Handwerkermarkt Sindelfingen Die wunderbare Welt des Selbstgemachten

Schönes Ambiente und freundliche Stimmung: Das ist der Handwerkermarkt in Sindelfingen. Foto: Stefanie Schlecht

Beim Sindelfinger Handwerkermarkt gibt es viel, was es woanders nicht gibt. Vor allem Besucher, die das zu schätzen wissen. Am Wochenende fand er zum 38. Mal statt.

Der Duft von Seifen und frischen, würzigen Backwaren schwebt in der Sindelfinger Altstadt, Schmuck glänzt im Licht, Tücher wehen, Farben, Gerüche, schöne Dinge überall – und Menschen, die sich Zeit lassen, zwischen all dem umher zu wandern, die schauen, kaufen und verweilen, beim 38. Sindelfinger Handwerkermarkt, am Samstagnachmittag.

 

Organisiert wird der Markt von Lisa Hein, Nico Schlüter und der Familie Pohl, die in der Kurzen Gasse lebt. Martin Hein, der die Organisation des Handwerkermarktes seit den 1980er Jahren innehatte, arbeitet weiterhin mit. Er ist der Vater von Lisa Hein, die 1990 an einem Tag des Handwerkermarktes zur Welt kam, am Sonntag nun ihren Geburtstag feiert. „Ein echtes Handwerkermarktkind.“

Schlechtes Wetter gibt es beim Handwerkermarkt nicht

Am Sonntag werden mehr Besucher auf den Markt kommen, als am Samstag, glaubt Martin Hein, hält das aber für ganz unwichtig: Menschenmassen, die über den Markt drängen, wünscht er sich gar nicht. „Wir sind die einzige Veranstaltung hier, bei der die Anlieger nicht davonlaufen“, sagt er. Und auch die Besucher ist er sich sicher, sie lieben den Handwerkermarkt innig. Ein Unwetter vermag dem nichts anzuhaben: „Unsere Fans kommen auch mit Regenschirm.“

Sindelfingen“, erklärt Martin Hein, „war eine Weberstadt. Bis 1910 war jede zweite Familie hier eine Weberfamilie.“ Der Handwerkermarkt war deshalb in seinen frühen Jahren vor allen Dingen ein Textilmarkt. Längst hat sich das gewandelt, präsentieren Handwerker und Kunsthandwerker in weitestem Sinne ihre Waren. Dennoch ist die Zahl der Beschicker rückläufig. Grund für die Verkleinerung sind einerseits strengere Sicherheitsvorschriften der Feuerwehr, ist andererseits die Tatsache, dass die Corona-Pandemie für viele Handwerker fatal war.

Bunt ist der Markt geblieben. Musik schwebt zwischen den Ständen – am frühen Nachmittag der US-amerikanische Folk einer Backporch-Band, später dann die fein gesponnenen, gefühlvollen Klänge des Luis & Rosa Trios aus Avignon. Ein Stück weiter, an einer Ecke der kopfsteingepflasterten Altstadt, entlockt Monica von Silberschatten aus Stuttgart ihrer keltischen Harfe ätherische Klänge. „Ich komme seit fast 30 Jahren hierher“, sagt sie. „Mir gefällt alles an diesem Markt.“

Plädoyer für die Fantasie: Puppe statt Handy

Gewiss Hunderte Puppen belagern den Stand von Susanne Schuster aus Augsburg. Alle sind sie von Hand genäht, mit Schafwolle gestopft. „Man sollte einem Kind kein Handy geben, auf dem es sich einen Film anschaut“, sagt die Puppenmacherin, „sondern eine Puppe, mit der es sich beschäftigen kann. Puppen beginnen zu leben, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.“

Stefan Weigelt aus Schwäbisch Gmünd ist zum ersten Mal in Sindelfingen. Er verkauft so genannte „Balance Boards“, Bretter aus Birkenholz, elegant und auf Wunsch in persönlicher Ausführung. Jung und Alt können auf ihnen Gleichgewichtssinn und Tiefenmuskulatur verbessern. „Die Stimmung hier ist super“, sagt Weigelt. „Ich werde wiederkommen, auf jeden Fall.“

Am feinen Faden: Püppchen und Tierchen Foto: Stefanie Schlecht

Lederwaren, handgefertigte Bürsten, Glaskunst Seifen, Keramik, Mode, nebst überaus wohlschmeckendem Gebäck, frisch zubereitetem Eis, Süßwaren und Crêpes – das alles gibt es auf dem Handwerkermarkt. Gudrun Merz-Linz ist zum zweiten Mal dabei und bietet Knöpfe in jeder Größe und mit vielen Motiven an, ob traditionell oder abstrakt. Sie schwärmt schon vom Sindelfinger Markt: „Das Angebot ist sehr groß und die Veranstalter sind superfreundlich!“ Nicola Schellhammer stammt ursprünglich aus Böblingen, wo es sie nicht hielt – nun lebt sie in Eberdingen bei Vaihingen/Enz und ist Goldschmiedemeisterin, bietet Schmuck an und Lesezeichen, ist zum ersten Mal dabei und überlegt sich, wiederzukommen.

Ein Wiedersehen nach 20 Jahren

Magdalena Holz kommt aus Karlsruhe. Sie ist Lehrerin und erfüllte sich einen Kindheitstraum: „Ich wollte unbedingt weben“, sagt sie, „und ich wollte produzieren. Ich habe mir meine Lehrer gesucht.“ Gefunden hat sie sie, unter anderem, in Sindelfingen. Dort belegte sie vor vielen Jahren mehrere Kurse. Am Handwerkermarkt nimmt sie zum zweiten Mal teil. „Man merkt schon, dass Sindelfingen eine Weberstadt war“, sagt sie. „Auf anderen Märkten treffe ich weniger Leute, die echtwebinteressiert sind. Hier kommen viele, die schon Kurse gemacht haben und näheres über die Technik wissen wollen.“

Reinhard Rau indes bietet seine bearbeiteten Edelsteine, seinen individuell schimmernden Schmuck aus Muschelkalk, schon seit den 1990er Jahren auf dem Sindelfinger Markt an. Für ihn hat sich dabei nur sehr wenig geändert. Zufrieden ist er nach wie vor. „Ich habe mein Stammpublikum“, sagt er. „Heute war eine Dame da, die schon vor 20 Jahren bei mir Ohrringe erstanden hat. Es kommen junge Menschen und alte. Und manche bringen schon ihre Enkel mit.“

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