Die Rankbach Rockets aus Renningen sind die Hauptdarsteller im Imagefilm der Glücksliga. Foto: Kempa
Die Inklusionshandballer der SpVgg Renningen sind Hauptdarsteller im neuen Imagefilm der Glücksliga. Der Auftritt der Rankbach Rockets war ursprünglich allerdings gar nicht so geplant.
Der Filmset lag nicht in Hollywood oder in New York City oder am Waikiki Beach auf Hawaii, sondern eher weit jenseits von Afrika. Die eher schmucklose Rankbachhalle in Renningen diente als Hintergrund – oder im Jargon: als Location – für die Aufnahmen des neuen Imagefilms des Sportausrüsters Kempa sowie der Glücksliga.
Und die Protagonisten waren allesamt Leinwand-Laien. Die Rankbach Rockets aus der Handball-Inklusionsmannschaft der SpVgg Renningen standen vor den tragbaren Kameras und taten das, was sie bestens beherrschen: Handball spielen. „Es hat sich so ergeben“, erzählt Silke Bächtle, „dass wir jetzt in diesem Imagefilm sind.“
Kamera läuft: Die Rankbach Rockets beim Dreh des Imagefilms in der Rankbachhalle in Renningen. Foto: Kempa
Die Präsidentin der SpVgg Renningen sagt das mit leisem Stolz in der Stimme, was nachvollziehbar ist. Es ist schließlich nichts Alltägliches wie der Besuch eines Trainings, wenn die Rankbach Rockets nun das bundesweite, mediale Aushängeschild der Glücksliga darstellen. Diese wurde 2021 gegründet, um jungen Menschen mit Handicap eine Sichtbarkeit im Sport zu verleihen. Mittlerweile sind 36 Teams mit über 500 Kindern und Jugendlichen in Deutschland aktiv.
Nachdem Kempa einen Partnervertrag mit der Glücksliga geschlossen hatte, wollte der Sportausrüster aus dem Hause Uhlsport mit Sitz in Balingen einen Imagefilm erstellen – geplant war, die Aufnahmen an einer Schule in Baden-Württemberg zu drehen. Auf Vermittlung der deutschen Nationalspielerin Xenia Smits von HB Ludwigsburg landeten die Regisseure bei den Rankbach Rockets. Die 31-Jährige ist eng mit dem Team aus Renningen verbunden und agiert als dessen Botschafterin. „Wir haben uns natürlich sehr gefreut, als sich diese Möglichkeit eröffnet hat“, erzählt Silke Bächtle – und alle waren Feuer und Flamme.
Das Training der Rankbach Rockets umfasst mehr als nur das Handball spielen. Foto: SpVgg
Und dann wurde es hochprofessionell in der sportlichen Heimat der Renninger. Die Kabine wurde hergerichtet wie es bei Bundesligisten üblich ist: Trikots hingen sauber ausgebreitet an Bügeln an den Haken, Utensilien wie Bälle lagen griffbereit. Draußen in der Halle leitete Xenia Smits das Training, die 18 Rockets-Handballer absolvierten verschiedene Übungen, und drei von ihnen freuten sich unbändig beim Interview vor der Kamera. „Jetzt dürfen wir allen zeigen, was wir können“, betonte der kleine Eric. Ein Vater hatte gar mithilfe von künstlicher Intelligenz ein eigenes Mannschaftslied geschaffen, das beim Training abgespielt wurde.
Auch Andreas Stolle, der Mitgründer der Glücksliga, freute sich über des quirlige Miteinander – selbstverständlich durften die Kids nach dem Dreh ihre Trikots behalten, als Zugabe gab es weitere Geschenke wie Bälle und mehr. „Das war ein tolles Event für die Kinder und für unseren Verein“, sagte Silke Bächtle, die die Rockets in der SpVgg vor zwei Jahren mitgegründet hat, „die Wahrnehmung der Glücksliga wird nun bestimmt weiter steigen.“
Die Rankbach Rockets mit Silke Bächtle (vorne re.) bei einem Handball-Spiel in der Stuttgarter Porsche-Arena. Foto: Spvgg Renningen
2023 war das Ziel, Vereine der Region zu animieren, ebenfalls eine Inklusionsmannschaft zu gründen – seitdem sind unter anderem die Füchse aus Weil im Schönbuch dazugekommen. Die Rockets sind in zwei Jahren auf 25 Mitglieder gewachsen. Im September werden die Renninger wieder eine Abordnung zum Glücksliga-Cup nach Lemgo entsenden, wo Inklusionsteams ein Turnier austragen. „Es entsteht so ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis“, betont die Klubchefin der Sportvereinigung.
Nur eine kleine Sorge treibt Silke Bächtle derzeit um. Nach der Insolvenz des Erstligisten HB Ludwigsburg ist die sportliche Zukunft von Xenia Smits ungewiss, möglicherweise schließt sie sich einem neuen Verein in weiterer Ferne an. Doch Silke Bächtle ist überzeugt, dass die Bande fest geknüpft sind. „Es ist ein freundschaftliches Verhältnis entstanden“, betont sie, „Xenia wird den Kontakt zu uns halten.“ Nicht nur, weil sie mit den kleinen Filmstars der Rankbach Rockets gemeinsam vor der Kamera gestanden hat