Die Scharnhauser Straße in Plieningen ist seit Mai gesperrt. Eine Verkehrskontrolle zeigt, dass das viele Autofahrer noch nicht mitbekommen haben – oder ignorieren?

Es war abzusehen: Der Blitzertag an der seit zwei Monaten gesperrten Scharnhauser Straße in Plieningen wird der Stadt einiges Geld in die Kasse spülen. Obwohl die Verkehrskontrolle für Dienstagvormittag angekündigt war, fuhren massenhaft Auto- und Lastwagenfahrer in die Radarfalle.

 

Man bekam fast Mitleid mit den vielen Autofahrern, die die Kontrollgeräte am Straßenrand zwar rechtzeitig erkannten und langsamer fuhren, aber nichtsdestotrotz geblitzt wurden. Die Geschwindigkeit spielte bei dem Schwerpunktkontrolltag des Ordnungsamts an der Scharnhauser Straße überhaupt keine Rolle.

Da mit wenigen Ausnahmen motorisierte Fahrzeuge hier generell nicht fahren dürfen, wurde bei der Kontrollaktion jedes Fahrzeug erfasst, dass an diesem Vormittag entweder in Fahrtrichtung Plieningen oder in Richtung Ostfildern auf der Straße außerorts unterwegs war. Öffentliche Busse oder landwirtschaftliche Fahrzeuge, die die Strecke zwischen Plieningen und der Abzweigung nach Kemnat weiterhin nutzen dürfen, werden im Nachhinein ausgefiltert.

Überraschte Auto- und Lkw-Fahrer

Obwohl das Ordnungsamt der Stadt die Kontrollaktion angekündigt hatte, zeigten sich viele Auto- und auch Lkw-Fahrer überrascht. Einige hielten an dem Waldparkplatz an, an dem die Vertreter des Ordnungsamts und der städtischen Polizeibehörde bereitstanden, um bei Bedarf den Verkehrsteilnehmern Auskunft zu erteilen. Auf Höhe des Waldparkplatzes waren auch die Blitzgeräte positioniert.

Einen Scharnhauser Audi-Fahrer hat es besonders übel erwischt. Nachdem er sich vor Ort erkundigt hatte, wieso er hier überhaupt geblitzt werde, gestand er, dass er beim Hin- und Herfahren sage und schreibe drei Mal in die Radarfalle getappt war. Die an beiden Enden der Straße seit über zwei Monaten angebrachten Einfahrtsverbotsschilder habe er noch nicht bemerkt.

Auch ein ortsfremder Autofahrer aus dem Remstal bestritt, das kaum zu übersehende Schild am Ortsausgang von Plieningen wahrgenommen zu haben. Als er hörte, wie hoch das Bußgeld ausfällt, das ihn erwartet, zeigte er sich erbost und meinte: „Das ist Abzocke.“ Klar ist: Billig wird es nicht.

Neue Südumfahrung Plieningen

Die Sperrung der Scharnhauser Straße zwischen dem Ortsende von Plieningen und der Abzweigung nach Kemnat ist direkte Folge der Eröffnung der neuen Südumfahrung Plieningen im Jahr 2022. Das Bundesverwaltungsgericht hatte zwei Jahre zuvor verfügt, dass die neu gebaute Umfahrung erst für den Verkehr freigegeben werden dürfe, wenn eine Zusicherung zur Teileinziehung des betreffenden Straßenabschnitts vorläge.

Unmissverständlich – aber offenbar unbeliebt: die Durchfahrt an der Scharnhauser Straße ist verboten (Symbolbild). Foto: imago/imagebroker

Seit im Mai dieses Jahres die Sperrung vollzogen wurde, darf die Scharnhauser Straße nur noch von landwirtschaftlichem Verkehr, öffentlichem Nahverkehr und von Fahrrädern genutzt werden. Die Südumfahrung soll die Ortsmitte von Plieningen vom Durchgangsverkehr entlasten.

Die Stadt erklärte, weitere Kontrolltage an der Straße durchzuführen, dann aber ohne Ankündigung. Sollte das nicht fruchten, könnte laut Stadtverwaltung an dem Straßenabschnitt auch eine semistationäre Kontrollanlage angebracht werden. Eine genaue Auswertung des Blitzertags soll noch erfolgen.