Göppingen Das „Freizi“ bleibt erhalten
Weil die Stadt Göppingen teilweise für die Kürzungen des Landkreises bei der Jugendarbeit einspringt, bleibt der Jugendtreff im Bergfeld nun doch erhalten.
Weil die Stadt Göppingen teilweise für die Kürzungen des Landkreises bei der Jugendarbeit einspringt, bleibt der Jugendtreff im Bergfeld nun doch erhalten.
Der Göppinger Gemeinderat hat die geplanten Kürzungen der Stadt bei der offenen Jugendarbeit mehrheitlich abgewendet. Die Verwaltung um Oberbürgermeister Alex Maier wollte angesichts halbierter Zuschüsse vom Landkreis die Jugendarbeit in den verschiedenen Treffs bis 2027 um insgesamt 2,4 Stellen reduzieren, davon wären 1,3 Stellen auf städtisches Personal entfallen, sowie 1,1 Stellen auf die freien Träger Kreisjugendring (KJR) und Jebedaya. Jetzt stimmten die Stadträte aber mehrheitlich dafür, diese Kürzungen nicht umzusetzen. Diesen Antrag hatten die Grünen gestellt und die Mehrheit des Gremiums überzeugt.
Fortgeführt wird mit dem Gemeinderatsbeschluss unter anderem die seit vielen Jahren im Bergfeld aufgebaute Jugendarbeit im „Freizi“. Der als Verein geführte Kreisjugendring wollte angesichts der schwierigen Finanzen dieses Angebot zur Jahresmitte 2026 aufgeben. Der Gemeinderat hat nun aber beschlossen, dass das Freizi, entgegen dem Verwaltungsvorschlag, von der Stadt übernommen und offen bleiben soll. Jetzt muss das Rathaus noch vor der Sommerpause einen Vorschlag zur Personalbemessung, zur Kooperation mit der Kreisbau und zur Übernahme der nötigen Ressourcen vom KJR vorlegen.
Der Entscheidung ging in der Sitzung, wie auch beim Thema Schulsozialarbeit, eine emotionsgeladene Debatte voraus. Oberbürgermeister Alex Maier hatte auch in diesem Fall darauf hingewiesen, dass die Kürzungen vom Landkreis ausgelöst und nun eben von der Stadt weitergegeben werden müssten. „Wir werden von der Entscheidung des Kreistags gezwungen, zu reagieren“. Die Stadt werde sonst in eine Schieflage gezwungen, die er nicht verantworten könne.
Doch für die Fraktion der Grünen wies Volker Landskron darauf hin, dass die Jugendarbeit in vielen Bereichen der Stadt ohnehin auf dem Rückzug sei. Der Jugendtreff Matrix im Stauferpark sei schon länger geschlossen, auch im Moccalino in Jebenhausen habe der Träger Jebedaya aufgehört, in Holzheim und Bartenbach gebe es derzeit kein Angebot mehr, zählte Landskron auf. Der Jugendtreff Grotte in der Stadtbibliothek sei zugunsten des Upstairs in der Bleichstraße aufgegeben worden. Nun könne nicht auch noch das Angebot im Bergfeld wegfallen, fanden die Grünen. „Es stellt sich die Frage, tun wir etwas für die Jugendlichen oder gegen sie?“
Insbesondere wies Volker Landskron darauf hin, dass der Gemeinderat erst vor einem Jahr eine ohnehin knapp bemessene Bedarfsanalyse für die Jugendarbeit in der Stadt beschlossen habe, die langfristig angelegt gewesen sei, nun aber faktisch über Bord geworfen werden soll. Das sei „die Krönung.“ Rückendeckung bekam er nicht nur aus seiner eigenen Fraktion, sondern auch aus anderen Gruppierungen. Tenor mehrerer Redner: „Wir dürfen den Finanzstreit nicht auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen austragen“.
Till Herwig (FDP/FW) bekannte, dass die Stadt vom Landkreis in ein Dilemma geschubst worden sei, nach dem Motto „Den Letzten beißen die Hunde“. Man müsse aber angesichts des Millionendefizits, das der städtische Haushalt aufweist, verantwortungsvolle Lösungen suchen. Am Ende stimmten nur etwa ein Viertel der Bürgervertreter für die Kürzungen. Die anderen folgten dem Antrag der Grünen.
Der Geschäftsführer des Kreisjugendrings, Tobias Klopfer, freute sich am Montag in einer Stellungnahme, dass es im Bergfeld weitergehen kann. „Es ist zunächst egal, wer das macht. Wichtig ist, dass es dieses Angebot weiter gibt“. Die Anlaufstelle sei wichtig für die Jugend in dem Stadtteil mit seiner Hochhaussiedlung.
„Ich bin froh, dass es nicht zum Stillstand kommt. Das wäre fatal.“ Das Publikum im Treff sei altersmäßig gemischt, was die Arbeit aber herausfordernd mache. Der Kreisjugendring betrieb das Freizi bisher mit 60 Prozent Stellenanteilen, zuzüglich einem Sportangebot auf Minijob-Basis. Durch die Kürzungen des Landkreises fehlen dem KJR aber jährlich etwa 110 000 Euro in der Kasse.
Defizit
Nach Angaben des Vereins Kreisjugendring beträgt das jährliche Defizit bei Fortführung der Angebote im Freizi rund 21 000 Euro bei einem Stellenumfang von 60 Prozent, sowie rund 14 000 Euro bei einem Stellenumfang von 50 Prozent.
Plan
Der Bedarf an Jugendarbeit im Bergfeld sollte nach dem Willen der Stadt künftig durch bestehende Angebote im Stadtteil Jebenhausen sowie des SOS-Kinderdorfs in der Stadt aufgefangen werden.