„Gespräche im Gottlieb“ Annett Kaufmann und Jello Krahmer träumen von Olympia-Medaille

Gute Laune beim Talkabend in der Café-Bar „Gottlieb“ in Bad Cannstatt: Tischtennis-Star Annett Kaufmann, Olympia-Ringer Jello Krahmer und Moderator Dirk Preiß (Mitte). Foto: Baumann/Hansi Britsch

Das Talkformat unserer Zeitung hat das Ziel, Sportstars abseits des Fußballs eine Plattform zu bieten. Die Tischtennisspielerin und der Ringer verraten ihre olympischen Ziele.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Jede Sportart lebt davon, Gesichter präsentieren zu können. Athletinnen und Athleten, die erfolgreich sind, aber auch etwas zu sagen haben. Die im Wettkampf überzeugen, aber auch danach Haltung zeigen. Die für ihre Disziplin stehen, aber auch selbst etwas darstellen. Ein Duo, das diese Eigenschaften perfekt verkörpert, war zu Gast bei unserer Veranstaltungsreihe „Gespräche im Gottlieb – Stuttgarter Sportstars hautnah“: Tischtennisspielerin Annett Kaufmann (19) und Ringer Jello Krahmer (30), das zeigte der Abend unter dem Motto „Platte trifft Matte“ eindrucksvoll, sind nicht nur zwei Siegertypen – sondern auch perfekte Botschafter ihrer Sportart.

 

Annett Kaufmann hat die Zukunft noch vor sich und trotzdem schon enorm viel erreicht. 2024 führte sie das deutsche Team in Paris ins olympische Halbfinale, anschließend wurde sie als erste Europäerin überhaupt U-19-Weltmeisterin. Logisch, dass sich Vergleiche mit einer Tischtennis-Ikone aufdrängen. Den oft verwendeten Spruch, sie sei „die neue Timo Boll“, hält die Bietigheimerin allerdings nicht nur grammatikalisch für Unsinn. „Davon distanziere ich mich“, sagte Annett Kaufmann bei der siebten Ausgabe des Talkformats von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“, die von Sportchef Dirk Preiß moderiert wurde, „wir kommen aus zwei unterschiedlichen Generationen. Ich bin ehrgeizig und emotional, das macht mich stark. Ich will mir unter meinem eigenen Namen etwas aufbauen, und sollte ich dabei irgendwann so erfolgreich sein wie Timo Boll, wäre das schön.“

Annett Kaufmann will den Tischtennissport voranbringen

Fakt ist allerdings auch: Die Aufmerksamkeit, die Annett Kaufmann zuteil wird, hat schon längst Timo-Boll-Dimensionen erreicht. Das liegt an ihren Erfolgen und ihrer glänzenden Perspektive, aber auch an ihrer Eloquenz, ihrem selbstbewussten Auftreten, ihrem Star-Potenzial, ihrer Präsenz in den sozialen Medien. „Ich brauche den Medienrummel nicht“, sagte Annett Kaufmann, „doch wenn es hilft, den Tischtennis- und den Frauensport voranzubringen, dann nehme ich ihn gerne in Kauf.“

Ein Podium, das etwas zu sagen hatte: Annett Kaufmann und Jello Krahmer mit Moderator Dirk Preiß. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Auch Jello Krahmer warb in der Cannstatter Café-Bar „Gottlieb“ für seine Sportart, etwas leiser zwar, aber nicht weniger hingebungsvoll. Der in Stuttgart geborene Ringer, der für den ASV Schorndorf auf der Matte steht und in der Klasse bis 130 Kilogramm 2025 EM-Bronze holte, beschrieb unter anderem, wie hart es ist, in jedem Kampf körperlich und mental ans Limit gehen zu müssen. Und wie leicht man sich fühlt, wenn das Ziel erreicht ist. „Ringen ist pure Leidenschaft“, sagte er, „entscheidend ist, wer den größeren Willen besitzt.“

Jello Krahmer und Lucas Lazogianis: gegenseitiges Versprechen

Alles im Griff hatte Jello Krahmer, als es um die Qualifikation für die Sommerspiele 2024 ging, mit der er sich einen Lebenstraum erfüllte. „Ich bin jahrelang abends mit dem Gedanken an Olympia ins Bett gegangen und morgens mit dem Gedanken an Olympia aufgewacht“, erklärte er. Umso mehr schmerzte, dass er in Paris schon den ersten Kampf verlor. „Seither weiß ich, wie sich ein gebrochenes Herz und Liebeskummer anfühlen, es tat sehr weh“, sagte Jello Krahmer, der sich nun den nächsten Traum verwirklichen will. Bei der Abschlussfeier in Paris versprachen er und sein Teamkollege Lucas Lazogianis sich gegenseitig, 2028 in Los Angeles erneut dabei zu sein – und dort eine Medaille zu holen: „Daran arbeiten wir!“

Annett Kaufmann war im „Gottlieb“ auch sportlich aktiv. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Auch für Annett Kaufmann sind die Sommerspiele in zwei Jahren in Kalifornien das große Ziel. Doch die Konkurrenz ist enorm stark. Asien dominiert die Tischtennis-Welt, viele Chinesinnen trainieren seit frühester Kindheit bis zu zehn Stunden am Tag. „Ihre Technik und ihre Bewegungsabläufe sind perfekt“, sagte Annett Kaufmann, „ich habe das Zeug, sie irgendwann zu schlagen. Aber noch fehlt es mir an der Zahl der Wiederholungen.“ Mittlerweile ist allerdings auch die Bietigheimerin Profispielerin, sie trainiert täglich zwischen sechs und acht Stunden. Das zahlt sich aus: „Ich spüre eine Entwicklung. Und die Ergebnisse werden kommen – da mache ich mir keine Sorgen.“

Zuversichtlich ist auch Jello Krahmer. Seit Paris trainiert er noch intensiver und bewusster. Er hat seine Ernährung umgestellt, setzt voll auf Proteine und nimmt täglich 260 Gramm Eiweiß zu sich, um Muskeln aufbauen zu können. Doch Jello Krahmer arbeitet nicht nur für sich. Im Dezember wurde er in die Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewählt – seither hat seine Stimme noch mehr Gewicht. „Ich bin der Meinung, dass wir Sportler, die so viel opfern, oft zu wenig gehört werden“, sagte er im Café „Gottlieb“, „doch es reicht nicht, nur zu meckern. Man muss, um Dinge zu ändern, auch etwas tun.“

Es war das passende Schlusswort an einem Abend, an dem sich zwei Athleten perfekt präsentiert haben – als Gesichter ihrer Sportart.

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