Der Abzug von US-Elitesoldaten aus Böblingen bringt der Region Stuttgart weniger Schießlärm, rückt aber auch gefährliche Missionen im Iran und Irak in den Fokus.
Wie aktuell bekannt geworden ist, verlässt das 1. Bataillon der 10. US-Spezialkräfte-Gruppe (10th Special Forces Group) die Böblinger Panzerkaserne. Bis 2028 ziehen rund 1500 Personen in die Smith Barracks nach Baumholder (Landkreis Birkenfeld).
Für das US-Militär ist es ein strategisches Upgrade: Die US-Army investiert über 1,1 Milliarden Euro, da der neue Standort mit 11.000 Hektar viel mehr Platz bietet als das enge Böblinger Gelände (600 Hektar) und näher an den Luftwaffenstützpunkten Ramstein und Spangdahlem liegt.
Geheime Missionen der „Green Berets“
Die „Green Berets“ sind Spezialisten für unkonventionelle Kriegsführung und die Ausbildung lokaler Verbündeter. Ihre Geschichte seit 1980 spiegelt die Sicherheitslage Europas wider:
- 1980er Jahre (Kalter Krieg): Fokus auf die Abwehr einer sowjetischen Invasion. Die Einheiten trainierten für „Stay-Behind“-Missionen, um im Besatzungsfall hinter feindlichen Linien Partisanen auszubilden und Sabotage zu betreiben.
- 1990er Jahre (Balkan): Nach der Stationierung in Böblingen Anfang der 90er-Jahre verlagerten sich die Einsätze auf den Balkan (Bosnien, Kosovo) für Aufklärung und die Jagd nach Kriegsverbrechern.
- Ab 2014: Spätestens seit der russischen Annexion der Krim 2014 trainieren die Green Berets wieder verstärkt Unterstützungsmissionen für örtliche Widerstandskräfte in Osteuropa (Ukraine) und im Baltikum.
US-Fiasko bei Geiselbefreiung im Iran 1980
Trotz ihres Rufs als Eliteeinheiten zeigt die Geschichte der US Special Forces auch Grenzen auf. vor allem in der Vergangenheit, wenn Logistik oder politische Planung unzureichend waren.
Ein historisches Trauma bleibt die Operation Eagle Claw im Iran 1980: Der Versuch, US-Geiseln aus Teheran zu befreien, endete in einem Fiasko in der Wüste, bei dem Hubschrauber kollidierten und acht Soldaten starben. Jimmy Carter verlor deswegen die Wahl gegen Ronald Reagan.
Dieses operative Scheitern führte erst zur Gründung des heutigen übergeordneten Spezialkräftekommandos (SOCOM). Für jede Waffengattung gibt es Special Forces, die „Green Berets“ gehören zur Armee, die Delta Force zur Luftwaffe und die Navy Seals zur Marine.
Erfolgreicher Kommando-Einsatz gegen Maduro
Wie sehr sich die Fähigkeiten, die Ausrüstung und die nachrichtendienstliche Präzision der Einheiten seit 1980 weiterentwickelt haben, zeigte sich indes im Jahr 2026 beim erfolgreichen Kommando-Einsatz mit der Gefangennahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro.
Solche hochkomplexen Operationen belegen: Wenn unkonventionelle Kriegsführung, Logistik und lokale Netzwerke perfekt ineinandergreifen, können die Special Forces entscheidende geopolitische Fakten schaffen. Eine Fähigkeit, die Putin und die Russen dagegen völlig abzugehen scheinen.
Böblinger „Green Berets“ nicht im Iran-Einsatz
Trotz aktueller Krisen im Nahen Osten werden die Böblinger Elitesoldaten dort übrigens nicht eingesetzt. Der Grund ist die strikte geografische Aufteilung des US-Militärs in sogenannte Combatant Commands:
EUCOM (Europa) & AFRICOM (Afrika): Beide Hauptquartiere sitzen in Stuttgart. Die 10. Special Forces Group ist fest dem EUCOM (und in Teilen dem AFRICOM) zugeordnet. Die Soldaten sind auf Europa und Afrika spezialisiert, sprechen Sprachen wie Russisch oder Deutsch und kennen das hiesige Terrain.
CENTCOM (Naher Osten): Für den Nahen Osten, Zentralasien und Ägypten ist das CENTCOM zuständig. Einsätze dort übernehmen andere Einheiten, deren Soldaten Arabisch oder Farsi sprechen und auf Wüsten- und Stadtkampf im Nahen Osten trainiert sind.
„Green Berets“ und Kurden: Bodenoffensive im Iran?
Ein klassisches Beispiel für Einsätze im CENTCOM-Bereich ist die Präsenz der Green Berets in den kurdischen Gebieten im Nordirak und in Nordsyrien. Gemäß ihrem Kernauftrag („By, with, and through“ – durch, mit und mittels lokaler Kräfte) bildeten die US-Spezialkräfte dort Einheiten wie die kurdisch geführten Syrian Democratic Forces (SDF) oder die Peschmerga aus, berieten sie taktisch und leiteten Luftschläge im Kampf gegen den IS-Terror an.
Obwohl dies ein Paradebeispiel für die Arbeit der Green Berets ist, sind daran allerdings keine Soldaten aus Böblingen oder Stuttgart beteiligt. Zuständig für diese Region ist primär die 5. Special Forces Group (stationiert in Fort Campbell, Kentucky), die exakt für solche Einsätze im arabischen und zentralasiatischen Raum ausgebildet wurde – möglicherweise auch als Drahtzieher von Bodenoffensiven.
Gefährlicher Kurdistan-Einsatz der Bundeswehr
Wie auch die Bundeswehr sind „Green Berets“ bereits in Erbil in den Kurdengebieten im Nordirak präsent. Manche Beobachter glauben, dass von dort womöglich ein Vormarsch in den Iran lanciert werden könnte.
Ziel wäre es gegebenenfalls, Fluchtrouten der iranischen Führung in den Kaukasus abzuschneiden, die mögliche Gründung einer islamischen Separatisten-Republik in der iranischen Region Ost-Aserbaidschan zu verhindern und den finalen Sturz der Mullahs herbeizuführen. Denn viele Angehörige des Regimes – auch die Familie Chamenei – sind ethnische Aserbaidschaner, die sich bei einem Fall von Teheran in ihre Region zurückziehen könnten.
Reisewarnung für Kurdengebiete in der Türkei
Der Iran reagiert vor Ort in Kurdistan bereits mit dem Bau von Grenzanlagen und Drohnenangriffen auf Ziele jenseits der Grenze. Deutsche Soldaten könnten gegebenenfalls in Kämpfe verwickelt werden oder Kollateralschäden erleiden. In Erbil mussten bereits mehrere Drohnen- und Raketenangriffe abgewehrt werden. Und was die Türkei betrifft, so verfolgt diese in Kurden-Fragen bekanntlich ganz eigene Interessen. Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor Reisen in die südöstlichen Provinzen Anatoliens.