In Korntal-Münchingen gelten von 2026 an neue Hebesätze für die Grundsteuer. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist das keine Steuererhöhung – teurer wird es für Besitzer trotzdem.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Die Stadt Korntal-Münchingen erhöht die Grundsteuer B, die bei privaten und gewerblichen Grundstücken anfällt. Rechenbeispiele zeigen, was Eigentümer von bebauten und unbebauten Grundstücken nächstes Jahr erwartet, wenn der Hebesatz von 165 auf 182 Prozent ansteigt.

 

So kostet ein Einfamilienhaus mit einer Grundstücksfläche von 331 Quadratmetern künftig rund 591 statt 536 Euro. Bei 613 Quadratmetern sind es 1319 Euro Grundsteuer statt 1196. Für ein Reihenmittelhaus mit 108 Quadratmetern müssen 131 statt 119 Euro gezahlt werden. Auch für Eigentumswohnungen müssen Besitzer tiefer in die Tasche greifen. Ein unbebautes, 899 Quadratmeter großes Grundstück wird derweil 591 statt 536 Euro kosten. Bei einem Geschäftsgrundstück von 6271 Quadratmetern sind es 4154 statt 3766 Euro. Der höhere Hebesatz bedeutet eine Steigerung der Kosten um circa 10,3 Prozent.

Grundsteuerreform löst viele Einsprüche von Eigentümern aus

Neue Hebesätze hatte die Kommune bereits für dieses Jahr festgezurrt. Anlass war die Grundsteuerreform. Dabei sollten die neuen Hebesätze für die Städte und Gemeinden aufkommensneutral bleiben: Sie sollten unter dem Strich nicht mehr Geld einnehmen als zuvor. Allerdings stellte Korntal-Münchingen fest, dass die Stadt dieses Jahr bei der Grundsteuer A wohl 10 000 Euro weniger einnimmt als 2024 – und bei der Grundsteuer B 300 000 Euro weniger.

Als Grund nannte Frank Benz, im Rathaus zuständig für die Finanzen, viele Einsprüche von Eigentümern beim Finanzamt, wodurch sich die Messbeträge um etwa 200 000 Euro nachträglich verringert hätten. Die Höhe der Grundsteuer ergibt sich aus dem Grundsteuermessbetrag und dem kommunalen Hebesatz. Den Grundsteuermessbetrag legt das Finanzamt auf Basis des Grundstückswerts fest.

Korntal-Münchingen berechnete die Hebesätze nun erneut, damit wieder so viel Grundsteuer in die Kasse kommt wie vor zwei Jahren. Aber nicht nur die Aufkommensneutralität will die Stadt nach eigener Aussage wiederherstellen: Angesichts der angespannten Haushalts- und Finanzlage müsse die Einnahmensituation verbessert werden.

Bürgermeister: Neue Hebesätze sind keine klassische Steuererhöhung

Der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) betonte, man halte auch künftig am Grundsatzbeschluss der Aufkommensneutralität fest. Insofern seien die neuen Hebesätze keine klassische Steuererhöhung, sondern eine Korrektur.

Die FDP-Fraktion lehnt den höheren Hebesatz ab. Die Erhöhung überschreite „für uns die Schmerzgrenze“, sagte der Vorsitzende Peter Ott. Er kritisiert das Grundsteuermodell des Landes: Es orientiere sich fast ausschließlich am Bodenrichtwert und an der Größe des Grundstücks – unabhängig von der Bebauung. „Mit der Grundsteuerreform wurde es nicht gerechter, sondern nur teuer, und jetzt wird es in Korntal-Münchingen noch teurer.“

Der Hebesatz für die Grundsteuer A (land- und forstwirtschaftliche Betriebe) sinkt indes von 951 auf 586 Prozent. Hier habe sich die Datenlage „deutlich verbessert“, heißt es aus der Stadtverwaltung. Den Hebesatz für die Gewerbesteuer belässt die Stadt bei 370 Prozent. Er ist seit 2011 unverändert.