Gute-Nacht-Geschichte im La Concha „Die Gäste kennen mich seit ich Windeln trage“

, aktualisiert am 04.02.2023 - 18:00 Uhr
Noah hinter dem Tresen im La Concha: Vor allem am Wochenende wird es voll, damit alles läuft braucht es oft ein lautes "Obacht!". Foto: Paulin Raab

Das La Concha am Wilhelmsplatz ist fester Bestandteil in Stuttgarts Kneipenlandschaft. Born and raised kennt sich Noah Gürak hier bestens aus und hat uns seine Geschichten aus dem Nachtleben erzählt. [Plus-Archiv]

Sobald man tagsüber die Bar La Concha betritt oder sich auf der Terrasse niederlässt, dauert es nicht lange bis Noah Gürak in einem flatternden Hemd und mit einem freundlichem Grinsen im Gesicht fragt, was es heute sein darf. Abends und nachts, wenn es voll in der Kneipe wird und eine Traube von Menschen davor steht, hört man eher ein tiefes lautes „Obacht!“ und Noah schiebt sich mit den Bestellungen durch die Menge.

 

"Obacht" ist sein Lieblingswort und man hört es oft in der Kneipe am Wilhelmsplatz. Es ist sogar auf Noahs Bauch tätowiert - sein erstes Tattoo. Das La Concha-Logo auf seinem Oberschenkel hat er sich danach stechen lassen. Seine Leidenschaft für diese Kneipe kommt nicht von ungefähr: Während andere Babys zu Hause waren, wurde er schon vier Tage nach seiner Geburt ins La Concha mitgenommen. Mit 18 Jahren hat er angefangen in der Kneipe zu arbeiten und jetzt, fünf Jahre später mit fast 24 Jahren, kann er sich nicht mehr vorstellen, woanders zu arbeiten.

Papa schmeißt den Laden

Denn sein Vater Armagan Gürak schmeißt den Laden seit 1993. Noah ist hier quasi aufgewachsen. Er kennt seine Gäste, die Bar bei Tag und bei Nacht und beschreibt das La Concha als Heimat und Familie. Er weiß um die schönen Seiten und um solche, die einen richtig ins Schwitzen bringen.

Einige davon hat uns Noah verraten.

Wenn es draußen weihnachtet…

"Das Concha hat jeden Tag offen, außer am ersten Januar. Also auch an Heiligabend und das ist sogar sehr schön. Da essen wir früh mit der Familie und danach kommt man hierher und trifft sich mit Freunden und Verwandten. Alle sehen sich und wünschen sich Frohe Weihnachten. Es gibt natürlich auch Leute die alleine sind, die kommen auch hierher und freuen sich. Dann trinkt man ein bisschen und dann ist es auch keine richtige Arbeit mehr für mich hinter dem Tresen, sondern Spaß. Das hat einfach etwas Magisches, Weihnachten."

Von Mut und zerbrochenen Gläsern

"Das Nachtleben hat schon verrückte Seiten an sich. Wenn die Leute betrunken sind, sind sie oft sehr übermütig. Plötzlich haben sie dann ganz viel Mut. Da hatte ich letztens einen Gast, der hatte fünf bis sechs Getränke bestellt und war auch schon sehr betrunken. Er wollte unbedingt das Tablett selbst tragen und wir haben gesagt: Komm Digga wir bringens dir. Und er ganz überzeugt: Neenee, ich schaff das! Ja, und keine zwei Meter weiter hat er das ganze Ding fallen lassen. Das war dann toll. Da haben wir uns erstmal schlappgelacht und ihm die Getränke später doch rausgebracht."

Vor der Party ist nach der Party

"Dadurch dass wir schon sehr früh aufmachen - wir haben ja schon um 10 Uhr morgens offen - hat man oft Überbleibsel vom Wochenende. Das ist manchmal ganz lustig. Manche schlafen dann halt ein und andere sind noch ganz übermütig und denken, sie sind immer noch beim Partymachen. Lustig, aber nach einiger Zeit auch anstrengend, wenn es Sonntagmorgens um 10, 11 oder 12 Uhr ist..."

„Und in welche Kneipen gehst du?“

"Ich finds toll, dass sowohl Eltern mit ihren Kinder hier herkommen, die Kinder und die Eltern aber auch einzeln bei uns Gäste sind. Da haben also die Kinder und die Eltern die gleiche Stammkneipe. Das hat schon was. So eine Art Generationenbündnis. Ich bin ja auch so einer, von klein auf dabei. Viele Stammgäste kennen mich hier seit ich Windeln an hatte und jetzt schenke ich ihnen Bier aus. Man sieht sich halt gegenseitig aufwachsen."

La Concha für alle

"Nicht jeder Tag ist gleich, das liebe ich so sehr am Concha. Jeden Tag sind andere Gäste da und andere Gespräche entstehen. Und ich liebe, dass hier alles so verschieden ist: Da sitzt eine 16-Jährige neben einem 80-Jährigen. Das ist hier ganz multikulturell und divers und das ist echt schön."

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