Handball-Oberliga Trotz vorheriger Zusage – Trainer verlässt die SG H2Ku Herrenberg doch

Jörg Ebermann (li.) ist bewusst, dass er in der ganzen Angelegenheit eine ziemlich unglückliche Figur abgibt. Foto: Eibner/Thiemann Kirsten

Die SG H2Ku Herrenberg muss sich zur neuen Saison überraschend einen neuen Trainer für die Handball-Männer suchen. Der Abgang von Jörg Ebermann trotz Zusage sorgt für Ärger und Frust.

Für die SG H2Ku Herrenberg hätte diese Nachricht zu kaum einem schlechteren Zeitpunkt kommen können: Jörg Ebermann verkündete seinen Abschied von den Oberliga-Handballern zum Saisonende. Was den Weggang des Trainers so besonders macht: Noch vor wenigen Wochen hatte er seinen Vertrag quasi um ein Jahr verlängert. Genauer gesagt zog er zum 1. Dezember die beidseitige Option auf eine weitere Zusammenarbeit nach zwei Jahren Laufzeit.

 

Eigentlich war der frühere Coach des TV Bittenfeld II als Hoffnungsträger gekommen. Seine anspruchsvolle Aufgabe: Aus einer fast komplett neu zusammengestellten Mannschaft sollte er nach dem Abstieg aus der Regionalliga ein schlagkräftiges Team formen, das mittelfristig wieder nach oben schielen sollte. Das Vorhaben Neuanfang gelang recht gut im ersten Jahr, nun sollte in dieser Saison ein weiterer Schritt folgen.

SG H2Ku Herrenberg steckt in der Oberliga im Tabellenkeller

Doch die bisherige Runde verlief anders als erwartet. Der Abgang der Spielmacher Luk Bartsch und Philipp Wanner konnte nicht kompensiert werden, mit Kenneth Stiegen fiel der Senkrechtstarter der Vorbereitung gleich für längere Zeit aus. Die Folge war ein stetes Abrutschen in die Abstiegszone bis auf den vorletzten Platz.

„Wir hatten die Situation im Kompetenzteam gemeinsam mit dem Trainer Ende November analysiert und Jörg Ebermann unser Vertrauen ausgesprochen“, erklärt Marcel Kohler als Sprecher des siebenköpfigen Managements der H2Ku-Männer. Daraufhin zog der Übungsleiter die besagte Option für ein weiteres Jahr.

Die SG H2Ku Herrenberg schwebt in der Oberliga in akuter Abstiegsgefahr. Foto: Eibner/Thiemann Kirsten

Kohler, der selbst die zweite Mannschaft in der Verbandsliga coacht, hält fachlich auch heute noch große Stücke auf den Trainer. Umso enttäuschter ist er nun vom jetzigen Rückzieher von Jörg Ebermann. „Eigentlich wollte ich mich nicht im Januar mit einer Trainersuche beschäftigen“, so ein frustrierter Kohler mit dem Wissen von vier anstehenden Schlüsselpartien um den Klassenerhalt.

Für Ebermann selbst ist es indes auch eine unangenehme Situation. „Ich muss das natürlich auf meine eigene Kappe nehmen“, macht der Coach kein Hehl daraus, dass er anders hätte agieren müssen. „Eigentlich waren schon vor der Verlängerung um ein weiteres Jahr einige Zweifel in mir. Ich wollte aber auch niemanden im Verein hängen lassen.“

„Eigentlich waren schon vor der Verlängerung um ein weiteres Jahr einige Zweifel in mir. Ich wollte aber auch niemanden im Verein hängen lassen.“

Jörg Ebermann, zum Saisonende scheidenden Trainer der SG H2Ku Herrenberg

Diese Loyalität wurde aber schon nach dem letzten Hinrundenspiel Mitte Dezember mit der 28:33-Niederlage bei der HSG Konstanz II praktisch vom eigenen Gewissen auf die Probe gestellt. In den handballfreien Tagen reifte in Ebermann die Erkenntnis, vielleicht doch nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. „Ich hatte mir natürlich auch selbst viel vorgenommen, was ich nicht wie gewünscht erreicht habe“, blickt er auf die vergangenen 18 Monate selbstkritisch zurück.

Letztlich ganz ins Wanken geriet sein Herrenberger Weltbild dann mit der Anfrage von der HSG Ostfildern. Ein Angebot, das er letztlich nicht ausschlagen konnte. Kürzere Wege, eine Klasse höher, dazu wieder das Vormittagstraining mit den Spielern von TVB Stuttgart und JANO Filder waren zu verlockend.

Leicht ist ihm die Entscheidung allerdings nicht gefallen. Deswegen hat der scheidende Coach auch vollstes Verständnis für jegliche Kritik, die auf ihn zukam und noch kommt. Auch wenn Jörg Ebermann mit der SG H2Ku die selbst gesteckten Ziele momentan nicht erreicht hat, ist er für die restlichen Partien hoch motiviert: „Jetzt erst recht will ich es den Kritikern zeigen.“

Dabei hofft er natürlich, dass seine Mannschaft diesen Kampf um den Klassenerhalt ebenso engagiert aufnimmt wie er selbst. „Das muss nun jeder selbst mit sich ausmachen. Ich zumindest bin bereit, bis zum letzten Spieltag zu kämpfen.“

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