Geldinstitut vor Fusion Affäre um „Immo Tommy“: Konstanzer Volksbank in Nöten

Von der Affäre um „Immo Tommy“ betroffen: die Konstanzer Volksbank. Foto: dpa

Die Volksbank Konstanz steht nach hohen Belastungen vor einer Fusion. Sie sieht sich als Opfer eines „kriminellen Netzwerks“. Die Justiz prüft Ermittlungen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wenn zwei Volksbanken fusionieren wollen, stößt das normalerweise nur regional auf Interesse. Auch der geplante Zusammenschluss der Volksbank Konstanz und der Volksbank Bodensee-Oberschwaben mit Sitz in Tettnang erscheint auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Man wolle die Kräfte bündeln und gemeinsam einen starken Finanzdienstleister für das Bodenseegebiet formieren, hieß es im Mai beim Beschluss über die Aufnahme von Gesprächen. Seit Anfang Juni sind die beiden Geldhäuser bereits personell verbunden: zwei Vorstände aus Tettnang wurden gleichzeitig zu Vorständen in Konstanz bestellt. Die schon bisher aktive Unterstützung im Rahmen des „guten nachbarschaftlichen Verhältnisses“ werde damit ausgeweitet. Doch neben den üblichen strategischen Überlegungen hat die angestrebte Fusion noch einen besonderen, bundesweit beachteten Hintergrund.

 

Von den Turbulenzen rund um den Stuttgarter Influencer und Immobilienunternehmer „Immo Tommy“, die seit vorigem Sommer national Schlagzeilen machen, wird das Institut schwer gebeutelt. Im ohnehin schwierigen Geschäftsjahr 2024 musste es deswegen zusätzlich fünf Millionen Euro als Risikovorsorge abschreiben.

Bank sieht sich als „Opfer eines kriminellen Netzwerks“

Insgesamt habe man 80 „auffällige Kreditengagements“ entdeckt, bei 20 davon mit einem Gesamtvolumen von 28 Millionen Euro könnten Probleme drohen. Über einen Vermittler wurde der Erwerb von Immobilien finanziert, bei denen das Kalkül der Käufer – zumindest derzeit – so gar nicht aufgeht. Für sämtliche Wertberichtigungen auf Kredite löste die Bank Reserven von 15 Millionen Euro auf, bei einem Ergebnis von 16 Millionen Euro. Man habe die Herausforderung „komplett eigenständig“ bewältigt, betont ein Sprecher, aber im größeren Verbund falle das künftig leichter.

Wie konnte das genossenschaftliche Institut in diese Lage kommen? Einerseits sieht es sich als „Opfer eines kriminellen Netzwerkes“, rund um einen bestimmten Vermittler. Bei der Staatsanwaltschaft wurde daher bereits Ende 2024 Anzeige erstattet. Inzwischen, so der Sprecher, habe man den Behörden weitere Erkenntnisse übermittelt, „umfassend dargelegt und dokumentiert“. Zugleich räumte die Volksbank eigene Fehler ein, aus denen man inzwischen Konsequenzen gezogen habe – samt „personellen Maßnahmen“. Just solche Fehler nehmen nun Anwälte aufs Korn, die die Interessen von Geschädigten vertreten. Am Ende, meinen sie, müsse auch die Bank haften.

Staatsanwaltschaft prüft Aufnahme von Ermittlungen

Noch hat die Staatsanwaltschaft Mannheim – zuständig wegen der Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen – keine offiziellen Ermittlungen eingeleitet. Nach der Anzeige der Volksbank prüfe man die Aufnahme nach wie vor, teilte eine Sprecherin mit. Das Verfahren richte sich derzeit gegen 13 Personen, mehr könne man vorerst nicht sagen. Einen „Prüfvorgang“ gibt es auch bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart, wo laut einer Sprecherin bisher keine Strafanzeigen eingegangen seien. Die Mannheimer Akten habe man gesichtet, mangels Zusammenhängen erscheine eine gemeinsame Bearbeitung derzeit nicht zweckdienlich.

Die Bank sieht sich getäuscht und geschädigt

Die Vorwürfe der Volksbank Konstanz richten sich vor allem gegen den Vermittler, über den die Kredite zustande kamen. Erst im Nachhinein habe man erfahren, dass er zum Netzwerk um „Immo Tommy“ gehörte, wie sich der Unternehmer Tomislav Primorac nennt. Zu den Akteuren darin habe es nie einen direkten Kontakt oder eine geschäftliche Beziehung gegeben. Getäuscht und geschädigt sieht sich die Bank – wie teils auch Kunden – durch fingierte oder gefälschte Eigenkapitalnachweise sowie „nicht den Tatsachen entsprechende Angaben zu den Immobilien“.

Die mutmaßlich Beteiligten hätten sich durch hohe Provisions- und Kaufpreiszahlungen „einen Vermögensvorteil erschlichen“. Primorac hatte in einem Video-Statement von Problemen mit Firmen berichtet, mit denen man zusammenarbeite; von einigen dieser Partner habe man sich bereits getrennt.

Konsequenzen gab es auch bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, die wie die Volksbanken zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehört: Sie trennte sich laut einer Sprecherin bereits 2024 von einem selbstständigen Handelsvertreter, der ihr Kunden vermittelt habe. Letztlich entscheide über eine Finanzierung aber die Bank, die bereits Mängel bei dem Prozess offengelegt habe.

Für den Rechtsanwalt Georgios Aslanidis aus der Esslinger Kanzlei AKH-H, der etwa 40 Mandanten gegen Banken vertritt, bleiben „die Volksbank Konstanz und die Bausparkasse Schwäbisch Hall weiterhin im Fokus der Geschehnisse“. Derzeit führe man außergerichtliche Verhandlungen, berichtet er; Klagen seien geplant, aber noch nicht eingereicht. „Unverantwortlich“ findet es Aslanidis, die Kreditberatung erst auszulagern – und sich dann auf Fehler der Vermittler zu berufen. Aus seiner Sicht bleibe die Bank dafür in der Haftung. Sie müsse „dafür sorgen, dass die Kreditvergabe nicht manipuliert werden kann“.

Eine Fusion der Volksbanken in Konstanz und Tettnang hätte für etwaige Ansprüche keine Folgen: Man halte sich, so der Anwalt, dann eben an den „Rechtsnachfolger“.

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