Geheimnisvolles Stuttgart Der uralte Stollen mitten im Wald

Betreten wird der Stollen heute nur noch selten. Foto: Torsten Schöll

Eine verschlossene Tür mitten im Wald sichert den legendären Stollen gegen unbefugtes Eindringen. Aber das ist nur der Anfang. | Von Geheimtipps und Ausflugszielen bis hin zum Lost Place:  Wir zeigen das geheimnisvolle Stuttgart

Schultereng geht es ins Erdreich. Tief drinnen unterscheidet sich der künstliche Wasserlauf kaum noch von einer natürlichen Höhle. Über dem Kopf reicht der Gang gut drei Meter in die Höhe. Aber nur am Anfang.

 

Von Geheimtipps und Ausflugszielen bis hin zum Lost Place: Wir zeigen das geheimnisvolle Stuttgart

Foto: Torsten Schöll

Irgendwann verengt sich der Herzog-Christoph-Stollen und ist dann plötzlich viel zu niedrig, um gefahrlos weiter vorzudringen. Rund 80 Meter vom Einstieg im sogenannten Bärenzwinger entfernt ist Schluss. Wer weiter will, müsste auf dem Bauch über ein altes Rohr ins nachtschwarze Dunkel kriechen. Auch Joachim Gelewski und Dorothea Hülß kehren hier um. Die beiden Ingenieure von Netze BW und dem Tiefbauamt der Stadt Stuttgart haben den Zugang zum Stollen an diesem Tag ermöglicht.

Foto: Torsten Schöll

Nach etwa 850 Metern endet das unterirdische Bauwerk irgendwo in der Heidenklinge oberhalb der Heslacher Wasserfälle. Eine verschlossene Tür mitten im Wald sichert dort den legendären Stollen gegen unbefugtes Eindringen.

Foto: Torsten Schöll

Vor mehr als 450 Jahren wurde der unterirdische Wasserlauf auf Anordnung des württembergischen Herzogs, der ihm seinen Namen verlieh, bergmännisch durch Fels und Erdreich getrieben, teils ausgemauert, teils naturbelassen. Neun bis zu 15 Meter tiefe Schächte sorgten unter dem Waldboden für frische Luft. Noch heute untertunnelt der Stollen den viel befahrenen Schattenring.

Foto: Torsten Schöll

Gegraben wurde er von 1566 bis 1575, um die Stuttgarter Mühlen im Nesenbach mit zusätzlichem Wasser aus dem zur selben Zeit aufgestauten Pfaffensee zu versorgen.

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Erst 1874 schloss die Stadt die Parkseen dann direkt an das damals neu errichtete Seewasserwerk Hasenberg an. Der „2810 Fuß“ lange Stollen verlor damit seine ursprüngliche Funktion für die städtische Wasserversorgung.

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Betreten wird der Herzog-Christoph-Stollen heute nur noch selten. Das Unternehmen Netze BW ist von der Stadt Stuttgart mit seiner Betriebsführung beauftragt. „Wir stellen sicher, dass das historische Bauwerk erhalten bleibt und nicht einzustürzen droht“, erklärt Joachim Gelewski. Der Ingenieur betont, dass die Zusammenarbeit der Netze BW mit der Stadt Stuttgart an den Parkseen reibungslos funktioniert.

Foto: Torsten Schöll

Ein wenig Wasser rauscht im Innern des unbeleuchteten Schachts noch immer den Heslacher Wasserfällen entgegen. Hier und da wachsen wie in einer echten Höhle kleine Stalaktiten von der feuchten Decke. An einigen Stellen drücken seltsame kabelartige Gebilde aus den Wänden. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als Wurzelenden. Für einige Waldbäume scheint das Wasser des alten Stollens also noch immer von Nutzen zu sein.

Foto: Torsten Schöll

Ans Tageslicht zurück geht es, wie man hineingekommen ist. Über den Zugang im „Bärenzwinger“. Dieses auffällige Bauwerk aus Quadersteinen war natürlich nie etwas anderes als der Eingang zum Herzog-Christoph-Stollen. Von Bären keine Spur.

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