Hagelabwehr in der Region Stuttgart Wie Hagelflieger Unwetterschäden verhindern sollen

Seit mehr als 40 Jahren sind die Hagelflieger in der Region Stuttgart im Einsatz gegen Starkregen und Hagelschäden. Dabei nähern sie sich Gewitterwolken unmittelbar an und “impfen“ diese mit Silberjodid. Wir haben Pilotin Julia Rexroth zum Videointerview getroffen.

Digital Unit: Ann-Kathrin Schröppel (aks)
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Stuttgart - Lange bevor ein Unwetter seine ganze Kraft entfesselt, sind sie im Einsatz: Hagelfliegerin Julia Rexroth und ihre Kollegen von der Hagelabwehr. In ihren zweimotorigen Maschinen starten sie vom Flughafen Stuttgart und schwärmen in alle Richtungen aus, dabei führen sie ihre Flüge bis zur Schwäbischen Alb, in die Region Tübingen oder bis fast an den Bodensee. Bereits seit den 80er-Jahren werden die Hagelflieger jährlich von April bis Oktober im Kampf gegen Unwetterschäden an Agrarkulturen eingesetzt, auch Immobilien und Kraftfahrzeuge werden durch ihre Anstrengungen vor Zerstörung bewahrt.

Das Prinzip der Hagelabwehr

Die Hagelflieger „impfen“ auf ihren Rundflügen Gewitterwolken mit Silberjodid, dadurch soll das Risiko durch Hagelschäden verringert werden. Speziell mit Rauchgasgeneratoren ausgestattete Flugzeuge fliegen bei nahenden Gewitterzellen so nah wie möglich an die hagelträchtigen Wolken heran. Die Flugzeuge verbrennen in ihren Rauchgasgeneratoren Silberjodid direkt an der Wolkenbasis.

Über Aufwinde steigen die Partikel in die Wolke, dadurch erhöht sich die Anzahl der Kristallisationskeime. In der Wolke bilden sich viele kleine, statt wenige große Hagelkörner. Dies kleinen Körner schmelzen in der Regel bevor sie den Boden erreicht haben und treffen so nur noch als Regen auf den Grund, anstatt als massive Hagelkörner.

Keine wissenschaftlichen Belege unter Realbedingungen

Michael Stuber ist Leiter des Landwirtschaftsamtes am Landratsamt Rems-Murr-Kreis. Im Videointerview erklärt er, die Wirksamkeit der Hagelflüge wissenschaftlich auszuwerten sei extrem schwierig. „Theoretisch müsste man zwei identische Gewitterzellen vorfinden, von denen die eine mit Silberjodid behandelt wird, die andere jedoch nicht. Das ist in der Praxis unmöglich“, sagt Stuber. Durchgeführte Tests unter Laborbedingungen würden die Wirksamkeit jedoch belegen, auch die Erfolge in der Praxis würden für eine Wirksamkeit der Hagelflieger stehen.

„Durch die Tatsache, das die Wirksamkeit der Hagelabwehr wissenschaftlich nicht oder nur schwer nachweisbar ist, kann man da sicherlich unterschiedlicher Meinung sein“, so Stuber. Die Partner der Hagelabwehr würden jedoch hinter dem Projekt stehen, die Geschäftsstelle Hagelabwehr sei bereits seit 40 Jahren etabliert und es hätten sich bundesweit sowie weltweit eine Vielzahl von Hagelabwehr-Stellen entwickelt.

Gemeinschaftliche Finanzierung unterstützt die Hagelflieger

Laut dem Landratsamt Rems-Murr kostet die Hagelabwehr rund 330 000 Euro jährlich. Finanziert werden die Hagelflieger aus einem Zusammenschluss von Wein- und Obstbauern, Kommunen, Firmen und Versicherungen und dem Rems-Murr-Kreis.




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