft und Forschung liegen im Südwesten gleichauf an zweiter Stelle bei den Top-Branchen, bundesweit kommt der Fahrzeugbau dagegen auf Platz 10. Das verdient man in den Top-Branchen in Baden-Württemberg:
Banken: 71 000 Euro
Wissenschaft & Forschung: 69 000 Euro
Fahrzeugbau/-zulieferer: 69 000 Euro
Maschinen- und Anlagenbau: 68 750 Euro
Versicherungen: 68 750 Euro
Luft- und Raumfahrt: 68 000 Euro
Pharmaindustrie: 66 500
Energie-/Wasserversorgung/Entsorgung: 66 000 Euro
Chemie- und erdölverarbeitende Industrie: 65 500 Euro
IT und Internet: 65 500 Euro
Frauen verdienen weniger als Männer
Frauen verdienen weniger als Männer. Bundesweit ist deren Mediangehalt für eine vergleichbare Arbeit um 4,7 Prozent niedriger als das der Männer. Bei der Differenz handelt es sich um den bereinigten Gender-Pay-Gap, für den Unterschiede im Alter, der Berufsgruppe, der Berufserfahrung, der Ausbildung und der Unternehmensgröße herausgerechnet werden. Ohne diese Bereinigung beträgt der Gender-Pay-Gap den Stepstone-Daten zufolge 9,7 Prozent. In Baden Württemberg ist die Kluft größer, auch wenn Frauen und Männer mehr verdienen. Männer kommen auf ein Mediangehalt von 61 250 Euro, Frauen auf 53 000 Euro, das sind 8250 Euro weniger.
2026 werde ein Schlüsseljahr für Gehaltstransparenz in Deutschland. Mit dem erwarteten Gesetzesentwurf zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie stiegen die Anforderungen an nachvollziehbare und faire Gehaltsstrukturen deutlich. „Die neue EU-Richtlinie macht mehr Transparenz zur Pflicht“, sagt Stepstone-Manager Sven Maaßen.
Auch die Unternehmensgröße wirkt sich aufs Gehalt aus. Beschäftige in kleineren Betrieben bis 50 Beschäftigte erzielen ein Bruttomediangehalt von 48 000 Euro, während es in Unternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten 63 000 Euro sind.