Gemeinde Asselfingen Ludwigsburger Student wird Deutschlands jüngster Bürgermeister

, aktualisiert am 10.01.2026 - 13:07 Uhr
Jan Jäckel ist 21 Jahre alt, Student, und bald Bürgermeister. Foto: Simon Granville

In wenigen Wochen wird der Ludwigsburger Student Jan Jäckel Deutschlands jüngster Bürgermeister. Der 21-Jährige überzeugte in seiner neuen Gemeinde, weil er zwei Welten vereint.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

An sein erstes Treffen mit Jan Jäckel erinnert sich Armin Bollinger noch genau. „Er hat zu mir gesagt: Ich sage Ihnen das Schlimmste zuerst – ich bin 21 Jahre alt“, erzählt der Bürgermeister der Gemeinde Asselfingen (Alb-Donau-Kreis). Jäckel bewarb sich damals, Bollinger in seinem Amt zu beerben. Der Ludwigsburger Student gewann die Wahl im Herbst dann tatsächlich – ab März ist er der jüngste Bürgermeister Deutschlands.

 

„Ich selbst hatte mit 21 ganz andere Ideen, deshalb fand ich das schon mutig“, erinnert sich Bollinger. „Aber mir wurde schnell klar: Der hat das drauf.“ Überzeugt hatte Jäckel ihn vor allem mit seinen klaren Ideen. Der 21-Jährige stammt ursprünglich aus dem oberschwäbischen Bad Wurzach, zu Asselfingen hat er eigentlich keinen Bezug. Trotzdem entschied er sich bewusst dafür, dort zu kandidieren. „Es waren vier Punkte ausschlaggebend: Der Amtsinhaber trat nicht mehr an, 1000 Einwohner sind eine gute Größe, es gibt keine Teilorte und die Kommune ist schuldenfrei“, erklärt Jäckel. „Wenn nicht alles gepasst hätte, hätte ich mich auch nicht beworben.“

Jan Jäckel (Mitte) nach dem Wahlsieg mit seiner Partnerin sowie Amtsinhaber Armin Bollinger (rechts). Foto: Rathaus Asselfingen/dpa

Deutschlands jüngster Bürgermeister – Der Schlüssel zum Wahlsieg: Präsent sein

Immer einen Plan im Kopf zu haben, das scheint Jäckel auszuzeichnen. Schon seinen Wahlkampf ging er strukturiert an. „Ich habe bewusst keine eigenen Veranstaltungen organisiert, bei denen ich mich präsentiert habe“, sagt er. „Stattdessen bin ich direkt zu den Leuten gegangen, zu den Treffen in den Vereinsheimen, die sowieso stattgefunden haben.“

Das kam an, bei den Asselfingern und bei Bürgermeister Bollinger. „Er war unglaublich präsent im Ort, war überall dabei“, sagt der. „Dass sich das gelohnt hat, sieht man am Wahlergebnis.“ Bei einer Wahlbeteiligung von 72 Prozent holte Jäckel mehr als 83 Prozent der Stimmen. All das sei allerdings auch ein ziemlicher Aufwand gewesen. Wohnen blieb er in Ludwigsburg, pendelte also stundenlang durch die Gegend, war teilweise 14 Stunden am Tag unterwegs. „In meiner Wohnung war ich zu der Zeit eigentlich nur zum Schlafen“, sagt Jäckel.

Bürgermeister Jan Jäckel vereint zwei Welten

Gleichzeitig, und das betonen sowohl Bollinger als auch Jäckel selbst, überzeugte der 21-Jährige die Bürger, weil er auch den fachlichen Hintergrund mitbringt. Jäckel studiert Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen und hat in dieser Zeit mehrere Praktika in Stadtverwaltungen gemacht. „Seine Berufserfahrung hat ihn von den anderen Bewerbern unterschieden, die waren eher Quereinsteiger“, erklärt Armin Bollinger.

Der Bürgermeister Jan Jäckel, das wird im Gespräch immer wieder deutlich, vereint zwei Welten in sich. Er kann erklären, wie ein Verwaltungsapparat funktioniert, spricht dann in sperrigen Begriffen wie „Innenbereichsentwicklung“. Gleichzeitig freut er sich glaubhaft auf die Mitgliederversammlung des Asselfinger Gesangsvereins, zu der er eingeladen wurde. „Ich bin selber ländlich aufgewachsen, darum macht es für mich auch den Reiz aus, mit Menschen zu arbeiten, die ein bisschen ticken wie ich“, sagt er und sein schwäbischer Dialekt blitzt plötzlich deutlich durch.

„Auf dem Dorf braucht man manchmal gutes Sitzfleisch.“

Jan Jäckel, Student und Bürgermeister

Insofern verstehe er auch, worauf es im Gemeindeleben ankomme, er wolle immer nah an den Bürgern sein. Was dann eben heißen kann, die jährlichen Versammlungen zu besuchen oder auf dem örtlichen Gallierfest auch mal etwas länger zu bleiben. „Speziell auf dem Dorf braucht man manchmal ein gutes Sitzfleisch“, sagt er.

Jäckel tritt in Asselfingen „in große Fußstapfen“, wie er selbst betont. Amtsinhaber Bollinger war 24 Jahre da, ist in der Bevölkerung sehr beliebt. Für den Einstieg hat der 21-Jährige deshalb, klar, auch schon eine Vorstellung: „Wichtig wird sein, erst mal nicht zu viel verändern, der Umbruch darf nicht zu krass werden“, sagt er. „Vielleicht wäre die Digitalisierung der Verwaltung ein Punkt, wo ein Junger frischen Wind reinbringen kann.“

Agenda des neuen Bürgermeisters: Der Bauhof braucht einen neuen Traktor

Auch andere Dinge stünden schon auf der Agenda, so brauche etwa der Bauhof einen neuen Gemeindetraktor. Und dass die schwierige finanzielle Situation der Kommunen eine Herausforderung werde, das sei ihm auch klar.

Bleibt die Frage, mit welchen Ambitionen ein 21-Jähriger sein Amt als Deutschlands jüngster Bürgermeister antritt. Ist die 1000-Seelen-Gemeinde Asselfingen für Jan Jäckel nur eine Station, um sich für größere Aufgaben zu empfehlen? „Diese Frage wurde mir bei der Kandidatenvorstellung auch gestellt, und ich glaube, da habe ich was ganz Gutes geantwortet“, sagt er. „Ich weiß nicht, wie es in zehn oder 15 Jahren ist. Aber im Moment kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als hier Bürgermeister zu sein.“

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