Mit dem Handball-Supercup an diesem Samstag in Düsseldorf geht die 59. Bundesliga-Saison offiziell los: Double-Sieger SC Magdeburg trifft auf Vizemeister Füchse Berlin (18.30 Uhr). Davor treffen um 15.30 Uhr die Frauenteams HB Ludwigsburg und TuS Metzingen aufeinander. Der erste Männer-Bundesliga-Spieltag startet am 5. September. Wir haben zehn Köpfe herausgepickt, die eine besondere Rolle spielen.
Andreas Wolff Diese grandiose Vorstellung beim olympischen Halbfinale ist noch frisch in Erinnerung. Ob mit dem Arm, mit dem Bein auf Kopfhöhe oder mit der Schulter: Mit wahnwitzigen 22 Paraden und einer Quote, die lange Zeit über 50 Prozent lag, trieb der deutsche Nationalkeeper die spanischen Schützen zur Verzweiflung – und ebnete den Weg ins Finale. Jetzt ist dieser hünenhafte Weltklasse-Keeper, gestählt in unzähligen Stunden im Kraftraum, wieder da. Nach fünf Jahren beim polnischen Topclub Kielce kehrt der 33-Jährige in die Bundesliga zurück. Warum er sich wieder dem THW Kiel anschloss, von dem er 2019 nach drei Jahren – nicht zuletzt wegen des übermächtigen Niklas Landin – geflüchtet war? „Kiel ist der historisch erfolgreichste Club in Deutschland und einer der besten weltweit. Der THW wird immer eine starke Mannschaft haben, dort sind einfach unfassbar professionelle Strukturen“, begründete Wolff. Bleibt die Frage, ob das Imperium aus Kiel (23 deutsche Meisterschaften) nach dem enttäuschenden vierten Platz mit dem Weltklassemann zwischen den Pfosten zurückschlagen kann.
Kentin Mahe Mit 20 Jahren war dieser junge Mann schon einmal beim VfL Gummersbach. Mit jetzt 33 Jahren will es der französische Europameister (2014), Weltmeister (2015, 2017) und Olympiasieger (2020) beim Vorjahres-Sechsten noch einmal wissen. Stationen beim HSV Hamburg, bei der SG Flensburg-Handewitt und zuletzt sechs Jahre beim ungarischen Spitzenclub Veszprem liegen hinter dem genialen Spielmacher. Der Familienvater, der mit seiner deutschen Frau Franziska die Kinder Vida (6) und Juno (3) hat, steht voll im Saft. Er ist der erste, der morgens in den Kraftraum kommt und der letzte, der abends die Trainingshalle verlässt: „Ich fühle mich noch nicht alt. Ich will hier keine Rentnerrunde drehen. Im Gegenteil. Ich möchte dabei helfen, dass der VfL die guten Ergebnisse bestätigen und sich oben etablieren kann.“
Lemgo freut sich auf die Krake von Köln
Constantin Möstl Er war die Entdeckung der vergangenen EM und wurde zur Krake von Köln. Im Hauptrundenspiel gegen Deutschland (22:22) sorgte der österreichische Nationaltorwart 60 Minuten lang für ungläubiges Kopfschütteln. Der 23-Jährige, der damals noch beim Vorarlberger Spitzenverein HC Alpla Hard unter Vertrag stand, hielt 47 Prozent der Würfe auf sein Tor. Eine exorbitante Quote – und keine Eintagsfliege: In vier von sieben EM-Partien der Österreicher wurde er zum „Spieler des Spiels“ gewählt. Mit all dem war so nicht zu rechnen. Gut, Begabung und Begeisterung lagen bereits in der Möstl-Wiege. Schon Vater Werner war Torwart, mit West Wien viermal Meister und international erfolgreich. Doch der Junior begann als Feldspieler. Ein Wachstumsschub und ein Turnier in Slowenien ließen ihn mit 15 ins Tor wechseln. Die Nummer eins hatte abgesagt, also stellte sich der Teenager zwischen die Pfosten. Und da blieb er auch. Ab dieser Saison auch sehr zur Freude des TBV Lemgo Lippe, der sich die Dienste Möstls für zwei Jahre sicherte. Übrigens schon vor der EM.
Ben Matschke Geringeres Budget, ein verjüngter Kader mit sieben Zugängen und neun Abgängen, darunter erfahrene Kräfte wie Urgestein Tim Kneule, Publikumsliebling Kresimir Kozina oder Nationalspieler Sebastian Heymann: Der Umbruch bei Frisch Auf Göppingen ist so groß wie noch nie seit dem Wiederaufstieg 2001. Doch wer glaubt, Ben Matschke hätte in irgendeiner Form Bammel vor der kniffligen Aufgabe, der irrt sich gewaltig. Der neue Coach geht alles mit viel Frische und Optimismus an, seine Vorfreude, seine Begeisterungsfähigkeit wirken fast schon ansteckend. „Dieser Verein hat eine Riesenstrahlkraft. Die Herausforderung, dort etwas entwickeln zu können, ist enorm groß“, begründet der 42-Jährige den Reiz seiner Mission. Die große Tradition des Clubs müsse den Weg leuchten. „Die Tugenden, die schon vor Jahrzehnten in der damaligen Hohenstaufenhalle zum Tragen kamen, sehe ich als Verpflichtung. Ich möchte den Spielern nicht nur eine Spielidee an die Hand geben, sondern Ihnen auch erklären, was es bedeutet, dieses Trikot zu tragen“, betont der gebürtige Heilbronner. Wo die Reise für die Wundertüte Frisch Auf hingeht, ist eine der spannendsten Fragen in der kommenden Runde.
Königstransfer Lenny Rubin
Lenny Rubin Der TVB Stuttgart hat einige junge unerfahrene Spieler für die neue Saison verpflichtet, die die Bundesliga noch nicht kennen. Da trifft es sich gut, dass zumindest der Stuttgarter Königstransfer für die Königsposition mit der Beletage des deutschen Handball bestens vertraut ist. Der Schweizer Nationalspieler prägte in den vergangenen sechs Jahren eine Ära bei der HSG Wetzlar. Beim TVB soll der 2,04-Meter-Riese die Lücke schließen, die der Schwede Adam Lönn (nach Frankreich) hinterließ. „Durch Lenny erwarte ich eine geringere Fehlerquote, zudem wird unser Angriffsspiel auf mehrere Schultern verteilt, das macht uns unberechenbarer“, sagt Trainer Michael Schweikardt. Und in der Deckung soll der 27-Jährige zusammen mit seinen Landsleuten Samuel Röthlisberger und Lukas Laube dafür sorgen, dass die Abwehr mit einem löchrigen Schweizer Käse schon mal gar nichts zu tun hat.
Julius Kühn Er ist einer dieser gefragten Männer für die einfachen Tore, vor dem die Abwehrspezialisten einen Mordsrespekt haben. Weil sie mit ihrer physischen Präsenz einfach nur hochsteigen und den Ball unerbittlich ins Netz zischen lassen, begleitet von einem Raunen in der Halle. Genau solche Momente erwartet die SG BBM Bietigheim in der neuen Saison von Julius Kühn. Genau solch ein Mann, der die Gegner mit der Wurfgewalt eines Dampfhammers auch mal im Alleingang zerlegen kann, fehlte dem Aufsteiger bisher. Für den 31-jährigen Europameister von 2016 (92 Länderspiele/294 Tore) kommt das Engagement beim Team von Trainer Iker Romero einem Neuanfang gleich – nach sieben Jahren bei der MT Melsungen. In Hohenhaslach hat er sich mit Frau Melinda und den Kindern Sienna (1) und Lio (2) bestens eingelebt. Die Mission Klassenverbleib kann beginnen: „Die Mannschaft ist eingespielt, bringt eine hohe Emotionalität und Kämpfermentalität mit – und wir haben einen erfahrenen Taktikfuchs als Trainer“, zeigt sich Kühn optimistisch.
Neue Herausforderung für Heymann
Sebastian Heymann Eigentlich sind Frisch Auf Göppingen und der 1,98 Meter große Modellathlet untrennbar miteinander verbunden. Einen Mittelfußbruch, zwei Kreuzbandrisse und weitere kleinere Blessuren überstand diese gewachsene Gemeinschaft. Doch nach acht Jahren war Schluss. Die Identifikationsfigur ist weg. Der 26-Jährige (44 Länderspiele/84 Tore) setzt nun für Ligarivale Rhein-Neckar Löwen zum Sprungwurf an. „Ich möchte eine neue Herausforderung für mich angehen, und da bringen die Löwen alles mit, was ich mir wünsche. Ehrgeizige Ziele, ein Trainer mit einer klaren Vorstellung von Handball und ein hochprofessionelles Umfeld: Darauf freue ich mich riesig“, sagt Heymann. Kleiner Vorteil für das heimatverbundene, abwehrstarke Rückraumass: Zu seinem neuen Arbeitgeber ist es für den Heilbronner sogar näher als zum alten.
Tobias Reichmann Der Mann hat dreimal die Champions League gewonnen, war aber in der Saison 2022/23 in die dritte Liga zum TV Emsdetten abgetaucht. Bei den Rhein-Neckar Löwen feierte der 36-Jährige im Januar 2024 ein genauso überraschendes wie dann auch erfolgreiches Comeback. Zur Belohnung darf der Linkshänder in der kommenden Saison noch eine Abschlussrunde bei den Füchsen Berlin drehen. Als Nachfolger des ewigen Hans Lindberg (43), in seiner Geburtsstadt, in der der Europameister von 2016 noch nie für den Verein am Ball war. Ziele hat Reichmann noch genug: In der Bundesliga mit den Füchsen den ersten Meistertitel in die Hauptstadt holen, in der Champions League Talant Dujshebaev, seinen Ex-Coach in Kielce, ärgern – und noch sein 1000. Bundesligator erzielen. Derzeit steht der Rechtsaußen bei 919.
Toptorjäger zum deutschen Meister
Manuel Zehnder Er war vom HC Erlangen (Vertrag bis 2026) an den ThSV Eisenach ausgeliehen und avancierte zum Torjäger Nummer eins in der vergangenen Saison: 277 Treffer erzielte der Schweizer Nationalspieler für den Aufsteiger, der nicht zuletzt deshalb fast sensationell in der Liga blieb. Logisch, dass sowohl die Eisenacher als auch die Erlanger diesen Ausnahmehandballer liebend gerne 2024/25 in ihrem Team gehabt hätten. Für Zehnder aber stand fest: Nach Erlangen will er nicht. Wegen eines Formfehlers (offenbar digitale Unterschrift statt Originalschriftform) in dem bis 2026 laufenden Vertrag kündigte Zehnder zum 30. Juni 2024 beim HCE. In zwei Instanzen war er jedoch vor Gericht gescheitert. Die Fronten in diesem einmaligen Sommertheater waren total verhärtet. Davon profitiert nun den SC Magdeburg. Der deutsche Meister funkte dazwischen – und sicherte sich die Dienste des 24-Jährigen als Ersatz für seinen bei Olympia verletzten Spielmacher Felix Claar. „Wir hätten Manuel nicht zu jedem Verein abgegeben“, sagte HCE-Präsident Carsten Bissel, „der SCM ist einer der besten Vereine der Welt.“ Und einer der bereit war, die kolportierten 400 000 Euro an Ablöse zu berappen.
Emir Kurtagic Der Mann hat eine Aufgabe vor sich. Er folgt auf die ultimative Instanz im deutschen Handball, er folgt auf Bob Hanning. Der ehemalige DHB-Vizepräsident führte den 1. VfL Potsdam genauso überraschend wie souverän in die Bundesliga. Nun soll es der ehemalige Junioren-Bundestrainer richten, der zuvor den VfL Gummersbach, den TV Hüttenberg und den TuS N-Lübbecke trainierte. Kurtagic spricht von einem „einmaligen Projekt und der großen Chance, unserem Nachwuchs auch auf höchster Ebene Spielzeit zu geben, wo sie nicht nur Statisten, sondern auch in der Verantwortung sein werden.“ Und Hanning? Der freut sich auf die Derbys gegen seine Füchse und sagt mit Blick auf den Start am 8. September gegen Mitaufsteiger SG BBM Bietigheim: „Das ist ein historischer Moment, verdammt nochmal. Nichts anderes ist das.“ Mit dem Zusatz: „Wir sind nicht da, um Tourismus in Deutschland zu betreiben. Die Zielsetzung ist der Klassenerhalt – wissentlich, dass das eine Herkulesaufgabe ist.“ Im DHB-Pokal kam in Runde eins bereits das Aus beim HC Empor Rostock. Gutes Gelingen für die Liga, Herr Kurtagic!
Info
Männer-Supercup
Da der deutsche Meister und DHB-Pokalsieger SC Magdeburg schlecht gegen sich selbst spielen kann, geht es im Supercup an diesem Samstag (18.30 Uhr/PSD Bank Dome Düsseldorf) gegen Vizemeister Füchse Berlin.
Frauen-Supercup
Der alte und neue deutsche Meister SG BBM Bietigheim trifft im ersten Spiel als HB Ludwigsburg am Samstag um 15.30 Uhr in einem württembergischen Derby auf die DHB-Pokalsiegerinnen der TuS Metzingen. Beide Spiele zeigt Bezahlsender Dyn.
Erster Männer-Bundesliga-Spieltag
TSV Hannover-Burgdorf – VfL Gummersbach (5. September, 19 Uhr), TBV Lemgo Lippe – MT Melsungen (5. September, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – THW Kiel (5. September, 20.30 Uhr), Frisch Auf Göppingen – HSV Hamburg (6. September, 19 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – HC Erlangen (6. September, 20 Uhr), SC Magdeburg – HSG Wetzlar (7. September, 18 Uhr), ThSV Eisenach – Füchse Berlin (7. September, 20 Uhr), SC DHfK Leipzig – TVB Stuttgart (8. September, 15 Uhr), 1. VfL Potsdam – SG BBM Bietigheim (8. September, 16.30 Uhr).
Erster Frauen-Bundesliga-Spieltag
HB Ludwigsburg – Frisch Auf Göppingen (4. September, 19 Uhr), Sport-Union Neckarsulm – HSG Bensheim-Auerbach (7. September, 18 Uhr), BVB Dortmund – Buxtehuder SV (7. September, 19 Uhr), BSV Sachsen Zwickau – HSG Blomberg-Lippe (8. September, 16 Uhr), Bayer Leverkusen – Thüringer HC (8. September, 16 Uhr), TuS Metzingen – VfL Oldenburg (noch nicht terminiert/voraussichtlich 2. Oktober). (jüf)