In München hat die Polizei vor wenigen Tagen mehrere Aktivistinnen und Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ in Polizeigewahrsam genommen, nachdem sie in der Stadt Straßen blockiert hatten. Der Vorwurf: Verdacht der Nötigung und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Bei einem der Aktivisten handelt es sich um Clemens Schlink, ein 79 Jahre alter Rentner und ehemaliger Berufschullehrer aus Weinstadt.
Schlink erzählt, er habe am vergangenen Donnerstag am Stachus in München die Straße blockiert. Klebstoff – wie andere – habe er nicht verwendet. Er habe zu all jenen gehört, die im Zweifel, etwa für eine Rettungsgasse, die Straße verlassen können. „Am selben Abend haben wir dann noch mal die Straße blockiert und wurden wieder abgeräumt“, erzählt der Winterbacher. Weil die Polizei wohl davon ausgehen musste, dass sich solche Aktionen wiederholen, wurden er und die andern Aktivisten in Gewahrsam genommen.
Schlink berichtet am Telefon ruhig von den Vorgängen der vergangenen Tage. Früher habe er an legalen Demos, wie etwa von Fridays for Future teilgenommen. Außerdem ist er als Kassierer bei den Grünen im Ort mit für die Finanzen der Partei zuständig. „Ich war bisher noch nie im Gefängnis“, sagt Schlink. Vor Kurzem schloss er sich dann der Gruppe „Letzte Generation“ an, nahm an Straßenblockaden in Berlin und Nürnberg teil.
„23 Stunden am Tag alleine“
Nach der ersten Nacht in Gewahrsam wurden er und die anderen Aktivistinnen und Aktivisten in München einer Richterin vorgeführt. Nachdem sie laut dem Rentner bejahten, auch weiterhin solche Aktionen durchführen zu wollen, kamen sie in Polizeigewahrsam – Schlink insgesamt sechs Tage. „Das ist schon eine Erfahrung“, sagt er. „Ich war 23 Stunden am Tag alleine, bis auf eine Stunde Hofgang“, berichtet er. Ein solches Vorgehen, so glaubt Schlink, sei aber nur in Bayern und mit den entsprechend strengen Gesetzen möglich. „In einem anderen Bundesland wäre ich nicht im Gefängnis gelandet“, meint er.
Laut der Münchner Polizei wurden am 3. November insgesamt 15 Personen in Gewahrsam genommen. Zwölf von ihnen sollen noch bis zum 2. Dezember in Haft bleiben.
Andere Protestformen hätten nicht genug gebracht
Aber warum engagiert sich der lokale Grüne bei der bundesweit so umstrittenen Gruppe? „Ich habe nicht den Eindruck, dass das 1,5-Grad-Ziel ernsthaft verfolgt wird“, kritisiert Schlink. Demonstrationen und andere Formen des Klima-Protestes hätten zuletzt außerdem zu wenig gebracht. „Die Letzte Generation will damit Druck auf die Politik ausüben, nicht auf die Autofahrer“, sagt er. Vor allem nachdem erst vor wenigen Tagen ein Rettungswagen in Berlin wegen eines solchen Protestes verspätet zum Unfallort kam, war die Kritik laut geworden.
Seine Parteikolleginnen und -kollegen von den Grünen in Winterbach dürften von seiner Teilnahme an diesen Blockaden wohl weniger erfreut sein. Hochrangige Politiker der Partei distanzierten sich zuletzt von solchen Protesten. Kritisch sieht die Blockaden auch Schlinks Frau, sie hofft, dass nun erst mal Schluss damit ist. Doch was sagt Schlink selbst? „Ich will weiter blockieren, aber ich muss überlegen, was ich meiner Familie zumuten kann“, sagt er. Die Grünen wolle er trotz allem weiter unterstützen.