Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf Endlose Ermittlungen um eine Haushaltshilfe

Stefan Wolf erklärte das Verfahren zur Privatsache, die er nicht kommentiert. Foto: Gesamtmetall/Amin Akhtar

Seit mehr als zwei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Tübingen gegen Stefan Wolf wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit. Warum dauert das so lange? Mit seiner Prominenz, heißt es, habe das nichts zu tun.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stefan Wolf war ganz in seinem Element, neulich beim Wirtschaftsclub im Literaturhaus Stuttgart. In einer Reihe zu „Arbeitswelt und Gemeinwohl“ diskutierte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall mit Johannes Schmalzl von der Würth-Stiftung. Es ging um Werte und Wirtschaft – und mehrfach darum, wie wichtig „Menschen mit Vorbildfunktion“ seien.

 

Ob sich Wolf (63) selbst in jeder Hinsicht als Vorbild eignet, ist noch nicht ausgemacht. Noch immer laufen bei der Staatsanwaltschaft Tübingen Ermittlungen gegen ihn, die im November 2022 begonnen hatten. Damals war durch Recherchen des Senders RTL und des Magazins „Stern“ bekannt geworden, dass der Topmanager seine Haushälterin jahrelang schwarz, an Steuer und Sozialkassen vorbei, beschäftigt haben soll. Fünf Tage pro Woche habe sie für ihn geputzt, eingekauft und gewaschen; eine Festanstellung, hieß es, habe sie nicht gewollt.

Bis zum Urteil gilt die Unschuldsvermutung

Die Tübinger Ermittler – zuständig wegen Wolfs Wohnsitz in Bad Urach – nahmen die Berichte zunächst nur interessiert zur Kenntnis; der Sachverhalt sei „bisher nicht zur Anzeige gelangt“, hieß es. Nach einer Phase der Prüfung leiteten sie schließlich ein Verfahren wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt ein, nach Paragraf 266a des Strafgesetzbuchs. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Wolf selbst erklärte den Vorgang zur Privatsache und äußerte sich nicht dazu. Nur einmal ließ er durchblicken, wen er hinter den Vorwürfen vermutet – offenbar eine Person, der er einmal vertraut hat: „Es ist schade, wenn jemand nach einer Beziehung solche Vorwürfe erhebt.“ Als der promovierte Jurist 2023 nach 17 Jahren überraschend als Vorstandschef beim Automobilzulieferer Elring-Klinger ausschied, hieß es, das Thema habe keinerlei Rolle gespielt. Gleiches galt offenbar 2024 bei seiner Wiederwahl als Präsident von Gesamtmetall.

Keine Prognose von der Staatsanwaltschaft

Anfragen nach dem Stand der Ermittlungen beschied die Staatsanwaltschaft Tübingen seither stets gleich: nein, es gebe nichts Neues, das Verfahren laufe noch. Man sei „immer bemüht, Verfahren so schnell als möglich abzuschließen“, erläutert ein Sprecher – und das gelinge ausweislich der Laufzeiten in den letzten Jahren auch recht gut. Im Einzelfall könne es „länger dauern, etwa weil komplizierte Berechnungen eines Schadens vorzunehmen sind“, weil nach Vorlage der Polizeiakten Nachermittlungen notwendig würden oder es Engpässe und Wechsel bei der Anklagebehörde gebe. Zuweilen aufkommende Vermutungen, die Dauer könne etwas mit der Prominenz und der Stellung des Beschuldigten zu tun haben, weist der Sprecher weit von sich: Ein solcher Zusammenhang bestehe „selbstverständlich nicht“. Zu gegebener Zeit, so seine Ansage, werde man „über den Abschluss der Ermittlungen berichten“. Wann diese Zeit kommen könnte, bleibt offen.

Beim Wirtschaftsclub im Literaturhaus erhielt Stefan Wolf viel Zuspruch für seine Warnungen vor einem Niedergang der Wirtschaft und den Appellen zu mehr Anstrengungen im Kampf dagegen. Fragen nach den Ermittlungen blieben ihm erspart. Ob diese der Moderatorin und dem Publikum nicht mehr präsent waren oder das unangenehme Thema gezielt vermieden wurde – Antworten zu der stets als „privat“ deklarierten Angelegenheit hätte man vermutlich ohnehin nicht erwarten dürfen.

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